Westerwelle oder Merkel? TV-Talkerin Anne Will erforschte eine Wahlniederlage - und fand in Christian Lindner ein Opfer.
Hochmut kommt vor dem Fall, und nach dem Fall kommt die Talkshow. Da saß er nun, der arme Tropf von der FDP, jener Partei, die noch vor gut sieben Monaten durch die Wolken gestoßen war, der Sonne entgegen - und die am Sonntag bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen auf das Niveau einer Pünktchen-Nischenpartei abgestürzt war.
TV-Talkerin Anne Will: Die Suche nach den Schuldigen. (© Foto: dpa)
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Generalsekretär Christian Lindner konnte noch so oft die Formel vom "enttäuschenden Ergebnis" benutzen, die ARD-Moderatorin Anne Will wollte mehr: die ganz große Reue, die große Selbstgeißelung vor Millionenpublikum. Am liebsten die Auflösung der Berliner Koalition.
"Wer hat Schuld?" - diese Frage bewegte die TV-Gastgeberin eine Stunde lang. So musste der sichtlich genervte Liberale tapfer die Berliner Koalition, seinen Parteichef und die Kanzlerin verteidigen. Da darf es als große Leistung gelten, dass dem 31-Jährigen kein böses Wort über Guido Westerwelle über seine Lippen kam.
Als die Moderatorin böse analysierte, die FDP habe ja nur sechs Prozent erreicht (Ziel: "zehn Prozent plus X"), fuhr Lindner erregt auf: "6,8 Prozent!" Als ob acht Zehntel die Liberalen retten würden. Der Blonde von der Halbstarken-Partei hatte sichtlich Mühe seine Botschaft zu platzieren, in Düsseldorf hinterlasse man ein geordnetes Land.
"Das ist Science-Fiction"
In der Talkshow-Welt, die mitunter die Welt der Berliner Republik geworden ist, gilt ja jemand als Shootingstar, wenn er auf einem Parteitag eine zündende Rede hält. Und nachdem Aufsteiger Lindner die Liberalen vor einigen Wochen rhetorisch begeistert hat, firmiert er in der Presse als erster Anwärter auf den FDP-Parteivorsitz, den derzeit noch Westerwelle okkupiert. "Das ist Science-Fiction", entfuhr es dem entgeisterten Generalsekretär, als ein Anne-Will-Einspielfilmchen ihn wieder einmal zum künftigen Ober-Liberalen machte.
Der FDP-Mann schien sich zu fragen, auf welchem Planeten er gerade gelandet war. Man könne von Lindner wirklich nicht verlangen, dass er öffentlich seinen Parteivorsitzenden kritisiere, half ihm ein wenig ironisch Richard David Precht, der Bestsellerautor (Wer bin ich - und wenn ja, wie viele?). Doch was immer Lindner redete: Der Eindruck blieb, dass sein Guido Westerwelle diese Wahl vergeigt hat.
Die Berliner SPD-Größe Klaus Wowereit streute ordentlich Salz auf die Wunden. Die Deutschen würde es nun mal nicht lieben, wenn der Außenminister nicht eine gewissen Neutralität wahre, sondern sich auch noch als Innenpolitiker aufführe. Westerwelle als Hartz-IV-Experte und Held der roten Teppiche überall auf der Welt, das geht in der Sicht des Sozialdemokraten nicht zusammen.
Gut auf Krawall gebürstet ging Wowereit in fast jeden Dialog, der sich ihm bot, und verbreitete die Erkenntnis, Schwarz-Gelb sei abgewählt worden. Die FDP solle nur so weitermachen, ihr Charakter als Klientelpartei liege jetzt offen zutage, polterte der SPD-Vize ("Bleiben Sie, wie Sie sind!"), was dem armen Lindner ein heftiges "Absurd!" entlockte. Angesichts des Wowereit'schen Wortschwalls musste Anne Will schon zu ihrem äußersten Mittel, dem Einspielfilm, greifen, um den Regierenden Bürgermeister der Hauptstadt zum Schweigen zu bringen. Wowereit machte trotzdem weiter.
"Johannes Rau wäre in Ohnmacht gefallen"
Das desaströse Wahlergebnis seiner Partei, die an Rhein und Ruhr den historischen Tiefpunkt von 2005 noch einmal unterbot, konnte jedoch auch der Berliner SPD-Rammbock nicht in einen Triumph verwandeln. "Johannes Rau wäre in Ohnmacht gefallen", erinnerte Autor Precht an die Zeit der absoluten SPD-Mehrheit unter dem einstigen Ministerpräsidenten. Aber die SPD in NRW sei immer rechts, so wie die CDU dort immer links sei, meinte Precht, es ändere sich nicht wirklich etwas.
