Nachhaltigkeit und Weihnachten Wie Sie umweltfreundlich Weihnachten feiern

Ohne Geschenke und Christbaum kann sich unsere Autorin Weihnachten nicht vorstellen.

(Foto: picture alliance / dpa)

... und trotzdem Freude am Fest haben. Unsere Autorin bereitet sich auf eine ökologisch unbedenkliche Weihnachtszeit vor - mit Mietbaum und Minimalismus.

Von Barbara Vorsamer

Umweltfreundlich zu leben ist im Alltag schwer genug, an Weihnachten scheint es schier unmöglich. Schließlich gehören zum klassischen Weihnachtsfest Geschenkeberge, Lichterketten und mehrtägige Festessen mit viel Fleisch. Nachhaltig ist das alles nicht. Da im Öko-Wettbewerb grundsätzlich der gewinnt, der komplett verzichtet, müsste man daher das Fest eigentlich streichen. Aber ein Winter ohne Weihnachten? Für mich ist das keine Option.

Auch Weihnachten radikal auf gemütliches Beisammensein und Kirchgang zu reduzieren und sich nichts mehr zu schenken, kommt nicht in Frage - allein schon, weil die Kinder sich so aufs Christkind freuen. Für mich gehören Kranz, Baum und bunte Päckchen genauso zum Fest wie "O du Fröhliche". Weglassen mag ökologisch korrekt sein. Glücklich macht es nicht. Daher will ich dieses Jahr wissen, ob ich Weihnachten umweltfreundlich und trotzdem nach meinen Vorstellungen feiern kann.

Tipps für ein nachhaltiges Weihnachtsfest

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Weihnachtsbaum mit Ökosiegel

Los geht's mit Christbaum und Adventskranz. Die konventionelle Lösung wäre, in den Baumarkt zu fahren. Hier gibt es geschmückte Kränze schon ab 7,99 Euro und die Blautanne beginnt bei zehn Euro pro Meter.

Umweltorganisationen raten davon ab. Die Bäume, die im Dezember allerorten verkauft werden, stammen größtenteils aus Plantagen, in denen kräftig gespritzt und gedüngt wird, was die Natur stark belastet. Diese Gifte dünsten sie dann im beheizten Wohnzimmer aus, bevor sie zwei Wochen später auf dem Müll landen. Nur scheinbar eine Alternative sind Tannen im Topf. "Die Wurzeln wurden meistens einfach abgeschnitten. Billige Topfbäume sind im Januar oft genauso tot wie die geschlagenen" sagt Rudolf Fenner, Waldexperte der Umweltorganisation Robin Wood.

Anders ist das bei Mietbäumen, die für diesen Zweck im Topf gezogen und nach ihrem Auftritt als Wohnzimmerdekoration wieder eingepflanzt werden. Doch damit sie dann tatsächlich weiterleben, muss ein großer Aufwand betrieben werden. Das merkt man am Preis: Ein Mietbaum kostet zwischen 65 und 100 Euro und ist nur in wenigen Gegenden Deutschlands überhaupt erhältlich.

Die nächstbeste Alternative ist, entweder beim regionalen Förster nach einem Baum aus dem Wald zu fragen oder beim Kauf von Plantagenbäumen auf Öko-Siegel zu achten. So schützt man sich zumindest vor Giften. Eine Liste zertifizierter Händler hat Robin Wood hier und der Bund Naturschutz hier zusammengestellt. Eine billige Lösung ist auch das nicht: Kleine Bäume gibt es ab 49 Euro, für die stolze Zweieinhalb-Meter-Nordmanntanne sind 69 Euro fällig (Preisbeispiel vom Hofgut Letten).

Mehrweg geht auch beim Adventskranz

Wer nicht alle Jahre wieder so viel bezahlen will, kann auch zum Mehrweg-Christbaum greifen und jedes Jahr dasselbe Holzgestell weihnachtlich behängen. Eine Lösung, die sich auch für den Adventskranz anbietet. Die Wochen bis zum Christkind lassen sich schließlich auch mit Hilfe eines wiederverwendbaren Kerzenständers zählen. Dann muss man nur noch bei den Kerzen auf Ökosiegel und regionale Herkunft achten.

Noch radikaler und minimalistischer ist der Adventskranz von Bloggerin Nicole Stroschein, die einfach vier Kerzen mit etwas Moos und Deko in eine Springform legt und der mit Geschenkpapier oder Masking-Tape an die Wand geklebte Weihnachtsbaum. Aber das muss man natürlich mögen.

Wunschzettel gegen die Geschenke-Flut

Den größten ökologischen Fußabdruck hinterlassen an Weihnachten aber nicht Baum und Kranz, sondern die Geschenke. Kiloweise überschüttet man sich gegenseitig mit Zeug, das manchmal nicht gebraucht wird und oft nicht gewollt ist. Für manche ist es ein Ausweg, gar nichts mehr zu schenken - für andere ist aber schon der Vorschlag zu verzichten ein Anschlag auf das Fest. Manche freuen sich über Gutscheine, Geld oder eine karitative Spende in ihrem Namen - andere halten das Übergeben von Briefumschlägen für einfalls- und gedankenlos.

Richtig zu schenken ist eben schwierig, auch weil jeder ganz unterschiedliche Ansprüche daran hat. Doch es gibt eine einfache Lösung: den Wunschzettel. Wenn auch Erwachsene sich mitteilen, was sie sich von wem wünschen, reduziert das Stress für den Schenkenden und Frust für den Beschenkten.

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Klar, manchmal fühlt sich dieses Wünschen wie eine Bestellung im Familien-Online-Shop an. "Liebe Oma, ich mag das Rosenöl aus der Pflegeserie XY. Liebe Tante, die Kinder brauchen neue Schlafanzüge. Liebe Mama, ich würde mich über ein paar neue Lederhandschuhe freuen." Besonders überraschend ist es nach solchen E-Mails nicht mehr, was dann unter dem Baum liegt. Aber es gibt eben auch weniger Fehlschläge, für die Geld, Zeit und ökologische Ressourcen verschwendet wurden. Wem es wichtig ist, an Heiligabend überrascht zu werden, der muss eben einen besonders langen Wunschzettel schreiben, aus dem die Verwandten und Freunde dann auswählen können.

Ich persönlich freue mich darüber, ganz konkrete Wünsche erfüllt zu bekommen. Schließlich muss trotzdem jemand in einen Laden gehen, etwas aussuchen, bezahlen, verpacken - und das alles für mich! Die Freude über diese Liebesmüh' gehört für mich zu einem schönen Weihnachtsfest dazu.