Digitale Partnerschaft Deutsches Museum arbeitet mit Google zusammen

Die Plattform Google Cultural Institute präsentiert zunächst 323 Objekte aus den Sammlungen in ihrem virtuellen Museum.

(Foto: Stephan Rumpf)

Der erste Dieselmotor der Welt, der Faradaysche Käfig, das berühmte U-Boot U1: Sie alle sind nun auch online zu bewundern. Das Deutsche Museum lässt Google Teile seiner Bestände digitalisieren. Und Museumschef Heckl muss sich kritischen Fragen stellen.

Von Martina Scherf

Nun ist auch das Deutsche Museum einen Pakt mit dem Internetkonzern Google eingegangen. Nach der Bayerischen Staatsbibliothek, die seit Jahren einen Großteil ihrer Bestände von Google scannen lässt, sind jetzt auch einige der Meisterwerke des berühmtesten Technikmuseums der Welt im Internet verfügbar.

Die Plattform Google Cultural Institute präsentiert zunächst 323 Objekte aus den Sammlungen in ihrem virtuellen Museum. Street View zeigt Außenansichten der Museumsinsel. Damit können Menschen in allen Teilen der Welt, die sonst vielleicht nie die Chance hätten, das Deutsche Museum zu besuchen, dessen Schätze kennen lernen.

Die Kraftmaschinenhalle mit dem ersten Dieselmotor der Welt, der Faradaysche Käfig, das berühmte U-Boot U1, sie sind nun online zu bewundern. Welche Möglichkeiten die digitale Erfassung der Objekte bietet, lässt sich an einem frühen Computer sehen: Das Foto der Platine des ersten kommerziellen Mikroprozessors aus dem Jahr 1971 ist so hoch aufgelöst, dass man alle Details extrem heranzoomen kann und erkennt.

Mit Messinstrumenten und Kamera

Der Arbeitstisch von Otto Hahn, dem Chemiker, der zusammen mit Lise Meitner und Fritz Strassmann 1938 die Atomspaltung entdeckt hat (und dafür 1944 den Nobelpreis erhielt), gehört ebenfalls zu den Meisterwerken: Der hier gezeigte Versuchsaufbau wird von Hahns Originalstimme begleitet. Die beliebte Sonderausstellung "Technik der 50er Jahre", mit Radio und Föhn, ist ebenfalls noch mal zu sehen.

Für Rundgänge durchs Museum hat die Münchner Google-Dependance einen Rucksack entworfen und erprobt: Der Cartographer erlaubt es, mit Messinstrumenten und Kamera ausgestattet, Innenräume exakt zu vermessen. Getestet wurde das Gerät in der zum Deutschen Museums gehörigen Flugwerft in Schleißheim. Online mit Hilfe von Google Street View sind bisher nur die Außenansichten der Museumsinsel und der Blick vom Turm über München zu sehen. Rundgänge durch die Ausstellungen könnten aber folgen.

"Wir haben keine andere Möglichkeit, als uns von Google bei der Digitalisierung helfen zu lassen", sagt Museumsdirektor Wolfgang Heckl, auf die immer wieder gestellte Frage angesprochen, ob man dem amerikanischen Datenfresser die Türen öffnen sollte. Mit diesem Problem sah sich schon die Staatsbibliothek konfrontiert, aber, so Heckl: "Fakt ist, dass der Staat diese Dinge nicht finanzieren kann oder will". Immerhin: Die Bildrechte liegen nach wie vor beim Deutschen Museum, wenn die Urheberschaft mehr als 70 Jahre zurückliegt, oder bei den Familien der Leihgeber.

Weltweit noch bekannter werden

Deshalb wird auch nicht der gesamte Bestand des Museums digitalisiert werden können. Für Google lohnt sich der Aufwand trotzdem: es verleibt sich, wenn auch nicht-kommerziell, einen weiteren Baustein des digitalen Universums ein. Mehr als 500 Museen und kulturelle Einrichtungen in 60 Ländern sind im Cultural Institute derzeit schon zu besuchen. Faszinierende Ansichten und Hintergrundinformationen finden sich darunter, wie Gemälde aus der Albertina in Wien oder Dokumente aus dem Nelson Mandela Center in Johannesburg.

Für Museumsdirektor Wolfgang Heckl bietet die "digitale Partnerschaft" mit dem amerikanischen Internetriesen die Chance, weltweit noch bekannter zu werden. Und weil sich das Museum bis 2025 runderneuern will, könnten später einmal die Ansichten des heutigen Museums der nostalgischen Erinnerung dienen, sagt Heckl.