Europawahl Wie die Münchner gewählt haben

Die drei Kandidaten der bayerischen SPD, Kerstin Westphal, Ismail Ertug und Maria Noichl (v. li.), bekommen wohl einen Platz im EU-Parlament.

(Foto: Stefan Puchner/dpa)

Bei den vergangenen Europawahlen war die Münchner SPD nur noch die drittstärkste Kraft. Nun ziehen sie zumindest an den Grünen vorbei. Die CSU bleibt knapp vorne - und schreibt ihre Verluste vor allem einem Mann zu.

Von Dominik Hutter

Ganz so stark wie im übrigen Bayern waren die Verluste zwar nicht - die CSU musste bei der Europawahl aber auch in München eine herbe Niederlage einstecken. Zwar behauptete sich die Partei mit 26,9 Prozent der Stimmen knapp als stärkste Partei. Dem Minus von 6,1 Prozentpunkten steht aber ein erheblicher Zuwachs bei der SPD gegenüber.

Mit 25,7 Prozent (plus 8,8) eroberten die Sozialdemokraten Rang zwei in München zurück, den sich bei den Europawahlen 2004 und 2009 noch die Grünen geschnappt hatten. Sie verbuchten diesmal einen leichten Rückgang und kamen auf 19,7 Prozent. Die dramatischsten Verluste fuhr auch in München die FDP ein, die von 13,6 Prozent im Jahr 2009 auf nurmehr 5,3 Prozent abstürzte. Die EU-kritische AfD erreichte auf Anhieb 7,8 Prozent und wurde damit vierstärkste Kraft in München.

Quittung für den populistischen Wahlkampf

Es zählt in München schon zur politischen Tradition, dass die einzelnen Stadtviertel völlig unterschiedlich abstimmen. Beispiel AfD: Die Partei, die erstmals bei einer Europawahl antrat, hat ihre Hochburgen in Ramersdorf-Perlach und Feldmoching-Hasenbergl, wo sie auf 10,0 und 10,2 Prozent kam. In der Isarvorstadt dagegen unterstützen lediglich 4,6 Prozent die Euro-Kritiker.

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Ansonsten gilt wie immer: In den äußeren Bezirken liegt die CSU vorne, ihr bestes Ergebnis holt sie wie schon bei der Kommunalwahl im Heimatquartier des neugewählten Bürgermeisters Josef Schmid (CSU): 36,9 Prozent in Allach-Untermenzing. Insgesamt liegt die CSU in 15 Stadtbezirken vorne, die SPD in fünf und die Grünen ebenfalls in fünf. Rekordhalter für die SPD ist Milbertshofen/Am Hart mit 28,8 Prozent, die Grünen kommen in der Isarvorstadt auf 31,6. Die Wahlbeteiligung ist im Vergleich zu 2009 wieder angestiegen und lag bei 45,8 Prozent.

Auch kleinere Parteien haben in München ihre Hochburgen. So erreicht die FDP in Altstadt/Lehel 9,6, die Linke auf der Schwanthalerhöhe 6,9 Prozent. Stadtweit kommt die Linke, die im Stadtrat mit zwei Mandaten vertreten ist, bei leichtem Zugewinn auf vier Prozent.

Die Freien Wähler fallen auf 1,8 Prozent und damit hinter die ÖDP zurück, die sich auf 2,7 Prozent verbesserte. Die ÖDP ist als einzige Partei mit einem Münchner Abgeordneten in Straßburg vertreten: Der frühere Bundesvorsitzende Klaus Buchner wird das bundesweit einzige Mandat seiner Partei annehmen. Laut den Prognosen vom Sonntagabend scheiterten alle anderen Münchner Kandidaten, darunter auch der langjährige Abgeordnete Bernd Posselt (CSU).

Alles dreht sich um den Spitzenkandidaten

"Entscheidend war die Spitzenkandidatur des Deutschen Martin Schulz", sagte der Zweite Bürgermeister Josef Schmid (CSU) über das schlechte Abschneiden seiner Partei, die freilich selbst auf Plakatwerbung für den EVP-Spitzenkandidaten Jean-Claude Juncker verzichtet hatte. "Man erkennt, dass man alle Wahlen, auch die Europawahlen, immer stärker auf eine Spitzenperson ausrichten muss", betonte Schmid. Und bedauerte: "Der Trend zur Wahlenthaltsamkeit schreitet voran."

Auch Münchens SPD-Chef Hans-Ulrich Pfaffmann führt das gute Abschneiden seiner Partei auf ihren Spitzenkandidaten zurück, der mit einem "klaren Bekenntnis zu einem sozialen Europa" gewonnen habe. "Die CSU hat die Quittung für den populistischen Wahlkampf bekommen, und das ist gut so." Wahlkampf auf dem Rücken von Migranten komme bei den Menschen nicht an, "auch in Bayern nicht", sagte Pfaffmann.

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Martin Schulz auf dem Weg nach oben

Aus Sicht ihrer Parteichefin Katharina Schulze haben die Grünen in München ein gutes Ergebnis eingefahren. Die Europawahl bilde die "Kür ganz am Ende", alle grünen Wahlkämpfer hätten nach dem monatelangen Abstimmungsmarathon noch einmal ihr Bestes gegeben - mit Erfolg. Dass die Grünen bei einer Europawahl nicht mehr zweitstärkste Kraft in München sind, liegt für Schulze vor allem an der SPD selbst, die schließlich 2009 ihr historisch schlechtestes Ergebnis eingefahren habe. Hätten die Sozialdemokraten ein solches Resultat nicht korrigieren können, wäre dies ein "Armutszeugnis" gewesen.

1094 Stimmen für die NPD

Keine Rolle spielten am Sonntag in München die rechtsradikalen Parteien. Die NPD kam auf 0,3 Prozent, was in absoluten Zahlen 1094 Wähler sind. Die Gruppierung Pro NRW, die auch in München antrat, kam auf 154 Stimmen (0,0 Prozent).

Unter den Splitterparteien, die künftig einen Abgeordneten nach Straßburg schicken, schnitten in München die Piraten am besten ab - mit 1,9 Prozent. Die Tierschutzpartei kam auf 1,2 Prozent, die Familienpartei auf 0,2, die Bayernpartei 0,8. Immerhin 0,7 Prozent der Münchner stimmten für die Spaßorganisation "Die Partei". Im ganz linken Spektrum kam die DKP auf 0,1 und die MLPD auf 0,0 Prozent.