Oscars Lady Gaga singt über sexuelle Gewalt

Lady Gaga performt "Til it happens to you" bei der Oscar-Verleihung.

(Foto: dpa)

Sie widmet ihren Auftritt bei den Oscars der Popsängerin Kesha. Dutzende Betroffene begleiten sie auf die Bühne, das Publikum hat Tränen in den Augen.

Von Barbara Vorsamer

Lady Gaga sitzt alleine an einem riesigen weißen Flügel und performt ihre Hymne für all diejenigen, die sexuellen Missbrauch erlebt haben: "Til it happens to you" ("Bis es dir passiert"). Dem Publikum schießen die Tränen in die Augen.

Zum Ende des Songs treten Dutzende "Überlebende" zu der Sängerin auf die Bühne und fassen sich an den Händen. So nennen sich von Missbrauch Betroffene oft selbst, weil sie nicht auf den Opferstatus reduziert werden wollen. Auch Lady Gaga sagt von sich, sexuelle Gewalt erlebt zu haben. Mit 19 sei sie von einem Plattenproduzenten vergewaltigt worden. "Es war etwas in meinem Leben, was mich bisher definiert hat."

Gerade findet eine Debatte über Rape Culture statt

Das Thema sexuelle Gewalt bleibt aktuell. Schlagzeilen macht derzeit die Auseinandersetzung zwischen Sängerin Kesha und Lukasz Gottwald. Kesha wirft ihrem Produzenten vor, sie ein Jahrzehnt lang psychisch terrorisiert und sexuell genötigt zu haben. Gottwald bestreitet das und wirft der Sängerin Rufschädigung vor.

Fall Kesha: Wer glaubt wem?

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Lady Gaga gehört zu den stärksten Unterstützerinnen von Kollegin Kesha und hat ihr den Auftritt bei den Oscars gewidmet. Auch andere prominente Frauen wie Taylor Swift, Adele und Lena Dunham stellten sich auf die Seite des mutmaßlichen Opfers. Das zeigt, wie sehr sich die Art, wie über sexuelle Gewalt diskutiert wird, gerade ändert: Früher wurde bei mutmaßlichen Fällen von sexueller Gewalt fast ausschließlich die Glaubwürdigkeit des Opfers diskutiert und oft in Zweifel gezogen. Heute ist es möglich, sich öffentlich beizustehen. Rape Culture nennen Aktivistinnen die Tendenz, die Verantwortung für sexuelle Übergriffe bei den mutmaßlichen Opfern zu suchen und ihnen zunächst nicht zu glauben.

Auch die Politik hat das Thema auf der Agenda. Angekündigt wurde Lady Gaga von Vizepräsident Joe Biden, der in seiner kurzen Ansprache für die Kampagne "It's On Us" warb. Damit will die US-Regierung auf sexuelle Gewalt aufmerksam machen. Das für einen Oscar nominierte Lied stammt aus dem Soundtrack des Dokumentarfilms "Hunting Ground", in dem es um Vergewaltigungen an amerikanischen Universitäten geht. Der Film greift damit eine Debatte auf, die in den USA seit längerem schwelt.

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"Til it happens to you" ist eine Hymne für Überlebende

Hitproduzentin Diane Warren hat den Song zusammen mit Lady Gaga geschrieben. Warren sagt über das Werk: "Es ist etwas ganz besonderes, nicht nur irgendein Lied. Als ich die Geschichten der Mädchen hörte, wollte ich etwas richtig Großes schaffen." Das scheint gelungen zu sein. Der Huffington Post sagte Warren: "Es ist eine Hymne für das Überleben geworden."

Einen Oscar haben Lady Gaga und Diane Warren damit nicht gewonnen. Doch einen Soundtrack für eine Diskussion geschaffen, die jetzt endlich geführt wird.