Berliner "Tatort" Applaus für ein gelungenes Experiment

Puh, selbst die Schlussszene ist Fake - da sehen Meret Becker und Mark Waschke (r.) samt Regisseur Sebastian Marka ihren eigenen Film auf der Berlinale.

(Foto: rbb/Reiner Bajo)

Der Berliner Fall "Meta" ist mit Liebe zum Detail erzählt. Leicht ist der Film zwar nicht zu durchblicken. Aber es lohnt sich.

Von Carolin Gasteiger

Die Erkenntnis:

Hieß es nicht vor Kurzem noch bei der ARD, im Tatort solle weniger experimentiert werden? Offenbar ist "Meta" durchs Raster gerutscht - der Krimi ist ein einziges Experiment. Aber, ohne zu viel zu verraten, ein sehr gutes. "Meta" ist ein Film im Film mit Anspielungen auf einen weiteren Film. Das klingt ein wenig kompliziert, ist aber sehr spannend. Oder, um es mit den Worten von Kommissar Robert Karow zu sagen: "Wenn Sie den Film einmal gesehen haben, gibt es kein Zurück."

Darum geht's:

Kommissar Karow wird ein Päckchen mit einem abgeschnittenen Finger zugespielt. Der Finger gehört einer Prostituierten, der Raum, in dem die Ermittler die Leiche finden, wurde von einer Produktionsfirma angemietet. Um die junge Frau geht es in deren neuem Film, der auf der Berlinale Premiere hat. "Meta", also der fiktive Film im Tatort, nimmt vorweg, was den beiden Kommissaren bald passieren wird. Während Karow sich voll drauf einlässt und eher dem Film als den Fakten glaubt, bleibt Rubin skeptisch.

Bezeichnender Dialog - und zugleich beste Szene:

Karow hat eine ganze Nacht lang den Film "Meta" und den wahren Mordfall verglichen - mit vielen Energydrinks und kaum Schlaf. Nun will er seiner Kollegin beweisen, dass der Film der einzige Schlüssel zur Lösung des Falles ist.

Rubin: Ich hab den scheiß Film schon gesehen.

Karow: Dann wissen Sie also, was pasisert?

Rubin: Ja, weiß ich.

Karow: Bitte, Sie müssen sich das noch mal anschauen. Wir beide sind die Einzigen, die denen noch im Weg stehen.

Rubin: Die Organisation Gehlen, die sind alle tot, das ist lächerlich. Das ist nur ein Film!

In dem Moment läuft hinter ihr auf der Leinwand "Meta" - und einer der fiktiven Kommissare sagt genau diesen Satz zeitgleich mit Rubin, die sich daraufhin ungläubig umdreht und auf die Leinwand starrt. Herrlich unheimlich.

Top:

Das Film-im-Film-Prinzip dieses Tatorts ist gewagt, aber sehr überzeugend. Mit Liebe zum Detail sind beide Handlungsebenen ineinander verwebt und der fiktive Film "Meta" verrät genau so viel, dass es spannend bleibt. Als Schmankerl wird dann auch noch aus Scorseses "Taxi Driver" zitiert. Wie schade, dass im Tatort nicht häufiger experimentiert wird!

Flop:

Angesichts des raffinierten kriminalistischen Puzzles wirkt Nina Rubins chaotisches Familienleben wie ein nervtötender Lückenfüller. Die Zuschauer haben nach inzwischen sieben Fällen des Berliner Teams begriffen, dass die Kommissarin lieber tanzen geht oder das jüngste Mordopfer inspiziert als mit ihrem Sohn auf der Couch zu sitzen. Das jedes Mal aufs Neue zu thematisieren, wirkt überflüssig und nervt.

Schlusspointe:

Als letzte Volte wird klar, dass es sich wirklich um einen Film im Film im Film handelt. Der Abspann des Tatorts läuft im Berlinale-Kino, Meret Becker und Mark Waschke sitzen mit Regisseur Sebastian Marka in der ersten Reihe. Dann führen zwei Zivilbeamte Letzteren ab. Wie zuvor im Tatort, wie zuvor in "Meta". Das verdient völlig zu Recht Applaus.