Wahnsinn als Selbstverständlichkeit: Seit Jahren ist es offensichtlich, dass die Demokratie ruiniert wird und der Sozialstaat zerfällt. Privatisierte Gewinne und sozialisierte Verluste sind zur Selbstverständlichkeit verkommen. 13 Gründe, sich selbst wieder ernst zu nehmen.
Seit etwa drei Jahren habe ich keinen Artikel mehr geschrieben, denn ich weiß nicht mehr, was ich noch schreiben soll. Es ist alles so offensichtlich: die Abschaffung der Demokratie, die zunehmende soziale und ökonomische Polarisation in Arm und Reich, der Ruin des Sozialstaates, die Privatisierung und damit Ökonomisierung aller Lebensbereiche (der Bildung, des Gesundheitswesens, des öffentlichen Verkehrssystems usw.), die Blindheit für den Rechtsextremismus, das Geschwafel der Medien, die pausenlos reden, um über die eigentlichen Probleme nicht sprechen zu müssen, die offene und verdeckte Zensur (mal als direkte Ablehnung, mal in Form von "Quote" oder "Format") und, und, und. . .
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Sind das nicht jene, die das Gemeinwesen um unvorstellbare Milliarden erleichtert haben? Um deren Vertrauen sollen unsere obersten Volksvertreter ringen? (© dpa)
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Die Intellektuellen schweigen. Aus den Universitäten hört man nichts, von den sogenannten Vordenkern nichts, hier und da gibt es einzelnes kurzes Aufflackern, dann wieder Dunkel. Ich kann nur den Gemeinplatz wiederholen: Die Gewinne werden privatisiert, die Verluste sozialisiert. Und ich wünschte, ich könnte Gegenbeispiele nennen.
Wenn man Tag für Tag den Wahnsinn als Selbstverständlichkeit aufgetischt bekommt, ist es nur eine Frage der Zeit, bis man sich selbst für krank und abnorm hält. Im Folgenden versuche ich, einige Gedanken zusammenzufassen, die mir wichtig erscheinen:
1. Von einem Angriff auf die Demokratie zu sprechen, ist euphemistisch. Eine Situation, in der es der Minderheit einer Minderheit gestattet wird, es also legal ist, das Gemeinwohl der eigenen Bereicherung wegen schwer zu schädigen, ist postdemokratisch. Schuld ist das Gemeinwesen selbst, weil es sich nicht gegen seine Ausplünderung schützt, weil es nicht in der Lage ist, Vertreter zu wählen, die seine Interessen wahrnehmen.
2. Jeden Tag ist zu hören, die Regierungen müssten "die Märkte beruhigen" und "das Vertrauen der Märkte wiedergewinnen". Mit Märkten sind vor allem die Börsen und Finanzmärkte gemeint, damit also jene Akteure, die im eigenen Interesse oder im Auftrag anderer spekulieren, um möglichst viel Gewinn zu machen. Sind das nicht jene, die das Gemeinwesen um unvorstellbare Milliarden erleichtert haben? Um deren Vertrauen sollen unsere obersten Volksvertreter ringen?
3. Wir empören uns zu Recht über Wladimir Putins Begriff der "gelenkten Demokratie". Warum musste Angela Merkel nicht zurücktreten, als sie von "marktkonformer Demokratie" sprach?
4. Der Kapitalismus braucht keine Demokratie, sondern stabile Verhältnisse. Dass funktionierende demokratische Strukturen eher als Gegenkraft und Bremse des Kapitalismus wirken können und so auch wahrgenommen werden, machten die Reaktionen auf die angekündigte Volksabstimmung in Griechenland und deren baldige Rücknahme deutlich.
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Die Sprache ist unsere Wirklichkeit. Unsere Sprache ist unsere Wirklichkeit, ebenso wie jene Wirklichkeit, über die wir nicht sprechen, weil wir es nicht vermögen, sie in die Räume unserer Wirklichkeiten aufzunehmen.
Worüber man nicht sprechen könne, solle man schweigen. Dieser Satz kann nicht richtig sein. Es wäre dann ebenso richtig, zu verlangen, nie zu sprechen, es sei denn, man verfügte über die perfekte Sprache über ein perfekt zu verstehenden Umstand. Niemand hätte die Chance Sprache zu erlernen, sie sich zu erspielen, auch durch Scheitern.
