Ich bin so froh, dass ich ein Dicker bin: Übergewichtige in den USA haben es satt, sich von Dünnen Maßlosigkeit vorwerfen zu lassen. Sie wehren sich mit ausgefallenen Argumenten.
Sie wackeln Treppen hinab wie Robben, verschnaufen auf Stühlen, die unter ihren Hintern wirken wie Kindergartenmobiliar, sie keuchen und schwitzen und rappeln sich dann wieder hoch, nicht selten, um sich noch einen "Super Big Gulp" zu gönnen - zwei Liter Zuckerpampe.
Dicke leben falsch, heißt es und gingen verantwortungslos mit sich um. (© Foto: iStock)
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Solange die Dicken nicht gerade im Flugzeug neben ihnen saßen, gaben sich die Amerikaner alle Mühe, sie respektvoll zu übersehen. Sie waren Elefanten im Raum im doppelten Sinne. Man hatte Mitleid und fragte sich im Stillen, was da nicht stimme bei ihnen. Alles andere verbot die Political Correctness.
Doch je mehr die "Fettleibigkeitsepidemie" grassiert - jeder dritte Amerikaner gilt als übergewichtig - desto lauter wird der moralische Ton: Dicke lebten falsch, heißt es und gingen verantwortungslos mit sich um.
Eltern werden zur Rechenschaft gebeten für ihre fetten Kinder. United Airlines zwingt seit einem Jahr Passagiere, die nicht in ihren Sitz passen, ein zweites Ticket zu kaufen. Kürzlich suggerierte eine Studie im New England Journal of Medicine sogar, dass Fettleibigkeit ansteckend sei: Wer mit Dicken befreundet sei, sei in Gefahr, selbst dick zu werden.
Mit der Debatte um die Gesundheitsreform hat sich der Ton nun weiter verschärft. Die, die gesund sind, weil sie joggen gehen, auf Zucker verzichten und Eiweiß-Omelettes essen, obwohl sie scheußlich schmecken, sollen plötzlich aufkommen für die Disziplinlosigkeit und Faulheit anderer? - Dann muss man die Sache aber auch beim Namen nennen dürfen!
Doch die Dicken sind die Pathologisierung und Bevormundung leid. Sie wollen nicht mehr wie Lepröse behandelt werden, keine Diättips mehr hören und auch nicht mehr als "rund" oder "füllig" bezeichnet werden. Sie sind fett und stolz darauf.
Jedenfalls diejenigen unter ihnen, die sich dem Fat Acceptance Movement zurechnen, einer wachsenden Bewegung, die gegen den Schlankheitszwang und gegen die Diskriminierung ihrer nun einmal extrem sichtbaren Mitglieder kämpft.
Wie zuvor Schwarze, Frauen und Schwule feiern die Fetten ihr Anderssein. "Fat Pride" nennt sich die Bewegung denn auch, in Analogie zu "Gay Pride". Selbst an Literatur fehlt es nicht. Die Ratgeber und Selbsthilfebücher heißen "Fat! So?", "Largely Happy" oder "Don't Diet". Kürzlich erschien schließlich der "Fat Studies Reader", der auf knapp 400 Seiten kulturtheoretische Essays mit Titeln versammelt wie "Zugang zum Himmel: Flugzeugsitze und fette Körper als umkämpfte Orte" oder "Die ikonische Kraft des 'Dicken Hintern' in der amerikanischen Popkultur".
Vor allem jedoch versuchen die Autoren, die "Übergewichts-Epidemie" als "soziales Konstrukt" zu entlarven und die empfohlenen Rezepte gegen diese als wirkungslos: Nein, mehr Sport, weniger und gesünderes Essen würden keineswegs gegen Fettleibigkeit helfen. Nein, Fettleibigkeit mache nicht krank. Und überhaupt: Es habe immer Dicke und Dünne gegeben.
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Im einst stabilen und friedlichen Staat Mali errichten Islamisten, Separatisten und Terroristen das Afghanistan Afrikas. Seite 3 Jetzt lesen ...
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Wenn Dicke sich diskriminiert fühlen, dann auf der gleichen Basis wie sich Religiöse diskriminiert fühlen wenn sie von Anders-/Nichtgläubigen kritisiert werden ?
Werden Dicke denn über die Einschränkungen die sie sich selber zu verdanken haben hinaus irgendwie in ihren Rechten beschnitten ?
Kritik ist keine Diskriminierung ! Da MUSS man bitte sauber trennen, denn sonst kennt die Diskriminierung kein Halten mehr und treibt die Kritiker vor sich her..
Ohne Demütigung wird gewiss das Problem auch nicht besser !
