Ausbildung Flugbegleiter-Training: Lächeln und Leben retten

Training am Kollegen: Angehende Flugbegleiter üben das richtige Servieren.

(Foto: Marco Einfeldt)

Schminktraining, Sicherheitsübungen im Simulator, Notwasserung im Spaßbad: Ein Besuch im Lufthansa-Schulungszentrum in Schwaig.

Von Marco Völklein

Eigentlich kennt Susann Katrin Thiel das alles schon. Die Sicherheitsübungen im Flugzeugsimulator. Das Schminktraining. Die Einweisung, wo welche Getränke in der Bordküche verstaut werden, oder die Tipps zum Anrichten des Begrüßungsdrinks für die Business-Class-Passagiere. Zehn Jahre lang war die 44-Jährige für Japan Airlines in der Luft. Dann hat sie eine Auszeit genommen, drei Kinder gekriegt, sich in Markt Schwaben niedergelassen.

Und nun macht sie doch wieder den Flugbegleiterkurs mit, so wie die Anfänger auch. "Bei uns durchläuft jeder dieselbe Ausbildung", sagt Mina Dokubo, die Leiterin des Lufthansa-Ausbildungszentrums in Schwaig bei Erding. Auch wer schon zehn Jahre lang für eine andere Gesellschaft in der Luft war, muss alles noch einmal lernen. "Bei uns gelten andere Standards als bei anderen Airlines", sagt Dokubo.

Zwischen Traumberuf und Saftschubse

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Und die bekommen an diesem Vormittag neben Susann Katrin Thiel auch noch 19 weitere Anwärterinnen und Anwärter für den Beruf des Flugbegleiters eingetrichtert. Seit 2008 unterhält die Lufthansa in Schwaig ein eigenes Trainingszentrum. Davor wurde der Nachwuchs in Frankfurt am Main ausgebildet. Mittlerweile aber ist der Standort im Erdinger Moos zum zweitgrößten des Konzerns geworden, allein 4500 Flugbegleiter beschäftigt die Lufthansa in München. Da lohnt sich ein separates Trainingszentrum am Ort. Zumal jede Stewardess und jeder Steward mindestens einmal im Jahr zu einem Auffrischungskurs anzutanzen hat.

"Wir versuchen, alle Notfälle so lebensecht wie möglich zu trainieren"

An diesem Vormittag aber sind nicht die erfahrenen Kräfte da, sondern die Novizen zur Grundausbildung. Die dauert insgesamt drei Monate, an den ersten elf Tagen dreht sich alles um die Sicherheit an Bord. Dazu gibt es im Trainingszentrum mehrere Flugzeugsimulatoren. Die sind den beiden im Erdinger Moos eingesetzten Flugzeugmustern nachempfunden, dem Airbus A320 und dem A340.

In den nachgebildeten Flugzeugkabinen können die Trainer alle möglichen Szenarien üben lassen - eine Rauchentwicklung in der Kabine, eine Notlandung, eine Notwasserung auf offenem Meer. Wer sich in den Simulator setzt, fühlt sich wirklich fast wie in einem Flugzeug: Die Motoren brummen, draußen vor den Fenstern ziehen Wolken vorbei. Und als der Pilot das Ping-Signal gibt, damit sich die Crew klar macht zur Landung, da wird sogar das Ausfahren der Landeklappen akustisch eingespielt. "Wir versuchen, alle Notfälle so lebensecht wie möglich zu trainieren", sagt Dokubo.

Trainingsleiterin Mina Dokubo richtet einen Rollcontainer her.

(Foto: Marco Einfeldt)

Regelmäßig mietet sich der Konzern zudem im Spaßbad "Neufun" in Neufahrn ein und lässt dort das Verhalten nach einer Notwasserung trainieren. Dann lassen die Trainer ein aufblasbares Rettungsfloß ins Wasser, einige Trainingsteilnehmer mimen die Passagiere, andere sind die Crew. Trainiert wird unter anderem, wie man Passagiere aus dem Wasser holt und ins Rettungsfloß zieht. Oder wie die verschiedenen Warnsignale am Floß aktiviert werden.

Jede Fluggesellschaft hat speziell mit den Aufsichtsbehörden entwickelte Vorgaben, die den Beschäftigten vermittelt werden müssen. Auch deshalb muss Susann Katrin Thiel das Lufthansa-Training komplett absolvieren. Am Ende, sagt Trainingsleiterin Dokubo, wird jeder Teilnehmer geprüft. "Erst wenn er diese Tests bestanden hat, beginnt das Servicetraining." Also die Ausbildung für all die Tätigkeiten, die mancher Fluggast gerne abfällig mit der Berufsbezeichnung "Saftschubse" abtut.

Als solche versteht sich Susann Katrin Thiel aber ganz und gar nicht. Vielmehr als "Playerin in einem Team", dem es wichtig sei, dass sich die Passagiere wohlfühlen an Bord. Im Trainingszentrum gibt es eigens mehrere Übungs-Bordküchen, wie sie auch in den Flugzeugen des Konzerns eingebaut sind. Fachleute sprechen nicht von Küchen, sondern von "Galleys". In der Galley der Economy-Klasse geht es deutlich beengter zu als in der für die Business-Class. Dort allerdings benötigen die Flugbegleiter auch deutlich mehr Stauraum für die vielen zusätzlichen Kleinteile, die sie für die Geschäftsflieger vorhalten müssen. Schließlich speisen Business-Class-Passagiere in der Regel von echtem Porzellan und mit richtigem Besteck. Und Wein wird in einem Glas ausgeschenkt und nicht im Papp- oder Plastikbecher.

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600 neue Flugbegleiter sucht Lufthansa aktuell am Münchner Flughafen

All das üben die angehenden Flugbegleiter in Schwaig. Den richtigen Umgang mit den Gästen, das Servieren, Abräumen. Und auch das Eingreifen in kritischen Situationen, wenn sich ein Gast mal besonders renitent zeigt. "Soft Skills", also soziale Kompetenzen, etwa im Umgang mit Passagieren, seien eine wichtige Voraussetzung für den Beruf, sagt Trainerin Dokubo. Nach einigen Wochen Training geht es für Susann Katrin Thiel und ihre Kollegen dann erstmals auf Reisen. Die Ausbildungsflüge finden ausschließlich auf Langstreckenflügen statt, sagt Dokubo. Erfahrene Kollegen schauen den Neuen über die Schulter. Für die berufserfahrene Anfängerin Thiel geht es in Kürze auf ihre ersten Flüge nach Charlotte im US-Bundesstaat North Carolina und ins südafrikanische Kapstadt.

Allein 600 neue Flugbegleiter sucht Lufthansa aktuell am Münchner Flughafen, weitere 800 am Standort in Frankfurt. Auch andere Fluggesellschaften sind auf der Suche: So baut die Billigfluglinie Transavia, eine Tochter von KLM und Air France, bis zum Frühjahr eine Niederlassung im Erdinger Moos auf und wird vier Airbus-Jets stationieren. Und die Lufthansa-Tochter Cityline benötigt 30 Kräfte für München. Eingelernt werden die ebenfalls im Trainingszentrum in Schwaig - direkt neben den Hallen, in denen Thiel und ihre Kollegen gerade üben. Dort sind Simulatoren für die Cityline-Jets vom Typ Embraer 190 und CRJ 900 aufgebaut.

In einer großen Halle stehen die Flugzeugsimulatoren, in denen das richtige Verhalten in Notfällen geübt wird.

(Foto: Marco Einfeldt)