Angela Merkel bei Günther Jauch Schwiegersohn trifft "Mutti"

Es ist erst die dritte Sendung für Günther Jauchs Polit-Talk in der ARD - und schon kommt die mächtigste Frau der Republik. Angela Merkel kündigt sich für die Talk-Show als Gast an. Merkel wie Jauch gehen mit diesem Gipfeltreffen von Politik und Medien ein Risiko ein.

Von Michael Grill

Prominenter kann eine Talkshow in Deutschland nicht besetzt sein - staatstragender allerdings auch nicht. Für die dritte Sendung des neuen ARD-Polit-Talks "Günther Jauch" am kommenden Sonntag hat sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) angekündigt. Merkel werde zu Fragen nach der Lösung der Euro-Krise, dem Bestand der schwarz-gelben Koalition und eventuellen Neuwahlen Stellung nehmen, so die ARD.

Es ist äußerst selten, dass sich die Kanzlerin der Republik in eine Talk-Show begibt und sich dort zu aktuellen Themen befragen lässt. In den vergangenen Jahren war Merkel lediglich zwei Mal Gast in Talkshows und zwar in den ARD-Sendungen "Anne Will" und "Sabine Christiansen". Bei Günther Jauch wird die Politikerin der einzige Gast in der Sendung sein.

Den Besuch der Kanzlerin kann man als Auszeichnung für das neue Sendeformat der ARD mit Star-Moderator Jauch interpretieren. Offenbar schätzt die im Berliner Polit-Betrieb oft "Mutti" genannte Merkel den meist ruhigen Moderationsstil des auch politisch versierten Journalisten und "Lieblings-Schwiegersohns" der Deutschen. Der TV-Auftritt könnte aber auch ein Zeichen für den Ernst der politischen Lage sein: Wenn Merkel schon in eine TV-Sendung geht, dann scheint sie den Deutschen wirklich sehr dringend etwas erklären zu wollen.

So ist der Merkel-Talk für beide Seiten nicht ohne Risiko. Jauch, dessen neue Sendung ohnehin schon sehr pompös-hauptstädtisch konzipiert ist, gerät nach den Wowereit-Rösler-Festspielen in der Ausgabe vom vergangenen Sonntag und nun auch noch mit Kanzlerin Merkel in eine für seinen eigenen Anspruch journalistisch heikle Nähe zur offiziellen Berliner Polit-Bühne. Es würde nicht in Jauchs Interesse liegen, wenn sein ARD-Talk in den Augen des Publikums eine Art Präsentationsfläche für Berliner Regierungsgrößen wäre.

Und die Kanzlerin läuft Gefahr, dass ihr Gang vor Jauchs Kamera als Notmaßnahme interpretiert wird: Kann sie zum Beispiel das Thema Neuwahlen anders nicht mehr unter Kontrolle halten? Was wahrscheinlich als Kommunikations-Offensive gedacht ist, könnte auch als generelle Schwäche des Systems Merkel verstanden werden.

Die zweite "Günther Jauch"-Ausgabe am vergangenen Sonntag verlor eine halbe Million Zuschauer gegenüber der Vorwoche. Bei den Themen Euro-Rettung und Koalitionskrise schauten 4,60 Millionen Zuschauer zu.

"Günther Jauch" mit Günther Jauch und Angela Merkel ist am Sonntag (25. September 2011) von 21.45 Uhr an zu sehen.

Der Kanzlerin alte Kleider

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