Protest gegen Bambi für Bushido Trostpflaster für einen "Gar-nix-Checker"

Bambi für den Brutal-Rapper: Ausgerechnet Bushido soll heute Abend vom Burda-Verlag eine Auszeichnung für Integration erhalten. Politiker, Frauenrechtsorganisationen und Homosexuellen-Verbände sind empört - und prangern das Verlagshaus an.

Von Michael Grill

Schon im Vorfeld der Bambi-Verleihung an diesem Donnerstag in Wiesbaden gibt es heftigen Ärger für den Burda-Verlag als Veranstalter des sich gerne glamourös gebenden Medienpreises. Der Grund: der bereits bekannte Umstand, dass Bushido einen Bambi bekommen soll - und zwar ausgerechnet den für Bemühungen um Integration. Der Bushido, der vom Gewalt-Rapper aus dem Ghetto zum Salon-Spießer in der Vorstadtvilla aufstieg und sich vor allem in seinen frühen Jahren durch besonders brutale Texte hervortat.

Wie der Branchendiesnst Meedia berichtet, hat die Ankündigung von Hubert Burda Media, dem Rap-Musiker Bushido einen Bambi in dieser Kategorie zu verleihen, "eine Welle der Empörung ausgelöst", die vor allem im Internet immer lauter werde.

So gebe es Protestaufrufe bei Twitter an das Live-Publikum, Bushido bei der Preisverleihung den Applaus zu versagen. Bei Facebook gibt es längst die obligatorische Gruppe zum Thema. Und auch in der nicht-virtuellen Welt ist das Unbehagen über die geplante Auszeichung groß: So sagte der hessische SPD-Chef Thorsten Schäfer-Gümbel im Gespäch mit dem Hessischen Rundfunk: "Bei mir wird sich keine Hand rühren."

Darüber hinaus sind es vor allem Gruppen aus den Bewegungen zum Schutz von Minderheiten, die sich von dem Bushido-Bambi provoziert fühlen wie die Frauenrechtsorganisation Terre des Femmes oder der Lesben- und Schwulenverband. Die schwule Facebook-Gruppe "Warmes Wiesbaden" ruft laut Meedia sogar ganz konkret zum Widerstand am Veranstaltungsort auf. Sie schreibt: "PROTEST NOW!!! Wir protestieren gegen Bushidos Bambiverleihung und treffen uns morgen, am Donnerstag, um 18 Uhr vor dem Museum! Plakate, Transparente, Flüstertüten, aber vor allem viele Menschen bitte, alle kommen!!!"

Bushido selbst reagierte auf den Protest mit einer Twitter-Nachricht: "Die Grünen und der LSVD regen sich darüber auf, dass ich den Bambi bekomme... Wie erbärmlich... Kümmert euch mal..." Problematisch ist dabei vor allem der letzte Teil seiner Botschaft, denn das "Kümmert euch mal..." kann von Bushidos Fans auch als Aufruf zum gewalttätigen Vorgehen gegen Protestierer verstanden werden.

Auf Bushidos Seite bei Facebook war das Statement noch ein Stück länger, dort endet es mit "...Kümmert euch mal lieber um diese Tatsachen ihr Heuchler...." Dann folgt (wie auch schon bei Twitter) ein Link zu einem Text von Bild.de, der ein mildes Gerichtsurteil gegen einen Mann in Braunschweig anprangert, der seine Tochter missbraucht hat. Hier kann die Bushido-Mitteilung so gelesen werden, dass er dazu auffordert, gegen solche Urteile vorzugehen anstatt gegen den Bambi für ihn zu protestieren. Das Gerichtsurteil in Braunschweig hat zwar nichts mit der Frage zu tun, ob ein Bambi für Bushido gerechtfertigt ist. Aber das Herstellen eines solchen Zusammenhangs zeigt die Art, und Weise wie Bushido versucht, öffentliche Meinung zu machen.

Der Rapper gehört zu den bekanntesten Vertretern der deutschen Szene, die etwa um das Jahr 2000 herum in Berlin entstand. Der 1978 geborene und im Bezirk Tempelhof aufgewachsene Bushido verkörpert den jungen Mann mit Migrationshintergrund und Proll-Attitüde, der aggressiv gegenüber Minderheiten auftritt und sich nicht um gesellschaftliche Regeln schert.

Unklar bleibt dabei meist die wahre Einstellung zum Thema Gewalt, zu der Bushido in seinen Rap-Texten vielfach aufruft, um sich dann in Interviews aber hin und wieder zu distanzieren. Dass nun ausgerechnet er in der Bambi-Kategorie "Integration" geehrt werden soll, erscheint wie Zynismus.

Pikant ist auch die Rolle des Burda-Verlages, der den Preis gestiftet hat. Die Illustrierte Bunte aus dem Medienhaus stritt lange Zeit erbittert mit Bushido um die Berichterstattung über dessen Privatleben. Noch Mitte dieses Jahres wurde Bushido in dem Blatt als "Gar-nix-Checker" bezeichnet. Dass er nun ausgezeichnet werden soll, könnte also auch als eine Art Wiedergutmachung interpretiert werden.

Dies auch deshalb, weil Bushido seit einigen Jahren versucht, sein Image in der Öffentlichkeit zu wandeln, indem er bei Charity-Veranstaltungen und gemeinsam mit anderen Prominenten die friedliche Multikultur propagiert.

Besonders skurril wirken die Bemühungen des Rappers um ein glattgeföhntes Erscheinungsbild in der neuen Berichterstattung von Bunte: Er helfe seiner Lebensgefährtin Anna-Maria Lagerblom jeden Tag bei den Hausaufgaben mit ihrem Sohn, heißt es dort. Er halte es nämlich für wichtig, "dass wir nicht den Zugang zu unseren Kindern verlieren". Angesichts der Tatsache, dass die alten Bushido-Platten immer noch verkauft werden, könnte man diese Art der Selbstvermarktung auch als perfide bezeichnen. Für einen Bambi reicht es offenbar.

Anmerkung der Redaktion: In einer ersten Fassung des Textes wurde nur die zitierte Twitter-Nachricht von Bushido berücksichtigt, nicht aber die längere Fassung bei Facebook. Dank bildblog.de konnte der Punkt in die neue Fassung des Textes eingearbeitet werden.

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