5. Spätestens mit der Finanzkrise des Jahres 2008 glaubte ich, dass unser Gemeinwesen so viel Selbsterhaltungstrieb besitzt, dass es sich wirkungsvoll schützt. Das war nicht nur ein Irrtum. Diese Hoffnung hat sich in ihr Gegenteil verkehrt.
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Das Geld, das man den einen gibt, fehlt den anderen. Und weil privatisiert und nicht sozialisiert wird, muss es immer noch oben gegen unten heißen, nicht Deutsche gegen Griechen. (© AFP)
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6. Durch den Zusammenbruch des Ostblocks gelangten einige Ideologien zu einer Hegemonie, die so unangefochten war, dass man sie schon als Selbstverständlichkeit empfand. Ein Beispiel wäre die Privatisierung. Privatisierung wurde als etwas uneingeschränkt Positives angesehen. Alles, was nicht privatisiert wurde, was im Besitz des Gemeinwesens blieb und keinem privaten Gewinnstreben unterworfen wurde, galt als ineffektiv und kundenunfreundlich. So entstand eine öffentliche Atmosphäre, die über kurz oder lang zur Selbstentmachtung des Gemeinwesens führen musste.
7. Eine weitere, zu enormer Blüte gelangte Ideologie ist jene des Wachstums: "Ohne Wachstum ist alles nichts", hatte die Kanzlerin schon vor Jahren dekretiert. Ohne über diese beiden Ideologien zu reden, kann man auch nicht über die Euro-Krise reden.
8. Die Sprache der Politiker, die uns vertreten sollten, ist gar nicht mehr in der Lage, die Wirklichkeit zu erfassen (Ähnliches habe ich bereits in der DDR erlebt). Es ist eine Sprache der Selbstgewissheit, die sich an keinem Gegenüber mehr überprüft und relativiert. Die Politik ist zu einem Vehikel verkommen, zu einem Blasebalg, um Wachstum anzufachen. Alles Heil wird vom Wachstum erwartet, alles Handeln wird diesem Ziel untergeordnet. Der Bürger wird auf den Verbraucher reduziert. Wachstum an sich bedeutet gar nichts. Das gesellschaftliche Ideal wäre der Playboy, der in möglichst kurzer Zeit möglichst viel verbraucht. Ein Krieg würde einen gewaltigen Wachstumsschub bewirken.
9. Die einfachen Fragen: "Wem nutzt das?", "Wer verdient daran?" sind unfein geworden. Sitzen wir nicht alle im selben Boot? Haben wir nicht alle dieselben Interessen? Wer daran zweifelt, ist ein Klassenkämpfer. Die soziale und ökonomische Polarisation der Gesellschaft fand statt unter lautstarken Beschwörungen, dass wir alle die gleichen Interessen hätten. Es genügt ein Gang durch Berlin. In den besseren Vierteln sind die wenigen unsanierten Häuser in aller Regel Schulen, Kindergärten, Altersheime, Ämter, Schwimmbäder oder Krankenhäuser. In den sogenannten Problembezirken fallen die unsanierten öffentlichen Gebäude weniger auf, dort erkennt man die Armut an den Zahnlücken. Heute heißt es demagogisch: Wir haben alle über unsere Verhältnisse gelebt, jeder ist doch gierig.
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Bundespräsident Gauck in Israel
Die Sprache ist unsere Wirklichkeit. Unsere Sprache ist unsere Wirklichkeit, ebenso wie jene Wirklichkeit, über die wir nicht sprechen, weil wir es nicht vermögen, sie in die Räume unserer Wirklichkeiten aufzunehmen.
Worüber man nicht sprechen könne, solle man schweigen. Dieser Satz kann nicht richtig sein. Es wäre dann ebenso richtig, zu verlangen, nie zu sprechen, es sei denn, man verfügte über die perfekte Sprache über ein perfekt zu verstehenden Umstand. Niemand hätte die Chance Sprache zu erlernen, sie sich zu erspielen, auch durch Scheitern.
Die Sprache, das Sprechen über den Kapitalismus ist ebenso monopolisiert wie der Kapitalismus selbst. Wir leben darin, als sei er unsere einzige Realität.
Genauso, wie es nur noch zwei große Banken in unserem Land gibt, führen auch nur noch der Kapitalismus und die Demokratie eine sprachlich wirksame Existenz. Der Sozialismus und die Religion sind uns bereits verloren gegangen.
