"Tatort" aus Köln Ein Fragenkatalog wie das Kölner Telefonbuch

Armin Rohde ist nicht nur der Finsterling, sondern auch ein echtes Erlebnis. Er gehört zu den wenigen Menschen die "Pipi machen" wie "Guten Abend" aussprechen können.

(Foto: WDR/Uwe Stratmann)

Entgegen dem amerikanischen Erfolgsrezept wird in diesem Tatort endlos erzählt und nachgefragt. Zwar ist Armin Rohde als Finsterling ein Erlebnis. Aber ihm fehlt in "Dicker als Wasser" das Gegengewicht.

Von Holger Gertz

Dieser Tatort beginnt so traditionell, man hätte glatt die Stahlnetz-Erkennungsmelodie nochmal drüberlegen können. Toter Mann liegt am Boden/Frau findet toten Mann/Frauengesicht in Nahaufnahme, Hand vorm Mund: Frau also fassungslos.

Die Ermittler ermitteln, wie man ja sagt, in alle Richtungen

So fängt es an, so geht es weiter. Regisseur Kaspar Heidelbach und Autor Norbert Ehry - zwei Routiniers - liefern eine konventionelle Motiv- und Tätersuche. Bildlich erzählt über bedeutungsschwere Blicke, textlich arbeiten Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Schenk (Dietmar Bär) erneut einen Fragenkatalog ab, dick wie das Telefonbuch von Köln.

"Schon mal dran gedacht, alles hinzuschmeißen?" "Dieser Erik ist ihr Exfreund? Oder Freund? Oder beides?" "Warum steht das denn in keiner Akte?" Die Ermittler ermitteln, wie man ja sagt, in alle Richtungen, sie befragen sich auch untereinander, in Köln kümmert man sich traditionell um seinen Kollegen.

Der Mann, der "Dicker als Wasser" aus der Masse der Gebrauchskrimis befreien soll, ist Armin Rohde, ein Tyrann. Vor ein paar Wochen war er schon mal einer, im HR-Tatort "Haus am Ende der Straße" - ein gebrochener Typ, der das Gute wollte, aber immer nur Dreck gekriegt hat. Ein Erloschener.

Hier ist Rohde der reine Finsterling, aber weil er nun mal zu den sehr wenigen Menschen gehört, die auch "Pipi machen" so aussprechen können als sagten sie "Guten Abend": ein Erlebnis, der Mann. Was ihm fehlt: ein Gegengewicht, wie es damals Joachim Król gewesen ist. Diesmal wird Rohde alleingelassen.

"Show, don't tell", sagen die Amerikaner, das ist ihr Rezept für eine gute Geschichte. Aber hier wird immer nur erzählt, erzählt, Autotür auf, Autotür zu, "Ballauf, Kripo Köln, das ist mein Kollege, Herr Schenk." So geht es weiter, die Ausmaße des Fragenkatalogs sind tatsächlich erstaunlich: "Noch was aus Brehms Tierleben?" Und irgendwann - Autotür auf, Autotür zu - fragt Schenk: "Ups, was ist denn da passiert?" Am Ende, trotz Rohde: ziemlich wenig.

ARD, Sonntag 20.15 Uhr.

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