Proteste gegen "Persepolis" Tunesische Islamisten verurteilen Randale

Gott als alter bärtiger Mann: Für manche strenggläubige Muslime war es Blasphemie und in Tunesien Ursache wütender Proteste. Die Krawalle richteten sich gegen einen TV-Sender, der den iranisch-französischen Film "Persepolis" ausstrahlte. Ein anderer kritischer Filmemacher muss in Iran indes für sechs Jahre ins Gefängnis.

Islamisten in Tunesien haben sich von den gewaltsamen Protesten gegen die Ausstrahlung des iranisch-französischen Zeichentrickfilms Persepolis distanziert. "Wir verurteilen die Gewalt", sagte ein Vertreter des Exekutivbüros der islamistischen Partei Ennahda, Ali Larayedhim. Ennahda habe stets dazu aufgerufen, "unsere Ideen im Rahmen einer friedlichen und respektvollen Debatte zu verteidigen".

Am Freitag hatten in Tunis Tausende gegen die Ausstrahlung des Films im tunesischen Privatfernsehen demonstriert, weil Gott darin als alter, bärtiger Mann dargestellt wird. Für manche strenggläubige Muslime ist es Gotteslästerung, Gott bildlich darzustellen. Die gemäßigte Islamistenpartei Ennahda ("Wiedergeburt") war1981 nach dem Vorbild der ägyptischen Muslimbruderschaft gegründet, später verboten und erst Anfang März dieses Jahres legalisiert worden. Sie gilt als chancenreich bei den Parlamentswahlen im Oktober.

Die Demonstranten forderten die Schließung des Privatsenders Nessma TV, der den Film ausstrahlte. Hunderte Angreifer attackierten später das Haus von Senderchef Nabil Karoui und setzten es in Brand. Bei den Randalierern handelte es sich Berichten von Augenzeugen zufolge um Anhänger der fundamentalistisch-islamischen Strömung des Salafismus.

Der Film Persepolis von 2007 basiert auf einem Comic der in Frankreich lebenden iranischen Autorin Marjane Satrapi und erzählt von ihrer Jugend und Kindheit in Iran. Er wurde für den Oscar nominiert und beim Filmfestival in Cannes mit einem Spezialpreis ausgezeichnet. Iranische Filmemacher setzen sich immer wieder in international hochgelobten Werken mit der politischen und gesellschaftlichen Realität ihres Landes auseinander. So auch Jafar Panahi.

2006 erhielt er für seinen Film Offside den Silbernen Bären der Filmfestspiele Berlin, in diesem Februar sollte er selbst in der Jury der Berlinale sitzen - durfte aber, weil er unter Hausarrest stand, Iran nicht verlassen. Jetzt muss er für sechs Jahre ins Gefängnis. Wie staatliche Medien am Samstag berichteten, scheiterte Panahi im Berufungsverfahren, seine Haftstrafe wurde auch in dieser Instanz bestätigt. Das 20-jährige Berufs- und Reiseverbot für Panahi wurde ebenfalls aufrechterhalten.