"Almuth und Rita" in der ARD Generation Gold

Ein Gegensatzpaar, das sich bis zum Schluss siezt: Die strenge Almuth (Senta Berger) und die fröhlich-umtriebige Rita (Cornelia Froboess, re.).

(Foto: ARD Degeto/Sabine Finger)

Miesmuffelige Zahnärztin trifft im Ruhestand auf fröhliche Putzfrau, die sie moralisch aufmöbelt. Nicht immer entgeht die Tragikomödie "Almuth und Rita" dem Sozialkitsch. Zum Glück wird der Best-Ager-Film von großartigen Darstellerinnen getragen - und er bewahrt sich ein paar offene Fragen.

Von Christine Dössel

Eine Bekehrungsgeschichte für die Generation Gold: Verknöcherte, miesmuffelige Zahnärztin, die immer nur für den Beruf gelebt hat, wird im Ruhestand plötzlich auf sich selbst zurückgeworfen und entdeckt die Leere in ihrer schicken Wohnung - und in ihrem Leben. Aber fröhliche, zupackende Putzfrau mit Herz am rechten Fleck lockt sie aus der Reserve und möbelt sie menschlich-moralisch auf.

Klingt nach Happy End und Beginn einer wunderbaren Freundschaft. Aber ganz so wohl(fühl)feil und heimelig, wie der anfangs doch recht absehbare Best-Ager-Film Almuth und Rita sich auszugestalten droht, wird's dann doch nicht. Die Geschichte bewahrt sich gottlob ein paar offene Fragen, und die beiden Titelheldinnen siezen sich bis zum Schluss. Die ARD bemüht sogar den Gattungsbegriff "Tragikomödie", wobei die Tragik sich in Grenzen hält. Es sei denn, man begreift das Altwerden mit seinen Folgen an sich schon als solche.

Zwei Damen mit Role-Model-Qualitäten

Almuth und Rita - das sind Senta Berger und Cornelia Froboess, zwei herausragende Charakterschauspielerinnen der inzwischen schon reiferen Klasse, Berger ist 72, Froboess 70 Jahre alt. Dass sie viel jünger wirken, ist in diesem aufmunternden Un-Ruhestandsfilm allein schon erbaulich -sie haben Role-Model-Qualitäten.

Senta Berger ist Almuth Seegers, die so elegante wie arrogante Frau Doktor: abweisend, steif, humorresistent. Eine kühle Dame, streng erzogen von einer ebenso kühlen Mutter (Kerstin de Ahna), die inzwischen in einer "Seniorenresidenz" lebt und der Demenz anheim fällt. Almuth ist seit 19 Jahren geschieden und hat weder zu ihrer Tochter noch zu ihren zwei Enkelkindern innigen Kontakt. Sie kann das nicht: herzlich sein, Oma sein, Gefühle zeigen, all das.

Vorsicht, Sozialkitschgefahr!

Rita, mit extra-burschikosem "Conny"-Charme hingewirbelt von der Froboess, ist das Gegenteil: eine robuste proletarische Frohnatur, wie einem Drama von Gerhart Hauptmann entsprungen, nur ohne Brüche. "Die alte Putze", wie sie sich selber nennt, als flotter Feger: mit süßem Hund, fettem Sofahocker-Mann und Berliner Ur-Schnauze ("Na Spreewald!") und DDR-Migrationshintergrund.

Kann bohren, "miese Stimmung" wittern, ist auch sonst patent. Bisschen dicke vielleicht. Da hat sich die Drehbuchautorin Brigitte Blobel satt im "Milljöh" bedient, die Warnzeichen bisweilen leichtfertig (oder vielleicht einfach nur TV-gerecht?) missachtend: Vorsicht, Sozialkitschgefahr! Hier die Charaktere bitte nicht überzeichnen!

Aber auch, wenn die Geschichte einen Zug ins Triviale, Sozialromantische hat, kriegt sie die Kurve und kommt - auch dank der unaufgeregten Regie von Nikolai Müllerschön - erzählerisch ans Ziel: nämlich letztlich doch von Menschen zu erzählen, nicht von Karikaturen. Vor allem Senta Berger hat ein paar Szenen, die sehr wahr und anrührend sind. Etwa wenn Almuth auf der Alm ihren Jugendverehrer küsst. Wie viel Staunen, sanfte Erinnerung, plötzliche Enttäuschung und Altersernüchterung da aufflackern und wie ein Wetterleuchten über ihr schönes Gesicht ziehen - das ist groß.

Almuth und Rita, ARD, 20.15 Uhr.