ARD-Krimi Die stiefmütterliche Behandlung der Louise Bonì

Claus Rohmüller (Rainer Bock) und Louise Bonì (Melika Foroutan).

(Foto: WDR/Christoph Assmann)

Die Krimireihe "Kommissarin Louise Bonì" läuft in der ARD nur auf Bewährung. Ihrer Qualität wird das nicht gerecht.

TV-Kritik von David Denk

Wäre man selbst Louise Bonì, man wäre wohl auch zum Säufer geworden. Ihre Arbeit bei der Kripo Aachen konfrontiert die Kommissarin mit den "abartigen Seiten des Lebens", so Drehbuchautorin Hannah Hollinger.

Und Bonì (Grimme-nominiert: Melika Foroutan) setzen die Abgründe zu, in die sie immerzu schaut. Am Ende von "Jäger in der Nacht", ihrem zweiten Fall, sitzt sie, gerade mit dem Leben davongekommen, am Küchentisch und liefert sich ein Duell mit einer Flasche Wodka. Die Frage, wer stärker ist, bleibt offen. Abspann.

Louise Bonì ist die geniale aber emotional überforderte Ermittlerin

Louise Bonì ist also zurück. Sie war im Entzug, ist trocken. Ihr geht es ein wenig besser, aber der Welt nicht, in der sie den Dreck wegzumachen hat. Bonì ist wie ein Müllmann, der den Abfall, anstatt ihn auf der Deponie abzuladen, in sein Wohnzimmer kippt, bis er daran zu ersticken droht.

Fantastisches Wrack

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In "Jäger in der Nacht" verschwindet die Studentin Nadine (Livia Matthes) und dann auch noch der 16-jährige Eddie (Nino Böhlau), der kurz darauf tot aufgefunden wird - zwei Fälle, hinter denen Bonì intuitiv zwei Täter vermutet - gegen den Widerstand ihres Chefs Bermann (Anian Zollner), der Eddies Vater (Juergen Maurer) verdächtigt, Nadine entführt und seinen Sohn ermordet zu haben. Ein weiterer Mord - der Tote scheint einer der Täter zu sein - stützt Bonìs Hypothese: Der zweite Täter ist so gut über die Ermittlungen informiert, dass er Polizist sein muss.

"Jäger in der Nacht" ist gleich doppelt anstrengend

"Jäger in der Nacht" ist ein sehr guter, aber in doppelter Hinsicht anstrengender Film. "Sie sah frisch aus, und sie roch gut", sagt der zweite Täter beim finalen Showdown über Nadine, die er schwer misshandelt hat. "Du bist so eine Drecksau", entgegnet Bonì, doch das reicht nicht, um den Schauder zu bannen, den seine Worte hinterlassen.

Herausfordernd ist der Film auch wegen der Vorliebe von Autorin Hollinger und Regisseurin Brigitte Maria Bertele für Zwischentöne und Unausgesprochenes. Es fällt nicht immer leicht, der Handlung und den Gedanken Bonìs zu folgen. Verglichen mit der Unsitte, dass Figuren in der deutschen Fernsehfiktion ihr Herz auf der Zunge zu tragen haben, ist dies aber das deutlich geringere Übel.

Die Quote regiert - und der Sender macht es der Reihe nicht leicht

Hoffentlich ist diese Wahrnehmung mehrheitsfähig, denn Kommissarin Louise Bonì ist eine Krimireihe auf Bewährung. "Jedes neue Format muss seine Reihentauglichkeit unter Beweis stellen", sagt Produzentin Ariane Krampe, "und der Maßstab dabei ist nun mal die Quote." Die Zuschauerzahlen dieses Films, der unglücklicherweise gegen das Staffelfinale vom ZDF-Bergdoktor programmiert ist, entscheidet, ob es weitergeht.

Auf eine Extrawurst hoffen darf das sperrige Format nicht, passt es doch nicht so recht ins Sendeplatzprofil am ARD-Donnerstag, wo inzwischen vor allem deutsche Schauspieler als Kommissare im Ausland ermitteln. Krampe: "Meine Hoffnung ist, dass eine kreative Koexistenz möglich ist."

Kommissarin Louise Bonì, ARD, 20.15 Uhr.

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