Suizid-Serie unter schwulen Jugendlichen "Das muss ein Weckruf sein"

In den USA leiden Schwule zunehmend unter Gewalt und sozialer Ausgrenzung. Nach mehreren Teenager-Selbstmorden schreiten nun Prominente ein.

Der 18-jährige US-amerikanische Student Tyler Clementi ist intelligent und ein vielversprechender Violinist. Dass er schwul ist, weiß niemand - bis sein gleichaltriger Mitbewohner Dhavun Ravi ihn im September heimlich beim Sex mit einem anderen Mann filmt und das Video ins Internet stellt. Diese Verletzung seiner Privatsphäre erträgt Tyler Clementi nicht: drei Tage später springt der junge Mann von der New Yorker George-Washington-Brücke in den Tod.

Eine der engagiertesten und gleichzeitig bekanntesten Homosexuellen der Vereinigten Staaten, Talkshowmoderatorin Ellen de Generes, hat nun in einer Videobotschaft auf ihrer Website ihre Bestürzung über Clementis Suizid ausgedrückt. "Ich bin darüber sehr traurig", sagte de Generes. "Schon wieder ein Leben auf diese sinnlose Art und Weise zu verlieren, ist tragisch."

Denn Tyler Clementi war nicht der erste Jugendliche in den USA, der sich aufgrund mangelnder gesellschaftlicher Toleranz gegenüber seiner sexuellen Orientierung das Leben nahm.

Die Moderatorin erinnert in dem Video auch an drei weitere schwule Schüler und Studenten, die sich im selben Monat nach Anfeindungen wegen ihrer homosexuellen Neigungen umgebracht haben: In Kalifornien erhängte sich der 13-jährige Seth Walsh, nachdem er in der Schule gehänselt worden war. Asher Brown, ebenfalls 13 Jahre alt, schoss sich in Texas in den Kopf. Auch er war über einen längeren Zeitraum dem Mobbing seiner Mitschüler ausgesetzt gewesen. Der 15-jährige Billy Lucas aus dem Bundesstaat Indiana erhängte sich, nachdem Schulkameraden ihn "fag" (englisch für "Schwuchtel") genannt hatten.

"Das muss für uns alle ein Weckruf sein", fordert de Generes in ihrem Video. "Mobbing unter Teenagern ist zu einer Epidemie in diesem Land geworden. Wir haben die Pflicht, etwas dagegen zu unternehmen!"

Auch der offen homosexuell lebende Schauspieler Neil Patrick Harris ("How I met your mother") äußerte sich auf dem Musiksender MTV zu den Vorfällen und sprach schwulen Jugendlichen Mut zu: "In der Schule mag es hauptsächlich darum gehen, dazuzugehören. Doch je älter man wird, desto mehr stellt man fest, dass Menschen eigentlich das Individuelle schätzen." Auch forderte er die Teenager dazu auf, stolz auf sich zu sein, anstatt sich selbst zu schaden.

Laut einem Bericht der Online-Ausgabe der New York Times gab es in New York in der jüngsten Vergangenheit ebenfalls gewalttätige Übergriffe auf Schwule. So wurde der 34-jährige Homosexuelle Ben Carver Anfang Oktober von zwei jungen Männern aus Hass gegen Schwule zusammengeschlagen.

Besonders besorgniserregend an dem Vorfall ist, dass sich die Tat auf der Toilette des weltberühmtem Schwulen-Clubs "Stonewall" ereignete - dem Ort, der wie kein anderer für den Beginn der amerikanischen Schwulenbewegung steht. 1969 hatten sich hier die Homosexuellen im so genannten "Stonewall"-Aufstand gegen brutale Razzien der New Yorker Polizei gewehrt; ein Ereignis, an das noch heute überall auf der Welt mit dem "Christopher Street Day" erinnert wird.