"Roseanne" ist zurück Arbeiter unter Trump

Eine schrecklich reale Familie: Roseanne (Roseanne Barr, vorne Mitte) im Kreise ihrer Serienverwandtschaft.

(Foto: Adam Rose/ABC)

Nach mehr als 17 Jahren bekommt die Sitcom "Roseanne" eine neue Staffel. Und legt gleich mehrere Finger in die Wunden der USA.

Von Jürgen Schmieder

Es gibt einen Moment in der ersten neuen Folge von Roseanne, der verdeutlicht, wie bedeutsam diese Serie auch heute noch sein kann. Die Protagonistin (Roseanne Barr) und ihre Schwester (Laurie Metcalf) haben seit der US-Präsidentschaftswahl nicht mehr miteinander gesprochen, weil Roseanne für "diesen Typen" gestimmt hat und Jackie für "diese Frau". Es geht nicht um Donald Trump oder Hillary Clinton bei diesem Streit. Es geht darum, dass dieses Land politisch und gesellschaftlich so gespalten ist, dass selbst Geschwister nicht mehr miteinander reden - wie schon bei der Erstauflage legt Roseanne gleich mehrere Finger in die Wunden der USA.

Roseanne war im Jahr 1989 eine popkulturelle Revolution, weil die Sitcom nicht die harmlosen Probleme der amerikanischen Mittelklasse thematisierte, sondern zeigte, dass das Leben ziemlich beschissen sein kann. Klar, es gab auch Eine schrecklich nette Familie, doch waren die Bundys recht einfach als böse Parodie auf all die Heile-Welt-Sendungen zu identifizieren. Roseanne dagegen war bewegend, bisweilen auch herzzerreißend, weil die Serie die Realität einer Unterschichten-Familie darstellte, deren amerikanischer Traum eben nicht wahr wird, nicht einmal ein bisschen.

Bei Roseanne ging es um mehr als den Gag vor der nächsten Werbepause, und deshalb geht es bei der Neuauflage, die in den USA an diesem Dienstag startet, auch nicht darum, ob die Serie nach mehr als 17 Jahren Pause noch funktioniert - wobei gleich gesagt sei: Ja, sie funktioniert, vor allem wegen der noch immer unfassbaren Chemie zwischen Roseanne Barr und Serien-Ehemann John Goodman. Wichtiger ist: Was ist das eigentlich, eine weiße Unterschichten-Familie im Jahr 2018? Sind das nicht die, von denen es heißt, dass sie vor lauter Verzweiflung über ihr beschissenes Leben Trump als Präsident haben wollten?

Grandiose Serien über Leute mit echten Problemen sind selten wie ein Lottogewinn für Bedürftige

"Ich habe stets versucht, ein exaktes Bild der Arbeiterklasse zu zeichnen - und diese Leute haben nun einmal Trump gewählt", sagt Barr, die im wahren Leben übrigens so abgestimmt hat wie ihre Serienfigur. Die Politik bleibt aber im Hintergrund, der Fokus liegt auf dieser Familie, die irgendwie bis zum nächsten Gehalt überleben muss - und damit wie schon vor 20 Jahren die Frage stellt, was es mit einem Menschen anstellt, wenn er nicht weiß, wie er die nächste Rechnung oder den nächsten Einkauf im Supermarkt bezahlen soll.

Wie die Politik hat auch das US-Fernsehen jene Leute lange ignoriert. Es ist kein Zufall, dass der Comedy-Emmy in den vergangenen zehn Jahren an nur drei Shows vergeben wurde (30 Rock, Modern Family, Veep), in denen es vor allem um erfolgreiche weiße Menschen geht. Grandiose Serien über Leute mit echten Problemen wie etwa Atlanta sind so selten wie ein Lottogewinn für jemanden, der das Geld wirklich dringend braucht, und genau deshalb ist Roseanne auch heute noch bedeutsam. Wer einen Einblick bekommen möchte, wie es derzeit zugeht in den USA, der sollte diese Serie gucken. Wie John Goodman sagt: "Völlig egal, wer im Weißen Haus hockt: Dieser Familie geht es immer beschissen."

Welcome to Kreuzberg!

Doch, es geht: Auch junge deutsche Autoren können pointierte Dialoge für ein internationales Publikum schreiben. Die ZDF-Produktion "Just Push Abuba" erzählt aus einer Berliner WG - produziert für Youtube. Von Anna Steinbauer mehr...