Expertentipps zur Erziehung Wieso Musik für Kinder wichtig ist

Hauptsache Spaß dabei, die Melodie muss nicht perfekt sein.

(Foto: carölchen / photocase.com)

Musik hilft Kindern beim Lernen, so das Ergebnis zahlreicher Studien. Wann und wie Eltern ihren Kindern Musik nahebringen sollten, weshalb sie dafür keine Opernsänger sein müssen und wie Lieder Erziehungskonflikte entspannen, erklärt Musikwissenschaftler Gunter Kreutz.

Von Katja Schnitzler

Die Krabbelgruppe wird mit einem Willkommenslied eröffnet, später lernen kleine Kinder erste Lieder auf Xylophon und Triangel, bevor sie sich zwischen Blockflöte, Klavier, Gitarre oder Geige entscheiden. Doch was bringt musikalische Früherziehung und warum lernen Babys sprechen, wenn die Eltern ihnen vorsingen? Professor Gunter Kreutz über den Wert des gemeinsamen Musizierens in der Familie - von Anfang an.

SZ.de: Müssen Eltern selbst musikalisch sein, um bei ihren Kindern die Liebe zur Musik zu wecken?

Gunter Kreutz: Ob seine Eltern singen können oder Rhythmusgefühl haben, hat keinen so großen Einfluss darauf, wie sich ein Kind musikalisch entwickelt - und ein bisschen Musikalität steckt ja in uns allen. Es ist nur die Frage, was man daraus macht.

Also Hauptsache, Mutter oder Vater singen, auch wenn es schief klingt und der Musiklehrer einst absolute Unfähigkeit bescheinigte?

Auf jeden Fall! Es gibt leider viele Gesangs-Traumatisierte, etwa 20 Prozent der Erwachsenen wurde schon mal gesagt, dass sie nicht singen könnten - und manche glauben das tatsächlich. Dabei ist das meist nur mangelnde Übung, und das kann man gemeinsam mit dem Kind nachholen. Egal, ob sie jeden Ton treffen oder nicht: Eltern haben es in der Hand, wie sich ihr Kind musikalisch entwickelt.

Reicht es nicht, den Kleinen CDs mit Kinderliedern vorzuspielen?

Das ist schön als Ergänzung, allerdings sollte man diese auch gemeinsam anhören und mitsingen. Letztlich ersetzen CDs die Intimität zwischen Kindern und Erwachsenen nicht, die gemeinsames Musizieren schafft: Beim Sprechen müssen wir uns abwechseln, aber wir singen gemeinsam.

Wie profitieren Kinder konkret davon?

Das hängt natürlich vom Alter ab. Grundschüler, die in kleinen Gruppen Instrumente spielen, haben ein besseres Wortgedächtnis und tun sich somit beim Übertritt an weiterführende Schulen leichter. Aber schon Säuglinge lassen sich von Musik beruhigen oder auch aktivieren. Lieder sind eine langsamere Form der Sprache. Babys lauschen der Melodie und werden so dazu animiert, die eigene Stimme zu benutzen, ihre Sprachentwicklung wird gefördert. Außerdem ist Singen eine Art Lachen in Zeitlupe, da werden Kinder immer zum Mitmachen angeregt. Das können Eltern übrigens für sich im Alltag nutzen.

Inwiefern?

Mit Gesang lassen sich Kinder an Rituale gewöhnen und Konfliktsituationen entschärfen. Zum Beispiel beim Zähneputzen: Das finden die Kleinen am Anfang spannend, aber dann wird es lästig. Wer da "Alle meine Entchen" abwandelt zu "Alle meine Zähnchen, werden jetzt geputzt", macht aus der Pflicht einen kleinen Spaß und belohnt das Kind noch mit besonderer Zuwendung. Und ein tägliches Gute-Nacht-Lied hilft nicht nur beim Einschlafen, die Kinder schlafen auch tiefer. Da kommt es weder auf perfekten Stimmklang noch auf die korrekten Töne an, wie uns das die unsäglichen Casting-Shows im Fernsehen suggerieren - weder bei den Eltern noch bei den Kindern.

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