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TV-Kritik zu "Günther Jauch":Auftritt des "geschäftsführenden Schmunzelmonsters"

Wahlsieger Wowereit verwurstelt sich, Wahlverlierer Rösler kommt als populistischer Mainstream-Vertreter rüber und die Piraten fehlen ganz: Trotz Mängel gelang Günther Jauch mit seiner Wahlnachlese eine attraktive Debatte. Eine kleine Nachtkritik.

Es war nicht gerade ein Traumstart, den Günther Jauch bei seinem Debüt als Polit-Talker in der ARD vergangene Woche hingelegt hatte: "9/11" als Zehnjahres-Rückblick - da erstarrte die Moderation zur staatstragenden Abfragerei. Umso befreiter konnte er sich nun im zweiten Anlauf auf die Tagesaktualität stürzen: Berlin wählt Wowereit, die FDP stürzt ab auf 1,8 Prozent. Das passte doch ganz wunderbar in die Themenplanung: "Die schwarz-gelbe Pleite! Kann diese Regierung noch den Euro retten?" Die Kunst des Abends war: Das Europathema Eurokrise mit dem Bundesthema Koalitionskrise zusammenzubringen und dabei ständig über Berlin zu reden.

Guenther Jauch zur Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus

Zogen bei "Günther Jauch" Bilanz zur Wahl des Berliner Abgeordnetenhauses: Berlins Regierender Bürgermeister und Wahlsieger Klaus Wowereit (r.) sowie der FDP-Vorsitzende und Wirtschaftsminister Philipp Rösler.

(Foto: dapd)

Die Kritiken aus der Vorwoche an seiner Moderation - zu wenig engagiert, zu lustlos - schien Jauch ganz genau studiert zu haben, zumindest hatte er sich drauf eingestellt: Jetzt hakte er nach und ging dazwischen, dass es nur so krachte im Gesprächsfluss. Gleich zu Beginn frotzelte er Berlins weiterregierenden Bürgermeister Wowereit an, er sei ein "geschäftsführendes Schmunzelmonster".

Dann durfte Wowereit eine kleine Siegerrunde drehen: Ist Berlin nicht das Griechenland Deutschlands? - "Aber nein, wir haben einen harten Konsolidierungskurs gemacht." Was ist mit Hartz-IV-Hauptstadt und 60 Milliarden Schulden? - "Da fragen Sie mal meine Berliner."

Etwas seltsam die redaktionelle Einführung zu Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler, der mit seiner Forderung nach einer "geordneten Insolvenz Griechenlands" für das Wochenthema gesorgt hatte. Man sah fiktive Finger auf einer Tastatur herumfliegen, dazu wurde gedichtet: "Philipp Rösler schreibt einen Gastkommentar für die Welt."

Der reale Rösler jedenfalls verteidigte seinen Text, mühte sich um Sachlichkeit und kam dabei interessanterweise weniger als populistischer Außenseiter rüber, sondern mindestens als populistischer Mainstream, was angesichts des Berliner FDP-Wahldesasters doch erstaunlich war.

Impressionen nach Wahl in Berlin

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