Umstrittenes Experiment beendet "Ich lasse doch keine Ratte abknallen"

Ein Herz für Tiere: Fast 6000 Menschen haben eine Online-Petition gegen den Tod der Ratte unterschrieben (Symbolbild).

(Foto: DPA)
  • Künstler Florian Mehnert hat sein umstrittenes Experiment vorzeitig beendet. Er hatte angekündigt, dass jeder Zuschauer mit einem Mausklick eine echte Ratte erschießen könne.
  • Nach seinen jetzigen Angaben war niemals geplant, dass die Ratte wirklich stirbt. Die provokante Aktion sollte auf zielgerichtete Tötungen durch Kampfdrohnen aufmerksam machen.
  • Das Experiment hatte Empörung ausgelöst: Mehnert habe Hunderte wütende Mails und auch Morddrohungen erhalten, berichtet er.
Von Simon Hurtz

Operation gelungen, Patient lebt: Florian Mehnert hat sein umstrittenes Kunstexperiment vorzeitig beendet. Er hatte die Live-Aufnahmen einer Laborratte per Webcam übertragen und angekündigt, am 24. März eine Waffe scharf zu stellen. Dann hätte jeder Zuschauer das Tier mit einem Mausklick erschießen können.

Jetzt hat Mehnert die Ratte dem Landratsamt Breisgau-Hochschwarzwald übergeben. "Game over" steht nun auf der Webseite, und darunter: "Das Kunstexperiment '11 Tage' hat erfolgreich sein Ziel erreicht und wurde am 17. März 2015 um 19:00 Uhr beendet. Die Ratte lebt und hat die Installation verlassen."

Ziel erreicht, für Mehnert heißt das: "Die Aktion hat heftige Diskussionen erzeugt. Ich wollte eine Kontroverse auslösen. Über die starke Emotionalisierung hat das perfekt funktioniert." Zu keinem Zeitpunkt habe er geplant, die Ratte wirklich zum Abschuss freizugeben, sagt Mehnert. "Ich lasse doch keine Ratte abknallen."

Provokation als Mittel zum Zweck

Das Kunstexperiment sollte für die allgegenwärtige Überwachung sensibilisieren und auf den Einsatz von Kampfdrohnen aufmerksam machen, mit denen zielgerichtet mutmaßliche Terroristen getötet werden. Der Zuschauer sollte in die Rolle eines Piloten versetzt werden, der seine Drohne fernsteuert, sein Opfer nur virtuell zu Gesicht bekommt und dann vom Computer aus eine Waffe abfeuert.

"Ich wollte, dass Empörung entsteht", sagt Mehnert. Wenn eine Kampfdrohne einen Afghanen erschieße, werde das in Deutschland kaum wahrgenommen. Das abstrakte Thema sei weit weg von der Lebensrealität der meisten Europäer. Er halte Provokation für ein legitimes Mittel, um ein solches Problem öffentlich anzuprangern und eine Debatte in Gang zu bringen.

Natürlich gebe es Leute, die ihm Selbstdarstellungssucht vorwerfen würden, sagt Mehnert. "Aber das ist Quatsch. Um meine Person geht es überhaupt nicht, sondern um die Sache an sich." Seine Form der Kunst brauche Öffentlichkeit, sonst funktioniere sie nicht.

Mehnert hatte die Aktion monatelang vorbereitet, der gesamte technische Aufbau war funktionsfähig. Das Einzige, das fehlte, war die Munition: "Hätte ich die Waffe geladen, hätte die Ratte tatsächlich erschossen werden können." Es sei zwar nur eine Paintball-Pistole gewesen, aber auf anderthalb Meter Entfernung hätte das gereicht, um ein so kleines Tier umzubringen. "Ratte und Waffe waren lediglich Symbole, um die Emotionen hochkochen zu lassen."

Der Aufbau war voll funktionsfähig. Mit einem Schuss aus der Paintball-Pistole hätte die Ratte theoretisch getötet werden können. Das Foto ist verpixelt, weil Meinert Diskussionen über den genauen Typ der Waffe vermeiden wollte.

(Foto: Florian Mehnert)