Allerdings sind sie uns zurecht verloren gegangen. Ihre Sprache ist anmaßend gewesen wie die Sprache unseres Kapitalismus, der an seiner Einsamkeit versagt aber immer noch sehr viel verspricht.
Würde ich es wagen, einen Roman zu schreiben, kämen darin der Kapitalismus oder die Gesellschaft gar nicht vor. Sie wären nicht figurentauglich. Man müsste den griechischen Chor aufleben lassen, der immer gleichzeitig und mit nur einer Sprache spricht.
Eigentlich müsste ich mir eine noch konsequentere Individualisierung wünschen, eine Individualisierung die die Vergesellschaftung fürchtet, weil sie ihm die Sprache raubt und monopolisiert. Übrig bliebe nur noch die Meinung.
Die Sprache ist gierig und geizig, gierig nach Wirksamkeit und Selbstvergewisserung und geizig weil sie selten Geschenk ist und ungern scheitert. Das ist die Sprache der Politiker nicht nur, auch die Sprache des Menschen gegenüber dem sich selbst Fremden.
Die Sprache der Politiker ist unsere Sprache. Unsere Sprache ist die Sprache der Politiker. Das ist keine Feststellung, sondern eine Programmatik, eine Sprachfindungsprogrammatik, die neue Möglichkeiten erschafft, Geschenke unserer Sprache, Geschenke an unsere Politiker...
Lieber Autor. Man sollte nicht alle Gedanken öffentlich machen. Anbei meine Anmerkungen:
Zu 1.) Unbelegte Polemik.
Zu 2.) Das Vertrauen der Märkte gewinnen heist den Kreditgebern der Bundesrepublik glaubhaft zu machen, daß geliehenes Geld auch zurückgezahlt wird, obwohl es solche wie Dich gibt, die offensichtlich für Ihre Schulden nicht einstehen wollen. Würdest Du Dir Geld leihen?
Zu 3.) Das Grundrecht auf Eigentum, die Verpflichtung durch Eigentum und die freie Entfaltung der Persönlichkeit verwurzeln die soziale Marktwirtschaft in unsere Demokratie. Das ist besser als fünf-Jahresplan und Gulag.
Zu 4.) Der Kapitalismus braucht keine Demokratie, aber die Demokratie braucht die soziale Marktwirtschaft. Das einem russischen oder chinesischem Geldgeber die Demokratie in Griechenland vollkommen egal ist, kann man nicht ändern.
Zu 5.) Hoffen und Harren...
Zu 6.) Die Privatisierung der monopolistischen Deutschen Bundespost war eine Großtat. Die Deutsche Telekom und die zahlreichen Logistikunternehmen ermöglichen Deutschland erst im globalen Wettbewerb mitzuhalten.
Zu 7.) Da die globale Bevölkerungszahlen wachsen ist klar, daß ohne Wachstum die Menschen nicht zu versorgen sind.
Zu 8.) Unbelegte Polemik.
Zu 9.) Welches Boot haben wir denn noch? Wir leben von der Arbeit, mit der wir Rohstoffe zu Gebrauchsgütern veredeln, um diese der Welt zu liefern. Wenn Du schönere Häuser in Berlin haben willst dann mauer doch welche.
Zu 10.) Die Kassen sind nicht leer, sondern gut gefüllt. Und mit Reichensteuer und Kirchensteuer haben wir jetzt schon mehr als 42 Prozent Einkommensteuer. Und mehr als 50 Prozent Steuerbelastung insgesamt hat das BVG verboten!
Zu 11.) Wenn man mehr Investitionen möchte muß man die Afa erhöhen. Investitionen auzubremsen war ein Werk der SPD. Und die insolventen Banken waren politikergeführten Landesbanken, nicht die von Herrn Ackermann geführte Deutsche Bank.
Zu 12.) Beim Euro ist Deutschland Opfer, nicht Täter.
Zu 13.) Wir haben uns das Geld in der gesamten Welt gepumpt, und die Welt wird an unserem Wesen nicht genesen. Gott sei Dank!
@phaeno
die richtigstellung @gal99 war unbedingt nötig. Obwohl ich unbedingt dafür bin, dass jeder alles sagen darf, wird damit meine toleranzgrenze arg strapaziert.
