Apassionata-Freizeitpark "Pferde sind Rampensäue"

Spätestens im September soll die Pferdewelt fertig sein. Simulation: Apassionata

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In Fröttmaning entsteht ein Freizeitpark, der keine Achterbahnen oder Karussells braucht - stattdessen gibt es ein Pferde-Spa, das ganz normale Stallleben und den Duft von Dung.

Von Christina Hertel

In der Reithalle hebt ein Pferdetrainer in kariertem Hemd und schwarzen Stiefeln die Hände, ein Schimmel bäumt sich auf und an die 15 Presseleute zücken ihre Smartphones und Spiegelreflexkameras. Draußen schaufeln Bagger Schutt zur Seite. Kräne, Laster und Betonmischer stehen dort, wo in etwa 100 Tagen ein Freizeitpark eröffnet werden soll - ohne Achterbahn und Riesenrad, dafür mit 110 Pferden, einer Ponyfarm, einem Pferde-Spa, Ställen, Koppeln, Abenteuerspielplatz und Biergarten. Die Apassionata World GmbH, ein Unternehmen, das in ganz Europa Pferde-Galas zeigt, baut diese Erlebniswelt rund um ihren Showpalast in Fröttmaning auf, zwischen Fußballstadion und Kletterhalle.

55 Millionen Euro soll der neue Park mit dem Namen "Equilaland" kosten und mindestens 300 000 Besucher im Jahr anlocken. Es solle eine neue Attraktion für München werden, lehrreich sein und zugleich unterhaltsam, sagt Johannes Mock O'Hara, der Geschäftsführer des Showunternehmens. Er ist Anfang 50, studierter Betriebswissenschaftler, baute das Meeresmuseum Sealife in München mit auf und war viele Jahre der Chef einer Musicalfirma.

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Die Idee, in München eine Art Disneyland für Pferde zu gründen, sei entstanden, weil die Zuschauer, wenn sie in den Pausen Gelegenheit hatten, einen Blick hinter die Kulissen, in die Ställe und Boxen zu erhaschen, immer ebenso begeistert gewesen seien wie von der eigentlichen Show. "Was für viele Pferdeleute ganz normal ist - wie Hufe auskratzen und Fell bürsten -, ist für viele Stadtmenschen etwas ganz Besonderes." Und auch diesen Stallalltag will sein Unternehmen in der Erlebniswelt zeigen.

Bis jetzt sind die meisten Attraktionen noch nicht fertig. Man sieht mit Holz verkleidete Häuschen und Ställe. In einem sollen die Besucher etwas über verschiedene Pferderassen lernen und Anekdoten hören - zum Beispiel, dass ein Islandpferd, wenn es einmal die Insel verlassen hat, nicht mehr zurück darf - weil die Rasse rein und frei von Krankheiten gehalten werden soll.

In einem anderen Bau sollen die Besucher zusehen können, wie die Reiter ihre Pferde für die Show zurechtmachen, wie sie ihnen die Mähne flechten, die Hufe lackieren und das Fell waschen. Es wird dort Laufbänder und eine Art Solarium geben, in dem Rotlicht die Tiere trocknet und wärmt. "Pferde-Spa" nennt Meike Arnason diesen Stall. Sie ist die Projektleiterin, gelernte Bankkauffrau, selbst Reiterin, trägt kurze braune Haare und blauen Hosenanzug. "Wir wollen in unserem Park das wahre Leben zeigen", sagt Arnason. "Alles, was die Besucher sehen, ist echt und würde ohne sie auch passieren."

Bevor die Presseleute die Reithalle betreten und den Pferden dabei zusehen, wie sie Kunststücke lernen, macht Arnason "shh" und presst den Zeigefinger an die Lippen. "Ruhig sein", soll das heißen, die Pferde müssen sich schließlich konzentrieren. Wie soll das werden, wenn Hunderte Besucher am Tag hier ein- und ausmarschieren? Guides werden bei allen Themenbereichen, in der Reithalle und in den Ställen stehen, sagt Meike Arnason. "Sie werden alles erklären."

Die Halle sollen die Besucher nur zu bestimmten Zeiten und in Gruppen betreten dürfen. Dann werden sie sehen, wie Pferde und Reiter für die Shows am Abend proben. Ein Moderator wird erklären, welche Kunststücke gerade einstudiert werden, wer der Reiter ist, woher die Pferde kommen und wie lange sie schon zusammen trainieren.