ARD-Krimireihe "Kommissar Pascha" Vertraut, aber doch anders

In Istanbul wird gerade die erste Folge von "Kommissar Pascha" gedreht. Damit komme "Türkisch-Sein als Normalität" in die Haushalte, sagt Autor Su Turhan. Aber ist es da nicht schon längst?

Von Mike Szymanski, Istanbul

Das Fernsehpublikum bekommt einen neuen Krimihelden. Er heißt Zeki Demirbilek und ist trotz dieses Namens ein sehr bayerischer Typ: Er ist Muslim, geht zum Beten in die Moschee und isst gerne Schweinsbraten. Wenn der Rakı leer ist, dann trauert er nicht lange, sondern ertränkt seinen Kummer in Obstler. Der Imam von der Moschee und er sprechen Münchnerisch.

Wer so dermaßen multikulti ist, dürfte als türkischer Ermittler nun wirklich wenig Schwierigkeiten haben, seinen Platz in der 20.15-Uhr-Fernsehverbrechenswelt der Öffentlich-Rechtlichen zu finden - auf der Seite der Guten, natürlich.

Kommissar Pascha heißt die Verfilmung der gleichnamigen Krimibuchserie des deutsch-türkischen Schriftstellers Su Turhan, die gerade mit einem Dreh in Istanbul in die Schlussphase gegangen ist. An einem Donnerstag im nächsten Jahr soll Demirbilek dann als Kommissar Pascha im Ersten ermitteln: "Türkisch-Sein als Normalität kommt dann in die Haushalte", so stellt sich das Autor Turhan vor. "Nette, gediegene Unterhaltung."

Türkisch-Sein als Normalität? Nicht neu

Türkisch-Sein als Normalität im deutschen Fernsehen? Neu ist das nun wirklich nicht. In der Serie Türkisch für Anfänger konnte man der Patchwork-Familie Schneider-Öztürk doch schon beim Zusammenwachsen zuschauen. Auch auf Verbrecherjagd haben die Öffentlich-Rechtlichen Türken schon geschickt. Cenk Batu war verdeckter Ermittler im Hamburg-Tatort. Neu ist aber, wie in Turhans Figur alle Grenzen verschwimmen. An ihm wirkt nichts mehr so fremd, als dass man es den Zuschauern noch irgendwie nahebringen müsste. Es ist fast schon wie bei einem der zahlreichen Regionalkrimis der ARD - sehr vertraut irgendwie und doch auch anders. Mit Kommissar Pascha macht Turhan jedenfalls keinen Problemaufriss.

Der Film erzählt vom Migrantenkind, das mit zwölf Jahren mit seiner Familie nach Deutschland gekommen ist und es bis weit nach oben geschafft hat. Demirbilek, gespielt von Tim Seyfi, leitet das Sonderdezernat "Migra" der Kripo München, das Kriminalfälle unter Migranten aufklären soll. Im Film wächst das Team erst noch zusammen. Demirbilek lässt die junge Niederbayerin Isabel Vierkant (gespielt von Theresa Hanich) und die Berliner Deutschtürkin Jale Cengiz (Almila Bagriacik) zuarbeiten - das sind dann quasi drei Zugereiste, wie man in Bayern sagt.

Risiko? Gerne, Digger!

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"Ihr seid's die Spezialisten für alles Tote, was nicht hiesig ist", erklärt der Vierte im Team, Pius Leipold (Michael A. Grimm), strafversetzter Polizist - und der Einzige, der Schwierigkeiten hat, sich in die neue Gruppe zu integrieren. Man ist nicht wirklich überrascht, dass der erste Fall die Ermittler in die undurchsichtige Welt eines Döner-Imperiums und bis an den Bosporus führt, nachdem ein junger Türke tot aus der Isar gezogen wurde.