Europawahl Der einzige Münchner in Brüssel

Im neuen Europaparlament werden nur noch zwölf Abgeordnete aus Bayern sitzen. Aus München hat es nur der Atomphysiker Klaus Buchner geschafft - für die ÖDP. Ein Brüsseler Urgestein ist hingegen rausgeflogen.

Von Dominik Hutter

Für die ÖDP ist er so etwas wie der personifizierte intellektuelle Überbau: Klaus Buchner, der Spitzenkandidat aus München, der sich nun eine Wohnung in Brüssel suchen muss. Der 73-jährige Atomphysiker taucht seit vielen Jahren überall dort auf, wo es Vorträge zu umweltwissenschaftlichen Themen zu halten gilt - und ist damit das Gegenbild zum typischen Polit-Aktivisten, der sich offensiv in den Vordergrund drängt.

Zu Sebastian Frankenberger etwa, dem umtriebigen Bundesvorsitzenden der ÖDP, für den der ruhige und besonnene Universitätsprofessor im Jahr 2010 aus Altersgründen den Posten an der Parteispitze freimachte. Buchner ist nicht auf Showeffekte aus, lieber doziert er ernsthaft über Freihandelsabkommen, die Gefahren des Mobilfunks oder die Fehlerhaftigkeit der EU-Verträge - in einem gelegentlich altertümlichen Tonfall. Als er einmal in einem Interview erklärte, bei der Energiewende würden die Bürger "von oben bis unten belogen", tat er dies mit völlig ruhiger Stimme und entschuldigte sich obendrein für das "harte Wort".

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Nun wird Buchner EU-Abgeordneter, als einziger Politiker der ÖDP. Und als einziger Münchner. Das Mandat bildet die späte Krönung eines langen politischen Wegs, der gebürtige Münchner trat 1983 der ÖDP bei. Damals, das gehört heute zur gut gepflegten Buchner-Mythologie, war er noch Anhänger der Atomenergie, was schon lange nicht mehr der Fall ist. Buchner kündigt an, in Bürgersprechstunden künftig über seine Arbeit zu berichten und Wünsche entgegenzunehmen. "Ich möchte meinen Beitrag dazu leisten, dass in Europa politische Entscheidungen nicht mehr zum Nachteil der Bürger gefällt werden."

Zum europapolitischen Inventar zählte dagegen der zweite Münchner im EU-Parlament, der CSU-Politiker Bernd Posselt. Wegen des schlechten Ergebnisses seiner Partei schaffte es der 58-Jährige nicht noch einmal - er ist nach 20 Jahren aus dem Europaparlament geflogen. Für diesen Fall, so sagte er am Sonntag, werde er sich aber weiter "für einen klar pro-europäischen Kurs einsetzen, mit dem die CSU unter Franz Josef Strauß große Erfolge gefeiert hat". Posselt gilt als leidenschaftlicher Verfechter der europäischen Integration und als Vertreter der Sudetendeutschen in Straßburg.

Nicht in München, aber im Vorort Vaterstetten lebt seine Kollegin Angelika Niebler, die wiedergewählt wurde. Nadja Hirsch (FDP), die einstige Münchner Stadträtin, hat es nicht mehr ins Europaparlament geschafft.

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