Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner Vom Journalisten zum Zeitungsverkäufer

Springer-Chef Mathias Döpfner (Archivbild vom 12.12.2011) 

(Foto: dpa)

Mathias Döpfner könnte auch die Brandrodung des Dschungels als ökologisch notwendig und ästhetisch bemerkenswert darstellen. Nun hat der 50-jährige Vorstandschef zwar keine Brandrodung vorgenommen, aber doch den Springer-Konzern mit der Motorsäge verändert.

Von Kurt Kister

Man könnte Mathias Döpfner ohne Weiteres für einen feinsinnigen Mann halten. Er hat Musikwissenschaft studiert, war Feuilletonredakteur und sammelt Kunst, besonders intensiv, seitdem er selbst reich geworden ist. Mit Helmut Kohl hat er nicht nur gemeinsam, dass sie beide den Bild-Chefredakteur Kai Diekmann schätzen. Außerdem sind Kohl und Döpfner beides hoch gewachsene Männer (um die zwei Meter), von denen jeder im weiteren Sinne die Doktorarbeit über seinen Beruf geschrieben hat - Kohl über die Parteien in der Pfalz, Döpfner über die Musikkritik.

Bevor Döpfner über einige unterschiedlich erfolgreiche Amtszeiten als Chefredakteur bei so unterschiedlichen Blättern wie der Wochenpost und der Welt in den Springer-Chefsessel geriet, war er Musikkritiker bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Die widmete ihm am Freitag einen Artikel mit der Überschrift "Der Schönfärber". Das bezieht sich darauf, dass Döpfner ein Mensch ist, der auch die Brandrodung des Amazonas-Dschungels als ökologisch notwendig und ästhetisch bemerkenswert darstellen könnte.

Nun hat der 50-jährige Döpfner zwar keine Brandrodung vorgenommen, aber doch den Springer-Konzern mit der Motorsäge verändert. (Es gibt auch Künstler, die mit der Motorsäge Skulpturen schnitzen.) Mit Ausnahme von Bild und Welt ist nicht mehr viel da, was noch die Bezeichnung Springer-"Verlag" rechtfertigen würde. Der jüngste Schritt war der Verkauf eines Zeitungs- und Zeitschriftenpakets, darunter die für Springer einst identitätsstiftende Hörzu, an den Funke-Konzern in Essen. Bei Funkes macht man schon auch mal eine Zeitung ganz ohne Redaktion.

Freiheitsphilosoph, Vorstandschef

Döpfner geht ziemlich konsequent einen Weg, an dessen Ziel steht, dass Nachrichten, Reportagen, Kommentare und Essays, Journalismus also, absatzfördernder Content werden, der den Umsatz von Internet-Portalen unterstützt. Döpfner selbst sieht das anders, zumindest stellt er es anders dar. Qualitätsjournalismus sei, so sagt er, eine seiner Leidenschaften. Mag sein. Nur haben es Leidenschaften so an sich, dass man aus Vernunftgründen auf sie auch gerne mal verzichtet.

Die Vernunft wird nicht für den Freiheitsphilosophen Döpfner, wohl aber für den Vorstandschef Döpfner von den Zahlen des Konzern definiert. 2012 machte der Laden 3,3 Milliarden Umsatz, 37 Prozent davon im digitalen Bereich. Diesen Anteil will Döpfner erheblich steigern, und deswegen ist er dabei, den Verlag zu einem digitalen Dienstleistungskonzern umzubauen.

Zu Döpfners Nachteil ist das nicht. Seine Jahresbezüge dürften in der Gegend von zehn Millionen liegen; außerdem besitzt er Anteile an Springer, die wohl mehr als 70 Millionen wert sind. Letztere waren zu erheblichen Teilen ein Geschenk der Großaktionärin Friede Springer. Wäre man sarkastisch, könnte man sagen: Mathias Döpfner ist, anders als die demokratische Gesellschaft, auf ordentlichen Journalismus nicht mehr angewiesen.