Urheberstreit Hinter dem schönen Schein von "Apassionata"

Das Show-Programm "Apassionata" begeistert mit seinen Pferden die Zuschauer in der Münchner Olympiahalle

(Foto: Catherina Hess)
  • Robert Wagner und Peter Massine haben vor 16 Jahren die Pferdeshow "Apassionata" auf die Bühne gebracht.
  • 2007 wollte der eine vom anderen Partner die Anteile übernehmen - doch es gab zahlreiche ungeklärte Fragen.
  • Der Streit liegt seit Jahren beim Amtsgericht in Berlin-Tiergarten - entschieden ist noch nichts.
Von Stephan Handel

Robert Wagner in Plattling ist gerade dabei, sein Berufsleben in Kisten zu verpacken: Plakate, Autogramme, Fotos - was halt so zusammenkommt in mehr als 30 Jahren als Konzertveranstalter. Miles Davis hat er nach Niederbayern geholt, Chuck Berry, Santana, die Toten Hosen, als sie noch jung waren, die Biermösl-Blosn, als es sie noch gab. Und Pferde, viele Pferde. "Robert Wagner Entertainment" schrumpft, weil der Chef es so will. "Ich kann mich nicht erinnern" sagt Wagner, "wann wir zuletzt keine einzige Veranstaltung im Vorverkauf hatten, so wie jetzt".

Der Impresario ist in der glücklichen Lage, jetzt, mit knapp über 50, sagen zu können: "Eigentlich muss ich nicht mehr arbeiten." Eine Sache allerdings gibt es, die kann er noch nicht wegpacken in die Schachteln. Sie hängt mit den Pferden zusammen, mit einer geschäftlichen Partnerschaft, mit einem Streit, der nun schon zehn Jahre andauert, und mit Geld natürlich. Mehr als eine Million Euro sind es, von denen Wagner sagt, dass er sie noch zu bekommen hat. Und er sagt nur ein Wort, warum er das Geld haben will: "Betrug".

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Robert Wagner ist der Erfinder von "Apassionata", der Pferdeshow, die seit 2002 sehr erfolgreich in Deutschland, Österreich und der Schweiz unterwegs ist, nicht ganz so erfolgreich im restlichen europäischen Ausland und weltweit. In München gibt es mittlerweile sogar ein eigenes Gebäude, einen "Showpalast", der bald ergänzt werden soll von einer Art Pferde-Erlebnispark. "Münchens teuerster Pferdestall", wie ihn Zeitungen nannten, hat allerdings mittlerweile nichts mehr zu tun mit Robert Wagner und mit seinem Partner, mit dem er die Show ins Leben gerufen hat. Sein langjähriger Partner heißt Peter Massine, er sitzt in Berlin, und er ist es, von dem Wagner das Geld bekommen möchte.

So wie Wagner die Geschichte erzählt, war er von Anfang an der Vorsichtigere der beiden, während Massine auf Expansion setzen wollte - schon aus diesem Grund wurden das Deutschland/Schweiz/Österreich-Geschäft und die weitergehenden Tourneen getrennt, und zwar in die EquiArte sowie die EquiArte World, beide als GmbH & Co. KG. 2007 aber, EquiArte machte Gewinn, EquiArte World Verlust, schlug Massine vor, Wagner seine Anteile an beiden Gesellschaften abzukaufen. Dem war das recht, mehr als 20 Jahre hatte er unter Vollgas gearbeitet, die Kinder waren noch klein - er willigte in den Verkauf ein.

Es gab bei dem Deal nur ein Problem: Die Jahresabschlüsse der Tourneen 2004, 2005, 2006 und 2007 waren noch nicht fertig - das Plattlinger Büro hatte genug zu tun, mit den aktuellen Planungen Schritt zu halten, Älteres blieb einfach liegen. Wagner aber stand neben dem fixen Kaufpreis noch eine Gewinnbeteiligung zu, die aber natürlich erst berechnet werden konnte, wenn die Abschlüsse vorlagen.

Kurz nach dem Abschluss des notariellen Kaufvertrags bekam Wagner einen Brief auf den Schreibtisch, von dem er heute sagt: "In diesem Moment wusste ich: Jetzt geht es los." Der Brief stammte von einem gewissen Holger Ehlers, enger Freund von Peter Massine, studierter Opernsänger und an den zurückliegenden Apassionata-Produktionen teils auf der Bühne, teils dahinter beteiligt. Ehlers behauptet in dem Brief, er sei der Komponist der Apassionata-Musik für die Produktionen von 2005 bis 2008 und wolle nun dafür eine angemessene Vergütung: 16 Prozent der Umsätze. Die Kartenerlöse betrugen für diesen Zeitraum knapp 38 Millionen Euro - und so errechnete Ehlers, dass er gut sechs Millionen Euro zu bekommen habe.

Dumm nur: Die Apassionata-Musik stammt von mehreren Komponisten, die zum Teil auch in den Programmheften genannt sind, so der holländische Musiker Edwin Schimscheimer. Der unterschrieb jedoch im Juni 2008 eine Erklärung, dass nicht er, sondern Horst Ehlers der Komponist der Produktion "Hommage" von 2005 sei. Diese Erklärung zog Schimscheimer ein Jahr später mit einer Eidesstattlichen Versicherung zurück: Er sei zur Unterschrift gedrängt worden, er hatte sein Honorar schon bekommen, so habe er sich nicht groß etwas dabei gedacht bei der falschen Erklärung.