Russland lässt ARD-Journalisten nicht zur WM Lieber in Ruhe Geschäfte machen

ARD-Doping-Experte: Hajo Seppelt.

(Foto: Jens Wolf/dpa)

Russland verweigert dem ARD-Journalisten Hajo Seppelt ein Visum für die Fußball-WM. Wenn der DFB bei der Lösung des Falls nun auf den Weltverband setzt, macht er es sich mit dieser Reaktion zu leicht.

Kommentar von Claudio Catuogno

Für Russland ist der TV-Journalist Hajo Seppelt so eine Art Staatsfeind. Wladimir Putin braucht und missbraucht den Sport, um sein Land stolz zu machen; dass es zuletzt bei Olympia ohne Flagge und Hymne antreten musste, war eine Schmach. Es lag an Seppelts Recherchen zu jahrelangem Staatsdoping.

Ob es strategisch klug ist, Seppelt deshalb jetzt die Einreise zur Fußball-WM zu verweigern, sei dahingestellt angesichts des weltweiten PR-Desasters. Nicht klug ist jedenfalls die Reaktion des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), man habe "volles Vertrauen" in die Fifa, dass sie die Sache löse.

Es ist bekannt, dass der Weltverband mit Autokraten lieber in Ruhe Geschäfte macht, als sich mit ihnen wegen der Pressefreiheit anzulegen. Wenn nun Seppelt nicht aus Russland berichten kann, ist das ein Auftrag an jene, die es können. Also erstens: Nicht nur Jogis Jungs in den Blick nehmen. Zweitens: Die WM als das beschreiben, was sie ist - Putins Show. Und drittens: Den Fußball als das darstellen, was er ist; eine Milliardenindustrie mit Dopingproblem, nicht nur in Russland.

Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt, der als DFB-Arzt sicher ein Visum kriegt, hat gerade behauptet, Doping im Fußball bringe gar nichts. Im Sinne von Hajo Seppelt zu berichten hieße auch, dieser Propaganda etwas entgegenzusetzen: zum Beispiel Recherche.

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