Ausstellung im Landtag Wie Schüler den Holocaust sehen

Sechs Millionen ermordete Juden - für viele Schüler ist das nur eine abstrakte Zahl. Dachauer Gymnasiasten haben nun Holocaust-Überlebende getroffen. Jetzt zeigen sie ihre eigene Sicht auf die Vergangenheit in einer Fotoausstellung im Landtag.

Von Elisa Britzelmeier

Vergessen wird Leonie das Gespräch wohl nie. Besonders nicht, wie ihr eine KZ-Überlebende erzählt hat, dass sie mit ansehen musste, wie andere Juden bei lebendigem Leibe verbrannt wurden. Und auch nicht deren Erinnerung an das Lager in Dachau: "Heute ist da alles grün - wenn es damals auch nur ein bisschen Gras gegeben hätte, wir hätten es sofort gegessen."

Leonie ist 14 Jahre alt. Bisher kannte sie den Holocaust nur aus Büchern und dem Geschichtsunterricht. Doch seit sie mit verschiedenen Zeitzeugen über den Nationalsozialismus gesprochen hat, ist ihre Vorstellung viel lebendiger. Die sechs Millionen ermodeten Juden sind nun für sie nicht mehr nur eine abstrakte Zahl. "Wir haben Menschen kennengelernt, die der Holocaust wirklich betrifft", sagt sie.

Die Schülerin ist eine von mehr als dreißig Jugendlichen, die an diesem Montag zur Eröffnung einer Doppelausstellung im Bayerischen Landtag gekommen sind. Ein Teil der Ausstellung sind Werke des Fotografen Mark Mühlhaus mit dem Titel "Generationen. KZ-Überlebende und die, die nach ihnen kommen". Sie zeigt Holocaust-Zeugen gemeinsam mit ihren Familienmitgliedern an den Orten, die für sie mit traumatischen Erlebnissen verbunden sind.

Inspiriert von dieser Fotoreihe haben sich Schüler des Dachauer Josef-Effner-Gymnasiums mit dem KZ Dachau beschäftigt. Ein dreiviertel Jahr lang setzten sich die Schüler mit der Geschichte des Lagers auseinander. Beim Fotografen Mühlhaus lernten sie die Grundlagen des Umgangs mit der Spiegelreflexkamera. Daraus entwickelten sie dann ihre eigenen Ideen. Das Ergebnis: Die Fotoreihe mit dem Titel "Blickwinkel. Dachauer Jugendliche in der Auseinandersetzung mit dem Ort".

"Wir haben jetzt einen neuen Zugang zum Thema Holocaust. Es ist etwas ganz anderes, wenn man sich aktiv Gedanken macht und auch versucht, andere zum Nachdenken anzuregen, als wenn man nur passiv im Unterricht sitzt und historische Fakten erzählt bekommt", sagt die 18-jährige Helene, die die Ausstellung mitorganisiert hat.

Die Bilder der Jugendlichen sind alle im ehemaligen KZ Dachau entstanden. Sie wollen der Vergangenheit des Ortes nachspüren und tragen Titel wie "Schatten der Gefangenschaft". Manche veranschaulichen in ihrer Unschärfe, wie die Erinnerung zu verschwimmen scheint. Andere sind sehr deutlich und dokumentarisch, zeigen einen Gang im SS-Gefängnis oder die Tür zu den Dachauer Gaskammern.