Fußball-WM:Heftige Reaktionen auf Einreiseverbot für Seppelt

Fußball-WM: Hajo Seppelt darf nicht zur Fußball-WM in Russland.

Hajo Seppelt darf nicht zur Fußball-WM in Russland.

(Foto: Fabrice Coffrini/AFP)
  • Russland verweigert dem ARD-Journalisten Hajo Seppelt die Einreise zur Fußball-WM.
  • Er stehe auf einer Liste "unerwünschter Personen". Genauere Angaben seien laut ARD nicht gemacht worden.
  • Die deutsche Politik reagiert empört - aus Russland kommene ebenso scharfe Töne.

Die Vorsitzende des Sportausschusses im Deutschen Bundestag, Dagmar Freitag, hat die Verweigerung eines Visums für den ARD-Dopingexperten Hajo Seppelt für die Fußball-WM in Russland heftig kritisiert und den Weltverband in die Pflicht genommen. "Ich bin gespannt, wie Herr Infantino jetzt darauf reagiert. Schließlich gibt die Fifa ja vor, die Einreise von Journalisten zur WM ermöglichen zu wollen", sagte die SPD-Politikerin am Samstag der Deutschen Presse-Agentur. Die Fifa mit ihrem Präsidenten Gianni Infantino hatte tags zuvor bestätigt, Seppelt die Akkreditierung für das WM-Turnier gewährt zu haben.

Auch DFB-Präsident Reinhard Grindel sieht die Verantwortung beim Weltverband, nun zu handeln. "Ich habe volles Vertrauen, dass die Fifa jetzt ihren Einfluss geltend macht, damit Herr Seppelt ungehindert aus Russland berichten kann", sagte Grindel am Samstag auf Anfrage der DPA. "Die Fifa hat betont, welchen hohen Stellenwert die Pressefreiheit für sie hat."

"Wir streben immer an, Medienvertretern die besten Voraussetzungen zur Berichterstattung über alle Fifa-Turniere zu bieten", hatte der Weltverband mitgeteilt. Via Facebook hatte Dagmar Freitag, die auch Mitglied des Auswärtigen Ausschusses im Deutschen Bundestag ist, die Entscheidung Russlands als "nicht nur völlig ungerechtfertigt, sondern geradezu skandalös" bezeichnet. Die Tatsache, dass Seppelt das russische Dopingsystem ans Licht gebracht habe, werde ihm jetzt offenbar zum Verhängnis, sagte Freitag.

"Einmal mehr macht das Vorgehen der russischen Behörden aber deutlich, was es für den Sport bedeutet, internationale Topveranstaltungen an Staaten zu vergeben, in denen Meinungs- und Pressefreiheit bestenfalls auf dem Papier existieren", kritisierte die Sportausschuss-Vorsitzende. Auch die Bundesregierung hatte die Entscheidung Russlands scharf kritisiert.

Russland fordert "objektive Filme" von Seppelt

Ein russischer Sportpolitiker verteidigte derweil das Vorgehen seines Landes mit scharfen Worten. Seppelt wolle die Reise zur Weltmeisterschaft nur nutzen, um Russland zu verleumden und sich selbst daran zu bereichern, sagte der Abgeordnete Dmitri Swischtschow der Agentur R-Sport am späten Freitagabend in Moskau. "Was will ein Mensch, der mit Dreck wirft, mit unbestätigten Fakten arbeitet und in Russland nur das Negative sucht?", kommentierte das Mitglied des Sportausschusses in der Staatsduma.

"Soll er doch die WM im Fernsehen anschauen. Wenn er objektive Filme über Russland macht, sind wir immer bereit, ihm ein Super-Visum auszustellen, mit mehrfacher Einreise und für ein Jahr", sagte Swischtschow. Seppelt ist durch seine Beiträge zum Thema Doping bekannt geworden, die seit 2009 im Ersten ausgestrahlt werden. Er trug damit maßgeblich dazu bei, das russische Doping-System aufzudecken. Moskau hat Vorwürfe immer wieder dementiert.Swischtschow sagte, dass zur WM zahlreiche ausländische Fans erwartet würden. Dies seien Menschen, die einfach Fußball schauen und herausfinden wollten, was das echte Russland ist. "Leute, die mit uns befreundet sein wollen, empfangen wir immer herzlich", sagte er.

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