Fall Wulff im Fernsehen Es hätte schlimmer kommen können

Drinnen die Wulffs, draußen die Meute: Anja Kling und Kai Wiesinger spielen das Bundespräsidentenpaar in den letzten 68 Tagen im Amt. Möglich, dass Wulffs Anwälte klagen, der Produzent sieht da "drei, vier Einflugschneisen".

In Hannover steht der ehemalige Bundespräsident Christian Wulff noch immer vor Gericht. Ein Fernsehfilm versucht sich nun an einer Deutung seines Untergangs. Erstaunlich, wie viel die Autoren dabei richtig gemacht haben.

Von Marc Widmann

Wenn Christian Wulff, zehnter Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland, dieser Tage in den Nachrichtensendungen erscheint, dann steht er vor einem Gerichtsgebäude in Hannover und betont eisern lächelnd seine Unschuld. Dann geht er festen Schrittes über den Gerichtsflur. Oder er steht drinnen im Saal vor der Anklagebank, steht so lange, hager und ergraut, bis alle Kameraleute aus dem Saal gegangen sind. Dieses Bild sollen sie nicht auch noch kriegen, Wulff auf der Anklagebank. Dieses nicht. Sein Prozess wird demnächst enden, im Februar womöglich, dann ist es vorbei. Fast.

Am 25. Februar will der Privatsender Sat 1 um 20.15 Uhr noch einmal die Zeit zurückdrehen. Er zeigt den Film Der Rücktritt, ein Dokudrama über Wulffs letzte 68 Tage im Amt, einen Film mit Spielszenen und dazwischen geschnittenem Originalmaterial.

Oh je. Wenn der Sender dieser Tage zum "Screening" seines "TV-Events" in einem Hamburger In-Hotel lädt, zur ersten Pressevorführung also, dann ist man auf das Schlimmste gefasst. Noch mal ein paar billige Scherzchen über den Upgrade-Präsidenten? Sexszenen im Schloss Bellevue? Oder stattdessen billige Medienschelte? Es ist ein Film, bei dem man ziemlich viel falsch machen kann. Umso erstaunlicher ist es, wie viel die Filmautoren am Ende richtig gemacht haben.

Der Anfang verleitet noch zum Wegzappen, man sieht den Schauspieler Kai Wiesinger am Schreibtisch im Schloss Bellevue, aber Christian Wulff erkennt man in ihm kaum. Vor ihm steht eine überdrehte Fotografin, knipst und flötet: "Das Staatstragende nicht vergessen!" Ja, so stellt man sich einen TV-Event vor. Aber es wird besser.

Regisseur und Autor Thomas Schadt ist eigentlich ein Dokumentarfilmer, kein TV-Event-Macher. Er hat ordentlich recherchiert, den Spiegel-Redakteur Jan Fleischhauer als Berater verpflichtet und Gespräche mit allen Beteiligten geführt, die er sprechen konnte. Er hat Wulffs Fall als Eingeschlossenen-Drama verfilmt. Drinnen die Wulffs, abgehoben von der Welt, man sieht sie nur im Schloss mit seinem glänzenden Parkett, in glänzenden Hotel-Suiten, in der glänzenden Staatskarosse. Die Welt bleibt draußen und wird zusehends fremd, bedrohlich, unheimlich.