Wer englische Wörter bekämpft, bringt auch Juden um? Was sprachlicher Purismus mit Rassismus zu tun hat und warum Wörter wie Straßenköter sind.
Sprachpurismus gilt seit Goethes und Schillers Xenion gegen den Puristen als lächerlich: "Sinnreich bist du, die Sprache von fremden Wörtern zu säubern, / Nun so sage doch, Freund, wie man Pedant uns verdeutscht." Heutzutage gilt Purismus überdies als politisch verwerflich, sozusagen als Abart des Rassismus: Nach politisch korrekter Meinung korrespondiert im Denken der Puristen die Reinheit der Sprache mit der Reinheit des Blutes. Oder: Wer englische Wörter bekämpft, bringt auch Juden um.
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In der Sprache erkennen wir die Mechanismen, die auch bei der Produktion des Straßenköters wirken: schmusen und angeben. Was dann als Summe herauskommt, ist oft ein ziemliches Gemisch. (© Foto: oH)
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Ein geschätzter Kollege behauptete kürzlich in einem ansonsten schönen Buch über Sprache und Politik, dass Sprachreinigungsgesetze immer im Tandem mit Aktivitäten für rassische Reinigungen aufgetreten seien. Immer?! In der Tat hatte sich der puristische Allgemeine Deutsche Sprachverein dem Nationalsozialismus angebiedert (Hitler selbst hat allerdings dem sprachlichen Purismus ein Ende bereitet, dem rassistischen bekanntlich nicht). Ich sehe aber nicht, dass zum Beispiel die Gründung der Académie française, die ausdrücklich der Reinigung der französischen Sprache dienen sollte, von rassistischen Gesetzen begleitet gewesen wäre.
Ein Kollege hat neulich schaudernd bei mir "Purismus" vermutet, weil ich mich für das Deutsche als Wissenschaftssprache eingesetzt hatte. Erstens hat das nichts mit Purismus zu tun, zweitens bin ich gar kein Purist, dazu liebe ich die "Wörter aus der Fremde" (Adorno) viel zu sehr. Außerdem weiß ich als Sprachwissenschaftler, dass Sprachen nicht "rein" sind und woher die Wörter kommen. Sprachen sind Straßenköter, Mischungen, Kreuzungen, Resultate der Begegnung des Schönsten mit dem Hässlichsten, des Höchsten mit dem Niedrigsten, des Nächsten mit dem Fernsten.
Denn wie die Aktion, die zur Produktion des Straßenköters führt, ist auch Sprechen ein nicht zu unterdrückender Trieb, bei dem alles eingesetzt wird, was zum Erfolg führt. Wenn ich kein eigenes Wort für etwas habe, mache ich mir eines oder borge mir eines aus. Weil ich klug, stark, jung, elegant und weltläufig erscheinen möchte, leihe ich mir eines aus der klugen, starken, jungen, eleganten großen weiten Welt. Weil ich so cool sein möchte wie ein amerikanischer Ghetto-Bub, spreche ich wie dieser, borge mir sozusagen Wörter "von unten". Weil ich so gelehrt erscheinen möchte wie Adorno, verwende ich Wörter wie "perhorreszieren" oder "Rancune" und setze das Reflexivpronomen so weit wie möglich ans Ende des Satzes.
Wir erkennen die Mechanismen, die auch bei der Produktion des Straßenköters wirken: schmusen und angeben. Was dann als Summe herauskommt, als "Sprache", ist in der Tat oft ein ziemliches Gemisch.
Hebt das Niveau!
Gegen dieses Straßenköterartige der Sprachen haben nun seit Jahrhunderten immer wieder Menschen sich (Adorno!) gewehrt. "Wörter aus der Fremde" waren aber dabei nicht die vorrangigen Gegenstände solcher Abwehr. Und es sind auch keine lächerlichen oder verwerflichen Motive, die solchen Aktivitäten zugrundeliegen. Zumeist liegt nämlich der Abwehr des Straßenköterhaften der Wunsch zugrunde, die Sprache auf ein hohes kulturelles Niveau zu heben, das man gerade andernorts erreicht sieht.
Im Frankreich des 16. Jahrhunderts war es der Wunsch, mit dem Lateinischen oder mit dem Italienischen mithalten zu können, der die Sorge um die Sprache (die es fürs Lateinische natürlich schon längst gab: cura linguae) in Gang setzte. Weil er das Französische genauso vornehm wie die klassischen Sprachen haben wollte, hat zum Beispiel der erste "Sprachpfleger" Frankreichs, der Drucker Geoffroy Tory, 1529 gegen "niedrige" Wörter, gegen snobistischen Schwulst und gegen zu viele lateinische Wörter polemisiert.
Das Lateinische wird hier aber nicht als "Fremdes" abgelehnt, sondern als etwas gelehrt Dünkelhaftes, Latein war keine "fremde" Sprache im Frankreich jener Zeit. Erst Henri Estienne hat fünfzig Jahre später gegen zu viele fremde Wörter, nämlich gegen Italianismen gewettert. Aber auch hier war die Polemik mehr vom religiösen Zorn des Protestanten gegen die Katholiken und über die von ihrer italienischen Königin angezettelte Bartholomäusnacht motiviert als von Xenophobie oder gar von Rassismus.