Das ist ein System welches seit Jahrtausenden funktioniert.. Angst vor Demütigung. Heutzutage hat aber jeder seine Grundrechte und denkt er muss sich deshalb auch nicht mehr demütigen lassen, das aber ist der gleiche Trugschluß wie die Aussage Kritik an Dicken wäre Diskriminierung.
In den USA gelten Überwichtige als die Gruppe, über die Menschen am offensten ihre Vorurteile zugeben - finden Wissenschaftler der Sozialpsychologie, die sie mit anderen Gruppen (z.B. Schwarze, Mexikaner, Araber, Schwule usw.) vergleichen.
In Deutschland werde Dicke noch viel offener beleidigt und diskriminiert. Auch in der SZ. Und auf die USA herabzusehen ist sowieso immer prima. Und dann auch noch Dicke in den USA? Das könnte man nur noch mit bibeltreuen, Todesstrafen fordernden, schießwütigen, nichts-übers-Ausland-wissenden und Elvis in Graceland besuchenden US-Dicken toppen. Ich warte auf den entsprechenden SZ-Artikel...
Was mich nach einer knappen Seite Einleitung in diesem Stil nur ehrlich überrascht hat: Daß Sie's doch geschafft haben, auf ein erträgliches Niveau und sogar ein paar interessante Themen einzuschwenken. (Nicht bahnbrechend neu, aber vielleicht nicht jedem SZ-Leser bekannt.)
Nur das Vokabular das bleibt fröhlich bei Fetten. Nur die Ironie die geht noch immer auf Kosten der Übergewichtigen. Nur die Selbstherrlichkeit der Nicht-Dicken die bleibt natürlich unangetastet. Denn die Meinung ist ja noch immer die gleiche daß man sich den Dicken, die das ja schließlich selbst verschulden, gern überlegen fühlen und das obendrein jedermann aufs Butterbrot schmieren darf. Denn Kritik am Übergewicht ist zwar manchmal zynisch, aber vor allem doch wohlmeinend oder wissenschaftlich, nicht wahr?
Tatsächlich gilt aber auch in Deutschland: Bei keiner anderen Gruppe würde man sich so einen Artikel gefallen lassen. Wenn man ein paar der Sätze auf andere Minderheiten anwendet [beleidigende Begriffe nur benutzt, wo die SZ bereits mit dem beleidigenden Begriff Fette vorlegte]:
Für die [Juden] muss es ungeheuer befreiend sein, zu hören, dass [ihr Glaube und ihre Traditionen], einfach okay sind und nicht Zeichen einer Beschädigung, die sie möglicherweise selbst zu verantworten haben... ... Die Gegenoffensive der [Schwuchteln] ... ist der [Muselmane] zum Symbol persönlichen und gesellschaftlichen Versagens geworden.
...
Wie man sich so un-verschämt ausdrücken kann, im gleichen Artikel, in dem man die Phrase versteckt der Schmerz, den die Diskriminierung verursacht, ist ohne Frage sehr real das bleibt Ihr Geheimnis.
Zitat eines Foristen: "Menschen sind eben nicht alle gleich und eben auch nicht gleich stark. Und viele dicke Menschen wären selbst gerne klaro schlank und schön nach Katalog. Aber sie schaffen es eben nicht. "
Wenn die Gesellschaft einen Weg als falsch erkennt, dann muss sie darauf reagieren und Menschen dabei helfen.
Das ist beim Alkohol, beim Rauchen und auch bei den Fetten so. Leider sind die Amis die Leitkultur in der westlichen Hemisphäre und die haben nun einmal diese etwas direkte Art damit umzugehen. Andererseits wenn man erst kürzlich in den USA war: Was einem da so entgegenwalzt, das gibt´s bei uns noch nicht in dieser Ausprägung.
Wohlgemerkt: Es geht nicht um Krankheiten die Menschen dick machen, sondern um die, die sich einfach nur fett gefressen haben.
Ich kann mich mit meinem Schwimmreifen davon gar nicht ausnehmen :-)
PS: Ich hätte nicht gedacht, dass die Antiraucherlobby so schnell ein neues Betätigungsfeld findet......
du hast recht, wenn dein einwand auch sehr plump erscheint.
"wer kiffen will, soll kiffen, wer koksen will, soll koksen, wer heroin nehmen will soll dies auch tun. wer besoffen auto fährt, sollte dies auch machen.....etc"
PS: essen ist aber noch legal...oder???
legen sie mir nichts in den mund was ich nicht gesagt habe.
ich sage zu übergewichtigen ungefragt überhaupt nichts. weder "du bist übrigens dick - das ist ungesund" noch "pfui, du bist dick". ich behandle deswegen niemand schlechter.
werde ich aber gefragt, dann sage ich meine meinung.
Paging