Aber dann tröste ich mit Friedrich Holländer:
„Sei stets geduldig gegenüber Leuten, die nicht mit dir übereinstimmen. Sie haben ein Recht auf ihren Standpunkt - trotz ihrer lächerlichen Meinung.“
...des Kapitalismus nehmen Dimensionen an, die ein Eingreifen notwendig machen.
Es geht nicht an, dass ein paar reiche Asoziale der gesamten Menschheit auf der Nase herumtanzen, und versuchen, die Gesellschaft systematisch zu verblöden um dann ungestraft weiter auf dem Tisch tanzen!
Ich plädiere für restlose Enteignung aller Menschen, die mehr als 3000€ pro Monat auf dem Konto haben. Besitz wird am Lebensende abgegeben an die Allgemeinheit und wem das nicht passt, der soll auf dem Mond weiterleben - es sind ohnehin nicht viele Menschen, die dann ausgeflogen werden müssten und der Rest hat dann seine Ruhe vor den Verrückten, welche jedes Maß und Anstand verloren haben.
Da die Angesprochenen nun natürlich mit aller Gewalt dagegensprechen werden, kann ich nur dazu sagen: "Verrückte werden nie akzeptieren, dass Sie nicht ganz dicht sind, also rechts rein, links raus" und nicht aus der Ruhe bringen lassen.
Eigene Logik hilft weiter, wer der Bekloppte in diesem dummdreisten Spiel ist, nicht die arme Sau, sondern der reiche Pinkel!
Ihr Beitrag ist ein Paradebeispiel dafür, dass Unsinn auch in noch so schöner Struktur Unsinn bleibt:
zu 1.) Wenn die Unternehmen sich Löhne, Investitionen und Verluste vom Gemeinwesen bezahlen lassen und dabei die Schwere zwischen arm und Reich immer weiter aufgeht, ist das sehr wohl ein Angriff auf die Demokratie.
zu 2.) Wenn Staaten um das Vertrauen der Märkte ringen müssen, statt die Märkte, die diese Staaten soeben schwer geschädigt haben, dann vertreten die Vertreter der Staaten nicht mehr die Interessen der Bevölkerung (P.S.: Das Beispiel mit dem geliehenen Geld ist falsch, da Banken selbst bei einem 50-prozentigen Haircut noch einen Gewinn einstreichen würden, vgl. Standard).
3. Das Grundrecht auf Eigentum ist immer verbunden mit der Verpflichtung, die Eigentum mit sich bringt. Dieser Grundrechtsparagraph ist von denen verletzt, die immer höhere Gehälter für unproduktive Manager fordern.
zu 4.) Dabei übersehen Sie, dass unsere "Demokratie" die soziale Seite gerade abschafft. s.o., in der Tat sind Ihre Beispiele von China oder Russland geeignet, die These des Autors zu belegen. Der soziale Aspekt hingegen stört den Kapitalismus.
zu 5.) Zumindest haben das die Apologeten der freien Marktwirtschaft und ihre Politiker versprochen. Der Verzicht auf prävebtive Maßnahmen trotz dieser Lehre zeigt den demokratischen Abbauprozess.
zu 6.) Die Privatisierung der Deutschen Post ist ein Paradebeispiel dafür, dass Privatisierung alles verteuer und gleichzeitig verschlechtert. Und den Bürger muss die Rolle der Post als Global Player nicht interessieren, er will seine Post pünkztlich und zuverlässig von menschen, die soviel bezahlt bekommen, dass sie auch zuverlässig sind.
zu 7.) Würde die Wirtschaft am Menschen und nicht an den Gewinnen für wenige interessiert sein, könnten weitaus mehr Menschen versorgt werden. Wenn aber große Banken Nahrungsmittel als Spielgeld betrachten, muss man sich über den Hunger in der Welt nicht wundern.
zu 8.) Falsch, durch Beispiele vielfach belegt: "Alternativlosigkeit" statt konstruktives Nachdenken, "Konsumorientierung" statt wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit etc etc
zu 9.) Sie zweifeln die Notwendigkeit des einigen Staates an? Dann viel Spass in Kolumbien, im Irak oder anderen Ländern, die keinen Staat mehr finanzieren.
zu 10.) ich zahle weder Reichen- noch Kirchensteuer, im Übrigen sind 42% noch weit von 50% entfernt, da gibt es Verfassungsverstösse unserer Regierungen, die mich weit mehr
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