Homophobie Pseudo-Katholiken schmähen toten Dirk Bach

In einem Beitrag auf der Website kreuz.net wird der verstorbene Komiker Dirk Bach als "pervers" und "gestört" beschimpft. Das Portal sorgt seit Jahren mit antisemitischen und homophoben Beiträgen für Aufregung - jetzt könnte das Maß allerdings voll sein.

Von Vanessa Steinmetz

Er war der "bunte Vogel im deutschen TV" - mit nur 51 Jahren starb Dirk Bach in seiner Wohnung, vermutlich an Herzversagen. Kollegen und Fans trauern um den Entertainer, auch der Deutsche Fernsehpreis wurde von dem Ereignis überschattet. Doch jetzt sorgt ein Schmäh-Beitrag auf der Internetseite kreuz.net, die sich einen katholischen Anstrich gibt, für Empörung. Darin wird der bekennende Homosexuelle postum als "pervers" und "gestört" beschimpft. "Es ist davon auszugehen, daß [sic!] seine Unzucht ihn so früh ins Grab bracht", heißt es in dem anonymen Artikel weiter.

"Es ist empörend, dass die Hetzer von kreuz.net selbst angesichts des Todes jeglichen menschlichen Respekt vermissen lassen", teilt Günter Dworek, Bundesvorstand des Lesben- und Schwulenverbandes dazu mit. Auch auf Twitter zeigen sich viele Nutzer angesichts des Beitrags entsetzt. "Wie kann der Verfasser dieses Textes eigentlich noch ruhig schlafen?", fragt ein User. Mehrere geben an, bereits Strafanzeige gegen kreuz.net gestellt zu haben. Die Betreiber der Seite haben auf Nachfrage von Süddeutsche.de bislang nicht reagiert.

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Es ist nicht das erste Mal, dass die Webseite mit aggressivem Ton und abstoßenden Inhalten auffällt. Seit Jahren werden dort antisemitische, homophobe und antimuslimische Beiträge veröffentlicht. Die Betreiber verstehen das Blog als katholische Nachrichtenseite und stellen sich als "internationale Gruppe von Katholiken aus Europa und Übersee" vor, die "hauptberuflich im kirchlichen Dienst" tätig seien. Die Autoren der Beiträge bleiben größtenteils anonym, der Server steht laut Impressum im US-Bundesstaat Kalifornien.

Von der Internet-Hetze unter dem Deckmantel der katholischen Kirche hat sich die Deutsche Bischofskonferenz in den vergangenen Jahren schon mehrmals distanziert, so auch am Donnerstag. "Kreuz.net ist ein inakzeptables Internetportal, das den Begriff 'katholisch' auf das Gröbste missbraucht", sagt Sprecher Matthias Kopp. "Weder hat das Machwerk etwas mit der katholischen Kirche in Deutschland zu tun, noch mit der Deutschen Bischofskonferenz."

"Es gibt Experten, die knacken das"

Die erneute Entgleisung könnte jetzt ein juristisches Nachspiel für die Betreiber haben. Diese "Schmährede auf einen gerade Verstorbenen" sei "selten heftig", sagt Rechtsanwalt Udo Vetter. Damit seien die Kriterien der "Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener" erfüllt, eine Verurteilung kann bis zu zwei Jahren Gefängnis nach sich ziehen. Die Tatsache, dass der Server nicht in Deutschland steht, sollte die Ermittlungen seiner Meinung nach nicht hindern: "Das ist normale Polizeiarbeit, den Betreiber eines Servers ausfindig zu machen", sagt Vetter. "Da gibt es Experten, die knacken das."

Der Staatsanwaltschaft Berlin sind bislang noch keine Anzeigen gegen die Betreiber von kreuz.net bekannt, sagte ein Sprecher zu Süddeutsche.de. Bereits im März diesen Jahres hatte der Verfassungsschutz angekündigt, die Seite "intensiver zu überwachen", da etliche Beiträge nicht vom Grundrecht der Meinungsfreiheit gedeckt seien und die "Grenzen zur Strafbarkeit" überschritten. Der neue Fall könne nun ein konkreter Anlass für neue Ermittlungen sein, sagt Vetter.

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