bedeckt München 13°

Stadtumlandbahn:Das Auto gewinnt

Obwohl schon vor mehr als 20 Jahren vielen klar war, dass der Nahverkehr ausgebaut werden muss, wurde nichts getan. Nun ist der Kollaps eingetreten. Und statt Bahnschienen wird ein neues Parkhaus gebaut

Von Viktoria Großmann

Es ist zum Verzweifeln. Menschen in unterschiedlichsten Behörden und Gremien waren vor mehr als 20 Jahren weitsichtig genug, um zu erkennen, dass der Verkehr im Großraum München bald an die Grenzen seiner Belastbarkeit stößt - und trotzdem ist aus allen Ideen bis heute nichts geworden. Das Nahverkehrssystem Münchens ist einer so reichen und so stolzen Großstadt - und seines nicht minder wohlhabenden Umlands - unwürdig. Planen, Reden, Zaudern, Zögern, Verschieben - am Ende fühlt sich keiner zuständig, keiner will zahlen und das, obwohl jeder erkennt und am eigenen Leibe spürt, egal welches Verkehrsmittel er wählt, dass der Verkehr immer dichter wird, dass der Kollaps längst eingetreten ist. Alle Bekenntnisse zur Förderung des öffentlichen Nahverkehrs, zur Entlastung von Straßen, zur Reduzierung der Luftverschmutzung, sind genauso wenig ernst zu nehmen, wie der 10-Minuten-Takt der S 2.

Ideen gibt es viele, sie werden endlos wiederholt und auf jedem Verkehrsgremium neu vorgetragen: S-Bahn-Nordring, Schnellbusse, Fahrradstraßen. Die Trassen stehen teils seit Jahrzehnten auf dem Papier. In der Realität gibt es nicht nur keine Fahrradschnellstraße von Dachau nach München, sondern überhaupt keinen durchgehenden, geschweige denn vernünftig beschilderten Radweg. Buslinien werden höchst zögerlich und merkwürdig partiell ausgebaut. Warum der Bus 291, den Dachauer nach Oberschleißheim und auf dem Weg zum Flughafen nutzen, am Wochenende nicht fährt, bleibt ein Geheimnis des MVV.

Die schlimmste Pointe ist jedoch, dass am Ende der Autoverkehr siegt. Statt einer Station für eine Stadtumlandbahn entsteht am Dachauer Bahnhof ein Parkhaus für Pendler mit bis zu 600 Stellplätzen. Viele Menschen bleiben auf ihre Autos angewiesen, andere zuverlässige Angebote werden ihnen ja nicht gemacht. Irgendwann wird die B 471 ausgebaut. Das dauert zwar noch, ist aber immerhin schon festgeschrieben. Fragt sich nur, warum es mit dem Buslinienausbau so langsam voran geht. Straßen gibt es ja.

© SZ vom 14.05.2018
Zur SZ-Startseite