Katholischer Verlag Weltbild hat etwas gegen "schwule Liebesgeschichten"

Schwule Liebe ist anscheinend ein Problem für Weltbild. Die katholische Verlagsgruppe hat nun Bücher, die sich mit Homosexualität befassen, aus dem Sortiment genommen. Die Empörung ist groß - denn zugleich macht die Handelskette mit Sex-Literatur gute Geschäfte.

Von Tobias Dorfer

Wer im Online-Shop des Weltbild-Verlags nach schlüpfriger Literatur stöbert, wird schnell fündig. Der Sex-Bestseller Shades of Grey ist als E-Book bereits für 9,99 Euro zu haben. "Sie sparen 23 Prozent", steht in dicker roter Schrift neben dem Angebot. Das gedruckte Buch kostet 12,99 Euro.

Weltbild ist aber nicht in allen Fällen so offen. Der kanadische Verlag Icon Empire Press beklagt sich nun über über das Geschäftsgebaren von Weltbild. Das Internetportal queer.de zitiert aus einer E-Mail von der Buchhandelskette, die sich mehrheitlich im Besitz katholischer Diözesen befindet: Weltbild nehme sämtliche Bücher von Icon aus dem Programm, heißt es darin. Icon verdient sein Geld größtenteils mit Literatur über homosexuelle Themen.

Anlass sollen demnach Schwule Liebesgeschichten aus aller Welt von Robert Joseph Greene sein, die Weltbild nicht vertreiben möchte. In der Beschreibung des Buches heißt es "Der Hintergrund dieser Geschichten basiert auf der kulturellen, geschichtlichen Kenntnis von schwulen Männern sowie auf Kulturen, in denen Homosexualität ein Tabu ist. Dieses Buch ist ein Muss für alle Menschen, die Interesse daran haben, Schwule aus allen Kulturen und das menschliche Herz besser zu verstehen."

Nach homosexueller Pornografie klingt das nicht - und doch: Die katholische Verlagsgruppe möchte das Buch wohl nicht in ihrem Sortiment haben, im Online-Shop von Weltbild sucht man das Werk vergebens. Der kanadische Verlag Icon beschreibt sich selbst als "Stimme einer romantischen schwulen Generation". Für die hat Weltbild offenbar kein Herz.

Zu den Hintergründen möchte sich der Verlag nicht äußern. Die Pressestelle gibt lediglich ein knappes Statement ab: "Wir bedauern es, wenn durch unsere Auswahl ein falscher Eindruck entsteht. Wir bitten aber um Verständnis, dass wir uns wie andere Buchhändler auch vorbehalten, einzelne Titel und Verlage aus unterschiedlichsten Gründen nicht zu führen", sagt eine Sprecherin. Welche Gründe das im Fall von Icon sein sollen, sagt sie nicht. Die von queer.de zitierte Mail wird deutlicher. Sie führt aus, Weltbild sei als katholisches Haus an "traditionellen Werten" interessiert. Schwule Literatur passt anscheinend nicht dazu.

Komplett aussortiert hat Weltbild die Bücher von Icon - zumindest derzeit - noch nicht. Eine Suche im Online-Shop listet derzeit noch 14 Ergebnisse auf. Darunter ist auch das Buch von Greene, allerdings nur als E-Book in spanischer Sprache. Ob sich daran noch etwas ändert, wollte die Sprecherin nicht sagen. Der Online-Buchhändler Amazon liefert 25 Resultate für "Icon Empire Press". Die meisten der dort aufgeführten Bücher sind in englischer Sprache verfasst, auf Deutsch gibt es nur ein Buch: die Schwulen Liebesgeschichten von Greene.

Wenn es um expliziteren Sex geht, haben die Augsburger weniger Berührungsängste - zumal, wenn er sich gut verkauft: Neben der Reihe Shades of Grey bietet Weltbild auch die Bestseller-Romane Feuchtgebiete von Charlotte Roche und London Road von Samantha Young an.

Es ist nicht das erste Mal, dass es bei Weltbild Ärger um das Sortiment gibt. Vor knapp einem Jahr machte die Verlagsgruppe Schlagzeilen, als sie das sachliche Aufklärungsbuch Make Love aus dem Programm nahm, auf die Umsätze mit dem Bestseller Shades of Grey jedoch nicht verzichten wollte .

Im Internet wettern die User gegen die Verlagsgruppe. "Sie sollten sich schämen ob Ihrer Doppelmoral", schimpft ein User auf der Facebook-Seite von Weltbild - und ein anderer lästert: "Vielleicht sollten Sie überlegen, Ihren Firmensitz nach Russland zu verlegen". Dort hatte das Parlament am Dienstag ein Gesetz beschlossen, das "homosexuelle Propaganda" unter Strafe stellt.

Auch Boykott-Aufrufe gegen Weltbild finden sich im Netz, zum Beispiel auf Twitter:

Auf ihrer Internetseite beschreibt die Verlagsgruppe genau, was Bücher leisten sollen. "Bücher und andere Medien können einen Beitrag leisten, die Welt begreifbar zu machen. Sie können Antworten auf die Fragen nach dem Woher und Wohin geben, vermitteln Wissen, regen die Phantasie an und geben Rat in Lebensfragen und Fragen des Alltags", heißt es da. Dies scheint Weltbild den Schwulen Liebesgeschichten nicht zuzutrauen. Shades of Grey schon.