Nachlese zum Kölner "Tatort" Familie geht über alles, auch über Leichen

Armin Rohde (l.) und Ludwig Trepte geben im Kölner Tatort ein tolles Vater-Sohn-Gespann.

(Foto: WDR/Uwe Stratmann)

Böser Vater, guter Sohn. Das ist die Devise im Kölner "Tatort". Und Armin Rohde spielt mal wieder genial den Wahnsinnigen. Die Nachlese zum Kölner "Tatort".

Von Carolin Gasteiger

Darum geht's:

Auf den ersten Blick scheint die Sache klar. Clubbesitzer Oliver Mohren wurde aus Eifersucht getötet. Mutmaßlich von seinem Nebenbuhler Erik Trimborn: Der war zuerst mit Laura, der Freundin des Mordopfers, liiert (und so ganz getrennt waren sie und Trimborn nie). Aber dann stoßen die Kommissare Ballauf und Schenk auf Eriks Vater und dessen kriminelle Vergangenheit. Trimborn senior saß bis vor Kurzem wegen Totschlags im Knast und scheint ein sehr merkwürdiges Verhältnis zu seinem Sohn zu haben. "Er ist ein Lamm, ein Lämmchen", säuselt er an einer Stelle. Was aber hatte er mit dem Toten zu tun? Erschwerend kommt hinzu, dass Freddy Schenk mit seinem unvorsichtigen Verhalten nicht nur das gute Verhältnis zu Ballauf riskiert, sondern gleich seinen Job.

Lesen Sie hier die Rezension von SZ-Tatort-Kritiker Holger Gertz:

Ein Fragenkatalog wie das Kölner Telefonbuch

Entgegen dem amerikanischen Erfolgsrezept wird in diesem Tatort endlos erzählt und nachgefragt. Zwar ist Armin Rohde als Finsterling ein Erlebnis. Aber ihm fehlt in "Dicker als Wasser" das Gegengewicht. Von Holger Gertz mehr ... Kolumne

Bezeichnender Dialog:

Erik Trimborn will mit seiner Freundin Laura allein sein, die beiden liegen in seinem Bett. Aber dann klopft es - und Eriks Vater (der geniale Armin Rohde) bittet ihn zum Rapport ins Wohnzimmer.

Ralf Trimborn: Wir brauchen Kohle und zwar schnell.

Erik: Wir? Ich komm' klar.

Ralf Trimborn: Wir haben noch genau vier Wochen. Mein Vater hat sich tot malocht für dieses Haus. Komm', dieses eine Ding noch und dann ist gut. (Trimborn umarmt seinen Sohn.)

Erik (stößt seinen Vater weg): Und dann noch eins und dann noch eins und dann noch eins.

Ralf Trimborn: Soll dein eigenes Elternhaus unter den Hammer kommen?

Erik: Ich brauch' das blöde Haus hier nicht.

Ralf Trimborn: Und vergiss eins nicht ...

Erik: Ja, Blut ist dicker als Wasser. Scheiß drauf.

Prompt fliegt die väterliche Faust und Erik geht zu Boden.

Die besten Zuschauerkommentare:

Die beste Szene:

Ralf Trimborn testet im Wald eine soeben erworbene Pistole. Eigentlich will er auf eine Weinflasche schießen, doch dann stromert ein herrenloser Hund ins Bild. Trimborn ändert sein Ziel - und drückt ab. Aber die Waffe gibt keinen Schuss ab und Trimborn verliert die Beherrschung. "Scheiße, scheiße, scheiße", schreit er, rennt wild geworden umher und verzieht das Gesicht zur Fratze. Allein dieser Ausraster zeigt, wie viel Aggression in ihm schlummert - und wozu er vielleicht noch fähig ist.

Top:

Als Neuer im Kölner Team muss Tobias Reisser (Patrick Abozen) einiges aushalten. Schenk nimmt den jungen Kollegen nicht ernst und lässt ihn mehrmals vor Ballauf auflaufen. Aber Reisser bleibt gelassen. Als ihn Schenk auffordert, einen Kampfsportgriff zu demonstrieren, sagt er ruhig: "Ich würge meine Chefs nicht. Nicht während der Probezeit." Mit dieser Haltung ist er bei den Kölner Kommissaren genau richtig.

Flop:

Auch ein Kommissar braucht mal eine Auszeit. Dass Freddy Schenk seinen Kollegen mobbt oder unvorsichtige Alleingänge unternimmt, kann passieren. Aber dass er sich nachts von zwei Halbwüchsigen überwältigen und mit seinen eigenen Handschellen an einen Laternenmasten ketten lässt: Come on, Freddy, you can do better!

Bester Auftritt:

Mal wieder Armin Rohde. Vor Kurzem sperrte er als frustrierter ehemaliger Polizist in Joachim Króls Abschiedsfall seine Geiseln in den Keller. Nun glänzt er als gemeingefährlicher, unberechenbarer Vater und Verbrecher. In Ludwig Trepte ("Unsere Mütter unsere Väter"), der als Erik Trimborn hin- und hergerissen zwischen Familienbande und eigenem Glück ist, findet Rohde einen kongenialen Partner.

Die Erkenntnis:

Söhne stehen zu ihren Vätern, komme, was wolle. Auch, wenn sie schlimmstenfalls sterben müssen. Wie der Titel dieses Tatorts treffend sagt: "Blut ist dicker als Wasser". Und Ralf Trimborn geht Familie über alles (besonders, wenn er durch sie an Geld kommen kann).

Die Schlusspointe:

Manche schaffen es aber auch, sich zu lösen. Vor ihrem geplanten Überfall auf einen Geldtransport tauscht Erik die Patronen in der Waffe seines Vater mit Übungsmunition aus und verhindert dadurch Schlimmes. Schenk war von vornherein klar, dass Erik die Seiten wechseln würde. Als Ballauf fragt, woran er das erkannt habe, sagt sein Partner nur: "Seine Augen. Ist ein guter Junge." Trotz, oder gerade wegen seines Vaters.

Wer ermittelt wo mit welchen Tricks?

Zwei Mädels in Dresden, ein Pärchen in Weimar und die Münchner seit 25 Jahren. Alles, was Sie über die "Tatort"-Kommissare wissen müssen - in unserer interaktiven Grafik. Von Carolin Gasteiger und Jessy Asmus mehr...