Kritik an Geburtstagsständchen für Merkel Solo für Udo

ZDF-Mann Udo van Kampen singt bei einer Pressekonferenz in Brüssel ein Ständchen für die Bundeskanzlerin. Die anwesenden Kollegen ziehen es vor, zu schweigen. Merkel reagiert schlagfertig - doch manch einer fragt sich: Ist das nicht etwas zu viel der Nähe?

Es muss schon toll sein, während eines EU-Gipfels Geburtstag zu feiern. Angela Merkel war in der Nacht bereits von den europäischen Regierungschefs mit Blumen und Sekt bedacht worden. Nach dem Tauziehen und den Diskussionen um die Besetzung der EU-Spitzenjobs herrschte in Brüssel endlich einmal größtmögliche Harmonie. Ein Ständchen von den Gipfelteilnehmern gab es allerdings nicht. Das erledigte ein Reporter bei der Abschlusspressekonferenz.

"Alles Liebe, Gute, Gesundheit" wolle man der Kanzlerin zum 60. Geburtstag wünschen, sagt ZDF-Mann Udo van Kampen vor der ersten Frage. "Und wenn Sie mutig sind, wären wir auch bereit, Ihnen ein kleines Ständchen zu singen." Wir ist in diesem Zusammenhang etwas übertrieben, das Ganze klingt eher nach einem Solo. "Happy Birthday, liebe Bundeskanzlerin", singt van Kampen, der sich nicht aus der Ruhe bringen lässt, anschließend aber mit seinen mundfaulen Kollegen hadert: "Sie waren doch nicht so stimmgewaltig, wie ich dachte." Merkel lächelt: "Hätt ich mitsingen müssen, dann wär's besser geworden."

Schließlich bedankt sich die Jubilarin noch artig - und damit ist die Sache erledigt (hier das Ständchen in voller Länge). Eigentlich. Denn der Clip zieht seine Kreise im Netz und nicht nur Journalisten fragen sich: Ist das nicht zu viel der Nähe? Darf ein Journalist der Kanzlerin öffentlich ein Ständchen singen? "Es ist so unglaublich peinlich", schreibt Spiegel-Online-Kolumnist Sascha Lobo, "vergleichbar nur noch mit dem Großonkel, der zur Hipster-Hochzeit unangekündigt ein tausendstrophiges Gedicht frei von jedem Sprachtakt vorträgt, bestehend aus den peinlichsten Szenen der Kindheit seines heiratenden Neffen". Und Mathieu von Rohr, Spiegel-Auslandsredakteur, attestiert "massives Fremdschämen".

Für Welt-Journalist Thorsten Jungholt ist klar:

Und die NDR-Kollegen des Satiremagazins Extra 3 erinnern an die #Gauchogate-Debatte und twittern süffisant:

Die Kanzlerin sieht's mit Humor: "Jeder auf seine Art", sagt Merkel noch, bevor sie zur Tagesordnung übergeht.

Zwischen Nähe und Distanz

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