Lesen Sie weiter auf Seite 2, wie Frauen die gesprochene Sprache verändert haben.
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DFB-Torhüter ter Stegen
Es ist normal, dass sich in einer multikulturellen Gesellschaft auch die Sprachen vermischen.
Es ist trotzdem jedes Mal ein Brüller, wenn sich meine Landsleute(Griechen/Türken) in einer Mischsprache unterhalten. 'Blabla Butter blabla kaputt blala um die Ecke blabla vertehst blabla...'
Peinlich wird es erst, wenn man merkt, dass die Leute in der Heimat nicht über einen deutschen Wortschatz verfügen. Dann wird man sehr schnell zum 'Dummdeutschen' (gr.Lasojermanosr=In Deutschland lebender Grieche) abgestempelt.
Genau so empfinde Ich Leute die nur noch mit Fremdwörtern um sich schmeissen ... ;o))
Das ist der psychologische Aspekt.
Triebfeder der Amerikanisierung unserer Sprache und unseres ganzen Lebens (!) ist nicht "Kreativität" (auch das ist ein ursprünglich lateinisches Wort, das aber erst über das amerikanische "creativity" ins Deutsche gekommen ist), sondern es sind Minderwertigkeitsgefühle.
Warum wird denn die deutsche Sprache nicht im gleichen Maße wie durch amerikanische Begriffe auch durch ungarische, türkische, chinesische, schwedische usw. Begriffe "kreativ bereichert"?
Und gibt es nicht viele Millionen Deutsche, die eine panische (und geschürte) Angst vor Überfremdung haben?
Nur eben nicht vor der Überfremdung durch die US-Amerikaner. Wieso?
Der Grund ist ganz einfach - und sehr peinlich:
Deutsche (und andere) benutzen dauernd Amerikanismen, weil sie sich dadurch aufwerten wollen. Weil sie tiefsitzende Minderwertigkeitsgefühle haben und deswegen dauernd angeben wollen. Und weil sie glauben, mit der deutschen Sprache nicht genug angeben zu können.
Sie versuchen, sich "Größe" auszuleihen von den "groß-artigen" US-Amerikanern, und merken nicht, wie lächerlich sie sich dadurch machen.
Und sie merken auch nicht, dass die US-Amerikaner eben nur "groß-artig" sind und überhaupt nicht "groß", diese sind die Weltmeister im Angeben, und sonst nichts!
Alles in der Muttersprache ausdrücken zu können, bekundet höchste Geistes- und Seelenbildung.
Noch Fragen, Trabi?
" sookrates: Ein wichtiger Aspekt wird bei diesem Thema immer unterschlagen!
Das ist der psychologische Aspekt. "
Kappes.
Engisch hat eine große Sprachverwandtschaft zu deutsch. Im Gegensatz zu chinesisch oder Türkisch.
Es ergibt sich einfach häufiger, dass man englische Begriffe verwendet, weil uns die USA auch kulturell näher sind als China.
Ausserdem ist Englishc seiner Einfachheit wegen auch weiter verbreitet.
Viele der Lebensstile, die wir hier haben, haben einen amerikanischen Ursprung. Musikrichtungen, Friedensbewegung, Hippy, Punk, Pop, Hardcore, was auch immer, die USA und England waren dran beteiligt.
Dort, wo Asien wegweisend war, Tai Chi, Medizin und Philosophie haben wir dann auch Begriffe übernommen.
Türkisch wird nie ne Chance bekommen, weil es sich einfach fürchterlich anhört. Und mir reicht das Getthokidsdeutsch mit türkischem Akzent (ich würde den richtigen Namen sagen, weiß aber, dass der Begriff hier aus Unwissenheit der Moderatoren sofort gelöscht wird) schon vollkommen aus.
Das hat nichts mit Minderwertigkeitskomplexen zu tun.
Dadurch, dass die USA in den letzten Jahrzehnten führend waren in den Wissenschaften und viele Referenzzeitschriften in Englisch publiziert wurden, verstärkte sich das noch.
Aus Spielen oder Tätigkeiten amerikanischen Ursprungs kennt man es ja auch.
Pokern oder Basketball sind nunmal Dinge, die Unmengen an englischen Begriffen haben, genauso, wie Skat deutsche hat. Es sind halt Fachbegriffe und müssen nicht übersetzt werden.
Ich finde es okay, dass sich Sprachen generell mischen, solange sie reich bleiben.
Wenn hier irgendwelche BWLer vollkommen überkanditelt für fast alles Anglizismen verwenden, oder, weil sie denken, es würde sich vornehm anhören, alles Francophil betonen, kann ich es nicht mehr ernstnehmen, genau so wenig wie das Ghettokid mit K.deutsch.
... dann behalten Sie es doch bitte für sich ;-)
Um es mal grob verkürzt vom Kopf auf die Füße zu stellen: Bis 1066 wurden auf der Insel diverse westgermanischstämmige Altenglisch-Versionen gesprochen und geschrieben. Die "Romanisierung" der englsichen Sprache ist das Resultat der normannischen (frankophonen) Eroberung, indem sich das Idiom der neuen Herrscherklasse (Französisch) mit dem der Beherrschten (germansisches Altenglisch) vermischte.
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