Streit um "Tatort"-Vorspann Der längste Fall

Die Schöpferin des "Tatort"-Titels zieht zum zweiten Mal vor Gericht. Sie will als Urheberin anerkannt und genannt werden.

Von Ekkehard Müller-Jentsch

"Das ist Kult, da darf man nicht daran rütteln." Schöner als Fernsehspiel-Chef Gebhard Henke vom WDR kann man es kaum sagen, findet Kristina Böttrich-Merdjanowa. Sie ist Schöpferin des berühmten Vorspanns des ARD-Tatorts, er der Koordinator der TV-Marke im Ersten: 781 Folgen in 40 Jahren, gerade erst wurde das Jubiläum gefeiert.

Trotzdem ist Böttrich-Merdjanowa, 76, verbittert. Denn an diesen berühmten Trailer ist das Fernsehen damals sehr billig gekommen: Es waren umgerechnet nicht einmal 1300 Euro. Deshalb verlangt die in München lebende freischaffende Grafikerin und Trickfilmerin einen Nachschlag.

Um den wird seit Mittwoch vor dem Oberlandesgericht München gestritten. Es ist nun schon die zweite Runde: In erster Instanz vor dem Landgericht München war die gebürtige Bulgarin bereits erfolgreich.

Verschiedene Kommissare in unterschiedlichen Städten ermitteln - aber eines verbindet sie alle: Das Auge im Fadenkreuz, rennende Beine auf nassem Asphalt, ein Fingerabdruck, der als Spirale den Täter einkreist.

"Dieser Vorspann hat sich in das Gedächtnis von Generationen eingeschrieben und nicht unwesentlich dazu beigetragen, dass der Tatort zu einer wiedererkennbaren Marke geworden ist", schreibt die ARD selbst im Internet über 40 Jahre Tatort.

Kann dieser wichtige Trailer ein untergeordneter Beitrag sein? Nur "rahmenbegleitendes Werk", vergleichbar mit einem Firmenlogo? Das meint Martin Diesbach, Rechtsanwalt der beklagten Sendeanstalten BR und WDR. Der Vorspann existiere nicht um seiner selbst Willen, sondern sei höchstens die Klammer der einzelnen Folgen.

Er vergleicht ihn mit dem Logo der Deutschen Bank - es sei unvorstellbar, dass dessen Schöpfer Anteil am Konzerngewinn haben wolle.