Je länger diese Talkshow lief, umso deutlicher wurde es, dass hier politische Verlierer saßen, Versager, die sich auf der Schlachtbank strecken durften. "Klasse, dass Sie da sind!", hatte Anne Will eingangs ihren Gästen geschmeichelt - doch ihre Redaktion hatte erst überhaupt keinen Vertreter der Grünen und der Linken eingeladen, jener Parteien, die in Nordrhein-Westfalen am Sonntag so gepunktet hatten. Vom Niedergang des Jürgen Rüttgers, von seinen Affären, von dem Intrigenhaufen der NRW-CDU, war hier kaum die Rede.
Es ging ja um die ganz Großen, um Guido Westerwelle, den Maßlosen, und um Angela Merkel, die Zaudernde, die wochenlang um eine Griechenland-Hilfe und Euro-Stabilisierung gepokert hat, die Deutschland immer teurer zu stehen kommt.
Von wegen Mallorca
Im Fernsehstudio war Julia Klöckner ihre Verteidigerin, jene CDU-Parteifreundin, die im nächsten Jahr Ministerpräsidentin in Rheinland-Pfalz werden will und die bei der Bundespräsidenwahl schon mal als voreilige Twitter-Botin aufgefallen war. "Wir haben ja noch dreieinhalb Jahre Zeit", fiel ihr zur Berliner Regierungsarbeit ein. Und: "Wir sind ja bisher nicht auf Mallorca gewesen." Es wird also gearbeitet, hieß das. Im Casino-Ton der Anne-Will-Debatte ging ihr Pro-Merkel-Zwitschern unter.
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Kanzlerin Merkel und die Macht
aber nun wild auf Anne Will rinzuschlagen halte ich für niveaulos. Immerhin gab es doch auch etwas Positives. Zum Glück keine Vertreter einer überflüssigen Partei, die zwar zur Wahl der Demenz rund 12 % der Wähler erreicht hat, eben wegen der Demenz, also die vergessen haben, dass ihnen Milliarden durch eine Ökosteuer aus den Taschen gezogen hat und zieht, die für Hartz IV und die Rente mit 67 verantwortlich ist. Nach wie vor gilt ja deshalb das Sprichwort noch- Nur die allerdümmsten Kälber wählen ihren Henker selber-. Was die - souveränen Nichtwähler - betrifft (Inhalt eines Kommentars) bin ich sehr geteilter Meinung. Sie sind einfach zu behäbig oder zu faul mal Einfluss zu nehemen, sind aber die Ersten die über alles meckern. Sie schaden mit ihrer Haltung, indem sie von einem Recht, was durchaus auch zu Verbesserungen führen könnte, ich denke dabei an moderne Bildungspolitik, also nicht an 17 verschiedene Minister in den Ländern, mit all seinen Tücken für die Schüler, sondern ein einheitliches Bildungssystem u.a. Das haben die Leute in der Partei mit der missbrauchten Farbgebung nict mal andeutungsweise verstanden. Es geht ihnen nur um Macht, egal wie. Die vielen Bilder im TV gaben diesen Rummel anschaulich wieder. Wie die NRW Wähler auf diesen Humbug erneut reingefallen sind, ist überhaupt nicht nachvollziehbar.
Die Verantwortung das die FDP sich demnächst im Keller trifft hat eine Person von der FDP ganz allein, Herr Guido Westerwelle, er hat in kurzer Zeit die ganze Arbeit von seinen Mitglieder in den Dreck getreten, mit wenigen Auftritten und Worten hat er alles zu nichte gemacht was sich die FDP Mühevoll aufgebaut hat. Es wird zeit das genau das einer mal dem Arroganten Herrn Westerwelle Sagt, und wenn man schon einmal dabei ist kann man ihm auch gleich sagen das er der schlechteste Außenminister ist den Deutschland nach 1945 je hatte, gut man muss zugeben das er es auch nicht Leicht hat unsere Kanzlerin Reist nun mal sehr gern!.
Herr Westerwelle sollte soviel Arsch in der Hose haben und einfach zurück treten aus seinen Ämtern, so Leute wie ihn braucht Deutschland nicht.
Es müssen sofort Neu Wahlen zum Bundestag her, ohne wenn und aber.
Bin ich froh, dass ich mir keine Talkshows mehr antue.
Politiker, die eher Karikaturen von Politikern abgeben
Sachverständige, die für ihre Brotgeber Pseudosachverstand abliefern und neuerdings die Spezies "Ich nenn mich mal Philosophen".
Ich warte schon sehnsüchtig auf Schlodderdeich.
"Reformen im Sinne des neoliberalen Dresdner CDU-Parteitags"
War das nicht der Leipziger Parteitag...?
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