Hilary Swank & Ramsan Kadyrow Unwissenheit schützt vor Schande nicht

Sie habe nicht um die Hintergründe der Geburtstagsparty - und des Gastgebers - gewusst, hat US-Schauspielerin Hilary Swank ihr Ständchen für den tschetschenischen Präsidenten Ramsan Kadyrow entschuldigt. Doch das seifige Sorry der Oscar-Gewinnerin kommt zu spät - und ist ihrer unwürdig.

Es gibt zumindest zwei Sorten von Schauspielerinnen. Da sind zum einen die Jennifer Aninstons, Cameron Diazes und Kate Hudsons: Nett anzuschauen, auf Romantik-Komödien und andere Blockbuster gebucht - und irgendwie traut man ihnen nicht unbedingt mehr Tiefgang zu als ihren Filmen.

Hilary Swank hat sich mittlerweile für ihren Auftritt bei der Geburtstagsparty des umstrittenen tschetschenischen Staatschefs Ramsan Kadyrow entschuldigt: Sie habe nicht um die Hintergründe der Feierlichkeit - und des Gastgebers - gewusst.

(Foto: dpa)

Und dann gibt es solche wie Hilary Swank: Vermeintlich uneitel (Swank erspielte sich ihren ersten Oscar als Transsexuelle mit Topfhaarschnitt), sind sie auf Charakterdarstellungen gebucht. Und irgendwie würde man ihnen gerne zutrauen, dass sie sich auch im wahren Leben so angenehm von der heilen, aber oftmals so hohlen Hollywood-Weltsicht abheben wie auf der Leinwand.

Zahl, statt Kopf

Umso größer ist dann die Enttäuschung, wenn eben jemand wie Hilary Swank nicht Kopf, sondern Zahl wählt: Gegen eine mutmaßlich nicht allzu geringe Gage trat sie in der vergangenen Woche bei der Geburtstagsparty des tschetschenischen Präsidenten auf. Shakira hatte zwar kurzfristig abgesagt, aber die 37-Jährige ließ sich nicht lumpen - und sang Ramsan Kadyrow in schönster Monroe-Manier ein "Happy Birthday, Mr. President".

Dabei hätte Swank Shakiras Fernbleiben eine Warnung sein sollen. Denn Ramsan Kadyrow ist kein John F. Kennedy. Das fängt bei den Äußerlichkeiten an: Der nunmehr 35-Jährige trägt auch bei offiziellen Anlässen - wie Treffen mit seinem früheren (und zukünftigen?), russischen Amtskollegen Wladimir Putin - gerne mal Trainingsanzug. Und das hört beim Politikstil auf: Menschenrechtsorganisationen werfen Kadyrow und seinen berüchtigten Milizen im tschetschenisch-russischen Konflikt Verwicklungen in Folter, Mord und Entführungen vor.

Davon will Swank aber erst nach dem Abend im neu eröffneten Einkaufszentrum "Grosny City" erfahren haben, das die Kulisse bildete für die präsidiale Geburtstagssause. Kleinlaut bedauerte sie ihren Auftritt jetzt in einem TV-Interview: "Wenn ich volle Einsicht gehabt hätte, worum es bei dieser Veranstaltung offenbar ging, wäre ich nie hingegangen", sagte sie US-Nachrichtensender CNN.

Ihre gefährliche, weil öffentlichkeitswirksame Unterstützung für einen zumindest höchst umstrittenen Politiker kann die Schauspielerin mit dieser Entschuldigung freilich nicht ungeschehen machen. Auf der Gala hatte Swank noch erklärt, sie sei von der Leidenschaft der tschetschenischen Regierung, "Frieden zu stiften und etwas Wunderbares zu schaffen", tief beeindruckt. Sie hoffe, "hier einmal eine Filmpremiere feiern zu können."

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch hatte Swank - und andere Stars - nach der umstrittenen Feier scharf aufgefordert, Personen wie Kadyrow "nicht zu legitimieren." Neben der 37-Jährigen hatten auch die Schauspieler Kevin Costner und Jean-Claude Van Damme sowie die Musiker Vanessa Mae und Seal die Party mit ihrer Anwesenheit veredelt.

Dass im Nachhinein vor allem Swank in der Kritik steht, mag unfair erscheinen: Schließlich hat sie denselben Fehler begangen wie die anderen Prominenten. Doch wer Charakterköpfe darstellt, dem werden auch eher Charakter und Köpfchen zugesprochen.