ARD: Bundesligarechte "Sportschau" in Gefahr

Die DFL will den Wettbewerb um die Bundesligarechte verschärfen - und dabei vor allem auch Internet-Anbieter mit einbeziehen. Eine Web-Übertragung der Bundesliga könnte das Aus für die ARD-"Sportschau" am frühen Samstagabend bedeuten.

Von Claudia Tieschky

Ende Mai sendete das Erste einen Rückblick auf 50 Jahre Sportschau. Dass man das Format in der ARD für ausbaufähig hält, zeigt zum Beispiel die Personalie Matthias Opdenhövel, 40, der kürzlich als neuer Moderator für die Sendung bei Pro Sieben abgeworben wurde und Showqualitäten mit in die Sportschau bringt. Auch die Deutsche Fußball Liga (DFL) dürfte die ARD-Sportschau für ein - finanziell - ausbaufähiges Modell halten, obwohl gerade viel von einem Vermarktungsmodell der DFL die Rede ist, das angeblich das Aus für die Sportschau bringe.

Konkret geht es um neue Pakete für die Bundesligarechte nach Sommer 2013. Neben die bisherige Highlight-Verwertung - im Free-TV samstags von 18.30 Uhr an eben in der Sportschau - könnte ein konkurrierendes Szenario treten. Demnach würde die DFL eine frei empfangbare Highlight-Ausstrahlung als Web-TV-Recht ausschreiben, die samstags ab 19 Uhr zu sehen wäre. Das klassische TV könnte dann erst von 21.45 Uhr an über die Spiele berichten wie derzeit im Aktuellen Sportstudio im ZDF.

DFL-Geschäftsführer Christian Seifert erklärt dazu, die Clubs erwarteten "zurecht, dass die Bundesliga-Rechte optimal vermarktet werden". Aufgabe der DFL sei deshalb, "den dazu nötigen Wettbewerb zwischen mehreren Bietern zu schaffen". Dazu gehöre auch, unterschiedliche Szenarien anzubieten, in denen die denkbaren Übertragungswege unterschiedlich gewichtet werden. "Es liegt dann an den Geboten der Bieter, dass deren präferiertes Verwertungsmodell zur Umsetzung kommt", so Seifert. Man kann das als Aufforderung an die ARD verstehen, einen Preis zu nennen.

Stärken würde das neue Modell die Attraktivität von Pay-TV. Dort zeigen Sky und Telekom (IP-TV) die Bundesliga live. Zudem könnten neue Anbieter von Internet-Highlights profitieren. Donata Hopfen, Geschäftsführerin von Axel Springers Bild digital, signalisierte Mitte Mai bei einer Diskussion in Düsseldorf deutlich Interesse an exklusiven Bewegtbildern von der Fußball-Bundesliga ("Wir sind jetzt in der Lage, Rechte einzusammeln"). Auf Anfrage erklärt ein Springer-Sprecher, man äußere sich derzeit nicht zu einem möglichen Interesse am Rechteerwerb. Sicher ist, dass Bewegtbilder generell für die Attraktivität von Online-Plattformen künftig eine größere Rolle spielen.

Die entscheidende Rolle spielt das Bundeskartellamt. Die Behörde in Bonn hatte bislang verlangt, dass die Highlight-Verwertung im Free-TV samstags vor 20 Uhr stattfinden müsse. Dann wäre die neue Idee nicht umsetzbar. Derzeit wird mit Blick auf die anstehende Ausschreibung zwischen DFL und Wettbewerbshütern verhandelt. Ob der neue Präsident der Bonner Wächter, Andreas Mundt, einen anderen Kurs verfolgt als Vorgänger Bernhard Heitzer, ist nicht erkennbar, aber möglich.

Die DFL sucht immer wieder, ihre Verhandlungsposition mit Szenarien für alternative Vermarktungswege zu verbessern. Zuletzt war es ein eigener TV-Sender, für den die DFL seit 2009 eine Zulassung besitzt. Allerdings bietet die Sportschau der Bundesliga eine enorme Popularität, umgekehrt profitiert die ARD von dem teuren Sportrecht (circa 100 Millionen Euro pro Saison zahlt das Erste), das gut fürs Image ist und junge Zuschauer bindet. Steht am Ende eines alternativen Vermarktungsmodells das Kalkül, dass die ARD-Intendanten lieber noch mehr Geld investieren, um ihre attraktive Sportschau zu retten?

Axel Balkausky, Sportkoordinator der ARD, sagte am Dienstag, die DFL habe das nun beschriebene Vorgehen bereits vor einiger Zeit angekündigt, "weswegen die genannten Optionen schon allgemein bekannt waren". Dass die ARD um die Internet-Highlights mitbiete, sei "keine Option". Der Programmauftrag des Ersten umfasse "in erster Linie nach wie vor die Verbreitung erstklassiger Angebote über das Fernsehen".

So ein Angebot sieht Balkausky in der Sportschau und beruft sich auf die Wertschätzung des Formats beim breiten Massenpublikum: "Bei einer Vergabe an einen reinen Internetanbieter wären die Fans in Deutschland die großen Verlierer", vor allem ältere, weniger Internet-affine Menschen würden ausgeschlossen. 412 Millionen Euro erlöst die DFL derzeit aus der Liga-Vermarktung. ARD/ZDF stehen unter öffentlichem Druck, die Kritik an Ausgaben für teure Sportrechte wächst. Doch sie brauchen die Bundesliga und andere Sport-Events für die Quote - und die Liga braucht die Anstalten. Wer wen mehr braucht, das bestimmt am Ende den Preis.