Eine kleine Nachtkritik. Von Johannes Bockenheimer

Sandra Maischberger fragte nach wahren Asozialen. Da hat es ein FDP-Mann schwer - und Wolfgang Grupp leicht.

Was machen, wenn eine Politdebatte ihren Zenit bereits deutlich überschritten hat? Was, wenn sich die nächste noch ziert, durch die Fernsehstudios der Republik getrieben zu werden?

Wolfgang Grupp, Sandra Maischberger, Fotos: dpa, AP, Grafik: sueddeutsche.de

Unternehmer Wolfgang Grupp zu Gast bei Sandra Maischberger - und im Clinch mit einem Ex-Börsenstar. (© Fotos: dpa, AP, Grafik: sueddeutsche.de)

Anzeige

Da dachte sich die Redaktion von Sandra Maischberger: Lieber noch einmal neu aufwärmen. Und so fragte die Gastgeberin von Menschen bei Maischberger: "Wer sind die wahren Asozialen?" Ganz oben auf der Liste der Verdächtigen: Steuersünder und Hartz-IV-Empfänger.

Eröffnen kann das Match natürlich nur einer von jener Mannschaft, die den Streit angezettelt hat. Die FDP hat ihren Berliner Bundestags-abgeordneten Martin Lindner geschickt, der um Verständnis für mangelnde Bereitschaft zum Steuerzahlen wirbt: "Ich kenne keinen, der jedes Mal 'Hurra!' schreit, wenn er Steuern zahlt."

Alleine bei den Bischöfen der evangelischen Kirche und den Redakteuren der Süddeutschen Zeitung ist sich der FDP-Mann nach eigener Aussage nicht ganz sicher. Doch Lindner sei beruhigt, auch in den Korridoren der Münchner Tageszeitung summt so mancher den Liberalen-Ohrwurm "Mehr Netto vom Brutto" - wenn der Chef gerade außer Hörweite ist.

Gnade für Millionenhinterzieher

Für Dagmar Enkelmann ist das eine Steilvorlage. Die Fraktionsgeschäftsführerin der Linken - also der natürliche Widerpart zum Liberalen Lindner - geht sogleich in die Offensive: Was FDP-Chef Guido Westerwelle gemacht habe, sei eine Pauschalisierung und Radikalisierung der Debatte. Der Hartz-IV-Preller werde an den Pranger gestellt, dem Millionenhinterzieher aber verziehen.

"Es sind nicht wirklich Lösungsangebote", klagt die Bundestagsabgeordnete. Die blieb Enkelmann in der Vergangenheit selbst allerdings auch schuldig. "Diese Demokratie löst die Probleme der Menschen nicht", vernahm man von ihr noch vor einem Jahr.

Sie sind jetzt auf Seite 1 von 3 nächste Seite

  1. Sie lesen jetzt Die Schweiz ist wie ein "Drogenzimmer" nebenan
  2. Starker Tobak
  3. Billige Arbeit ist nichts für Deutsche
Leser empfehlen