Bedauern im Stadtrat Ende der Stadtumlandbahn

Vorbild Karlsruhe: Straßenbahnen verbinden das Zentrum mit dem Umland. In München blieb es bei Plänen.

(Foto: Deck/KVV)

Dachau plant nun ein neues Wohngebiet in Augustenfeld. Für das mehr als 20 Jahre alte Projekt zur Verbesserung des Nahverkehrs ist damit kein Platz mehr. Man hofft auf eine bessere tangentiale Busverbindung

Von Viktoria Großmann, Dachau

Ein mehr als 20 Jahre altes Projekt zur Verbesserung des Nahverkehrs wurde nun auch in Dachau endgültig zu den Akten gelegt. Die Stadt wird keine Flächen mehr für eine Stadtumlandbahn freihalten. Die Planungen, für die sich nie jemand so richtig zuständig fühlte, deren Finanzierung immer unklar war und die viele Jahre einfach aufgeschoben wurden, hat die Zeit überholt. Eine Stadtumlandbahn, die als Tangentialverbindung nach München funktionieren sollte, würde Platz für eine Station östlich des Dachauer Bahnhofs brauchen. In Augustenfeld aber soll nun ein neues Wohnviertel entstehen. Am Bahnhof wird es eng. Fläche für ein Multiplexkino und ein Parkhaus wird freigehalten. Für die Stadtumlandbahn fehlt schlicht der Platz. Die Gemeinde Karlsfeld, die wesentlich profitiert hätte, hat das Projekt ohnehin schon vor einigen Jahren aufgegeben. Auch in anderen Gemeinden im Großraum kommt es nicht voran.

Es fiel den Stadträten aller Fraktionen im Umwelt- und Verkehrsausschuss nicht leicht, dieses Projekt endgültig aufzugeben. Bündnis-Stadträtin Sabine Geißler sagte: "Außer uns scheint sich keiner darum Gedanken zu machen." Verkehrsreferent Volker C. Koch, der die Stadtumlandbahn immer befürwortet hatte, erklärte, er hoffe auf entsprechende Busverbindungen, die am besten mit Elektrofahrzeugen bedient werden sollten.

Zuletzt wurde das Projekt, dessen Planungen bis ins Jahr 1996 zurück reichen, im August 2014 wieder hervorgeholt. Die Stadtumlandbahn sollte einen Fehler ausbügeln, der Anfang der Siebzigerjahre beim Bau der Münchner S-Bahn gemacht worden war. Alle Züge sind auf das Zentrum Münchens ausgerichtet, niemand dachte daran, dass Dachauer auch einmal auf direktem Wege in den Münchner Norden fahren wollen. Oder nach Oberschleißheim, ohne einen Umweg über Laim. Immer wieder wird daher auch über einen S-Bahn-Nordring diskutiert. Die Gleise sind für den Güterverkehr bereits vorhanden, auch den Südring kennen Pendler aus dem Landkreis von Umleitungen. Ist die Stammstrecke gesperrt, fährt die S 2 oft von Obermenzing durch den Münchner Süden zum Ostbahnhof. Doch auch bei diesen Planungen geht es langsam voran. Etwas Anschub gab den Nordring-Planungen der Autobauer BMW, der Tausende neue Arbeitsplätze schaffen will und eine Schienenanbindung im Münchner Norden fordert und auch unterstützt. Immerhin wurde für dieses Projekt eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben.

Das Auto gewinnt

Obwohl schon vor mehr als 20 Jahren vielen klar war, dass der Nahverkehr ausgebaut werden muss, wurde nichts getan. Nun ist der Kollaps eingetreten. Und statt Bahnschienen wird ein neues Parkhaus gebaut Von Viktoria Großmann mehr... Kommentar

Diese gab es allerdings auch für die Stadtumlandbahn und das schon Ende 1998. Vorbild war damals Karlsruhe. Die badische Großstadt hatte Anfang der Neunzigerjahre ein Straßenbahnsystem eingeführt, welches das Umland direkt mit dem Zentrum verbindet. Auch die Dachauer Gemeinden sollten Vorteile von der Bahn haben. Doch der Kreistag war damals skeptisch, wollte sich nicht an den Kosten und vor allem nicht an einem möglichen Defizit beteiligen. Kosten und Planungen blieben an den Stadtwerken und dem MVV hängen. Auch in Dachau sollten die Schienen ursprünglich bis ins Zentrum reichen, doch das wurde bald verworfen. Dafür ist die Stadt zu eng. Es blieb der Plan der Verbindung von Gronsdorf/Riem im Osten über die Messe, den Nordring, Moosach und schließlich Karlsfeld und Dachau.

Die Stadträte bestätigten nun noch einmal die Forderung von Stadt und Landkreis, stattdessen die Busverbindungen auszubauen. Derzeit fährt die Linie 172 von Dachau über Karlsfeld und Ludwigsfeld bis Feldmoching, die 710 nach Moosach, die 291 nach Oberschleißheim, sie gilt auch als Anbindung zum Flughafen. Allerdings fährt sie nicht am Wochenende. Schon lange im Gespräch ist eine Busverbindung nach Fürstenfeldbruck. Bestehende Linien sollen ausgebaut und verbessert werden. Nichts anderes sahen auch die Pläne vor, die 2014 vom regionalen Planungsverband wieder hervorgeholt wurden. Nur passiert ist seither wenig.