Nachtkritik: Anne Will Polemik gegen den gemeinen Griechen

Renate Künast hockt gefühlt (da ist sie mit Baring gleichauf) in jeder zweiten Anne-Will-Sendung. Und dass drei der Anwesenden (inklusive Anne Will) Journalisten sind, das ist - nun ja - der Sache wenig dienlich. Jeder weiß: Drei Journalisten sind in einer solchen Runde zwei zu viel.

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zeitstrahl

Zumal der Quoten-Grieche Michalis Pantelouris gar kein Grieche ist, denn er ist 1974 in Deutschland geboren. Warum sitzt er in dieser TV-Runde? Weil sein Papa Pressesprecher der griechischen Botschaft ist, wie Will zu berichten weiß?

Apropos Anne Will. Deren Redaktion polemisiert außerordentlich auffällig gegen griechische Hilfe aus Deutschland. Und das geht so: Der gemeine Grieche kassiert eine viel zu hohe Rente; er schmiert, wann immer es geht; und er demonstriert, sobald er sparen soll, intoniert die Will-Crew im einläutenden und wenig preisverdächtigen Einspielfilmchen.

Dass Deutschland 8,4 Milliarden Euro über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) gibt und der deutsche Staat "nur" bürgt - das klamüsert Kampeter mühsam auseinander. Wie schnell die Hilfen für das marode Athen eilen, erläutert kurz vor Ende der Sendung anschaulich Henrik Enderlein von der Hertie School of Governance am Beistelltisch. "Diese Woche", mahnt der Professor, "muss eigentlich eine Entscheidung kommen." Das kleine VWL-Repititorium war eine nette Idee, dürfte aber nicht allen Zuschauern gefallen haben.

Und, ganz ehrlich: Eigentlich hätte man als TV-Zuschauer doch gerne Finanzminister Wolfgang Schäuble selbst gehört, wie er Merkels bilaterales Rettungskonzept von EU und IWF angesichts des maroden deutschen Haushalts erläutert - und das vor dem Hintergrund des von ihm präferierten, schlussendlich aber gescheiterten Plan eines Europäischen Rettungsfonds.

Doch dann musste Steffen Kampeter ran. Darauf einen Ouzo, einen Doppelten, bitte!