Auch wenn viele Menschen Lust auf Pommes haben - sie zu essen gilt als Tabu. Nahrung soll schließlich gesund sein. Und so geht der Trend zu fettarmer Wurst und vegetarischem Steak.
Auf dem Schreibtisch liegt der Apfel neben dem Wasserglas. "Seht her, ich lebe gesund", sagt dieses Bild. Doch heimlich hat die Mitarbeiterin in der Abstellkammer eine Portion Pommes frites verputzt. Ihre Kollegen sollen das nicht mitbekommen - sie "versteckt" ihre Lust auf ungesundes Essen aus Angst vor dummen Fragen.
Die Lust auf fettiges Essen wird versteckt, schließlich gehört es nicht zum gesellschaftlich legitimierten "Cool Food". (© Foto: AP)
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Dies ist nur ein Beispiel von vielen, die das Marktforschungsinstitut Rheingold für eine Studie zusammengetragen hat, die auf der Nahrungsmittelmesse "Anuga" in Köln vorgestellt wurde. Die Forscher kommen darin zu dem Schluss, dass sich in den vergangenen Jahren neue Ängste, Normen und Tabus rund um das Thema Ernährung gebildet haben.
Die Experten stellen dabei eine tiefgreifende Spaltung fest: Auf der einen Seite steht die "Cool Food" genannte Nahrung, die gesellschaftlich legitimiert sei und immer mehr öffentliche Bedeutung bekomme. Auf der anderen Seite seien dagegen viele Formen des lustvollen Essens - das "Taboo Food" - nicht mehr salonfähig. Sie würden in den Bereich des Privaten und Intimen abgeschoben.
Unter Druck geraten vor allem Produkte, die allgemein als ungesund gelten: Süßigkeiten, sehr fetthaltige Wurst, fetter Käse, Fast Food oder Limonaden zum Beispiel. Sie können entweder nur noch mit einem schlechten Gewissen konsumiert werden - oder aber sie geben sich als neuartige Lebensmittel einen gesünderen, coolen Anstrich. Denn durch die Tabus entstehen Rheingold zufolge neue, unbewusste Sehnsüchte: "Gesucht sind etwa Möglichkeiten, eigentlich illegitime lustvolle Aspekte doch irgendwie in die coole 'gute' Ernährung zu integrieren." Das haben sich die Lebensmittelhersteller längst zu eigen gemacht.
Viele der auf der Anuga gezeigten Produkte weisen ausdrücklich auf einen positiven gesundheitlichen Nutzen hin oder werben mit Schlagworten wie fettarm, cholesterinfrei oder zuckerarm. So bezeichnet ein belgischer Hersteller seine vegetarischen Steaks und Burger als "Fit Food", das reich an gesunden Omega-3-Fettsäuren sei.
Wurst mit weniger als drei Prozent Fett
Auch Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Verfahrenstechnik und Verpackung in Freising mischen in diesem Bereich mit: Zusammen mit einem Metzger haben sie eine kalorienarme Wurst entwickelt, die bei einer großen Supermarktkette schon in den Kühlregalen liegt. Sie hat einen Fettgehalt von weniger als 3 Prozent, bei normaler Wurst liegt dieser bei 20 bis 25 Prozent. Der Gesamtkaloriengehalt habe "ohne Einbußen an Geschmack und Konsistenz" um 60 bis 80 Prozent gesenkt werden können.
Etwas teurer als herkömmliche Ware ist die in mehreren Sorten erhältliche Wurst allerdings, denn verwendet werden ausschließlich mageres Fleisch und keine Schwarten. Das Ergebnis ist dem Original in Sachen Optik und Geschmack aber täuschend ähnlich. Selbst die Fettknübbelchen in der Salami sehen echt aus, sind aber aus Reis hergestellt.
Die Rheingold-Studie gibt diesen Ansätzen recht: Demnach werden "korrekte" Nahrungsmittel oft gerade besonders attraktiv, wenn sie insgeheim auch tabuisierte Aspekte ansprechen - und nichts anderes machten die gesunde Wurst oder das vegetarische Steak. "Die Auswahl 'korrekter' Substanzen beim Essen wird wichtiger als korrekte Manieren: Wichtig ist vor allem, was man isst - nicht, wie man isst", fassen die Marktforscher diese Erkenntnis zusammen.
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(dpa/sueddeutsche.de/aro/bre)
Endgültiger DFB-Kader für EM
SoSo, die Wissenschaftler basteln eine Salami, bei der die Fettkügelchen aus Reis bestehen...
Und erzählen mir, dass das ganze dem Original "täuschend ähnlich sei" in Geschmack und Aussehen...
meine Herren, sie sollten sich mal ihre verkrusteten Geschmacksknospen freikratzen lassen. dann werden Sie solchen Blödsinn in Zukunft nicht mehr behaupten!
Und anstatt mir alle 3 Monate was anderes als "total ungesund" zu präsentieren, lesen Sie mal ein Geschichtsbuch. Da gab's nämlich vor vielen Jahrhunderten einen Herrn namens Paracelsus, der hat die ganze Wahrheit in einen einzigen, simplen Satz gepackt:
"Alles ist Gift, nichts ist Gift. Allein die Dosis macht das Gift!"
Ich fühl' mich Pudelwohl mit dem maßvollen Genuss von fettem Käse, zuckerhaltiger Marmelade, Brot aus weißem Mehl, gut durchwachsenem Fleisch in reichlich Öl gebraten etc. Frisches Obst und Gemüse esse ich übrigens weil's mir schmeckt, und nicht weil mir jemand erzähl das es gesund ist ;-)
Mahlzeit, meine Herren Wissenschaftler, lasst euch euer Tofusteak und die Reis-Salami schmecken..
Klarer Fall für Bunuel - auch ohne Tilde, Film ab: Die diskrete Scham der Bourgeoisie. Aber das ist uns total egal, denn die SZ garantiert eine wahrhaft ausgewogene Ernährung: Montags gibt's die Schreckensnachricht über todbringende Fette. Und wer über seinen Schimanski-Tellerand blicken kann, isst dann Tofu-Brühe mit Stäbchen. Dienstags kommt die Retourkutsche. Pizza mit Schweinshaxe macht Spaß. Mittwoch knicken wir wieder ein und gönnen uns nur den Fenchelsalat mit Ölfreidressing. Kein Problem, Donnerstag kommt's wieder dicke: Je mehr Pommes, desto leckerer das Backhuhn. Iss, was du willst. Freitag geht alles wieder den mageren Bach hinunter: Holunderbeeren in Weißweinessig sind angesagt. Übers Wochenende achtet man zum Glück auf eine bessere Moderation der Leserkommentare und enthält sich der Nahrungsaufnahme. Summa summarum: 1200kcal/Tag. So schön kann Zeitung sein!
weil diese kolleg(inn)en aufgrund ihrer ess-, sport- und weltverbesserungspläne nur max. vier stunden schlaf bekommen. wenig schlaf führt zu einem schlechten immunsystem :-D
... kommt irgendeine an den Haaren herbeigezogene Agenturmeldung und wird zum aufnmacher bei "Fitness und Gesundheit". Ein schönes Ritual.
@Plastikfinken: Sie sprechen mir aus der Seele!
Ich trinke einen gefühlten Hektoliter Kaffee am Tag, stehe zu meiner Burger King - Addiktion und liebe es, eine gute Pizza mit doppelt Käse und Fleisch zu verputzen. Außerdem betreibe ich wenig Sport.
Einzig rauchen und trinken versage ich mir.
Zuletzt krank 1993. :-)
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