Die Sprache, das Sprechen über den Kapitalismus ist ebenso monopolisiert wie der Kapitalismus selbst. Wir leben darin, als sei er unsere einzige Realität.
Genauso, wie es nur noch zwei große Banken in unserem Land gibt, führen auch nur noch der Kapitalismus und die Demokratie eine sprachlich wirksame Existenz. Der Sozialismus und die Religion sind uns bereits verloren gegangen.
Allerdings sind sie uns zurecht verloren gegangen. Ihre Sprache ist anmaßend gewesen wie die Sprache unseres Kapitalismus, der an seiner Einsamkeit versagt aber immer noch sehr viel verspricht.
Würde ich es wagen, einen Roman zu schreiben, kämen darin der Kapitalismus oder die Gesellschaft gar nicht vor. Sie wären nicht figurentauglich. Man müsste den griechischen Chor aufleben lassen, der immer gleichzeitig und mit nur einer Sprache spricht.
Eigentlich müsste ich mir eine noch konsequentere Individualisierung wünschen, eine Individualisierung die die Vergesellschaftung fürchtet, weil sie ihm die Sprache raubt und monopolisiert. Übrig bliebe nur noch die Meinung.
Die Sprache ist gierig und geizig, gierig nach Wirksamkeit und Selbstvergewisserung und geizig weil sie selten Geschenk ist und ungern scheitert. Das ist die Sprache der Politiker nicht nur, auch die Sprache des Menschen gegenüber dem sich selbst Fremden.
Die Sprache der Politiker ist unsere Sprache. Unsere Sprache ist die Sprache der Politiker. Das ist keine Feststellung, sondern eine Programmatik, eine Sprachfindungsprogrammatik, die neue Möglichkeiten erschafft, Geschenke unserer Sprache, Geschenke an unsere Politiker...
Lieber Autor. Man sollte nicht alle Gedanken öffentlich machen. Anbei meine Anmerkungen:
Zu 1.) Unbelegte Polemik.
Zu 2.) Das Vertrauen der Märkte gewinnen heist den Kreditgebern der Bundesrepublik glaubhaft zu machen, daß geliehenes Geld auch zurückgezahlt wird, obwohl es solche wie Dich gibt, die offensichtlich für Ihre Schulden nicht einstehen wollen. Würdest Du Dir Geld leihen?
Zu 3.) Das Grundrecht auf Eigentum, die Verpflichtung durch Eigentum und die freie Entfaltung der Persönlichkeit verwurzeln die soziale Marktwirtschaft in unsere Demokratie. Das ist besser als fünf-Jahresplan und Gulag.
Zu 4.) Der Kapitalismus braucht keine Demokratie, aber die Demokratie braucht die soziale Marktwirtschaft. Das einem russischen oder chinesischem Geldgeber die Demokratie in Griechenland vollkommen egal ist, kann man nicht ändern.
Zu 5.) Hoffen und Harren...
Zu 6.) Die Privatisierung der monopolistischen Deutschen Bundespost war eine Großtat. Die Deutsche Telekom und die zahlreichen Logistikunternehmen ermöglichen Deutschland erst im globalen Wettbewerb mitzuhalten.
Zu 7.) Da die globale Bevölkerungszahlen wachsen ist klar, daß ohne Wachstum die Menschen nicht zu versorgen sind.
Zu 8.) Unbelegte Polemik.
Zu 9.) Welches Boot haben wir denn noch? Wir leben von der Arbeit, mit der wir Rohstoffe zu Gebrauchsgütern veredeln, um diese der Welt zu liefern. Wenn Du schönere Häuser in Berlin haben willst dann mauer doch welche.
Zu 10.) Die Kassen sind nicht leer, sondern gut gefüllt. Und mit Reichensteuer und Kirchensteuer haben wir jetzt schon mehr als 42 Prozent Einkommensteuer. Und mehr als 50 Prozent Steuerbelastung insgesamt hat das BVG verboten!
Zu 11.) Wenn man mehr Investitionen möchte muß man die Afa erhöhen. Investitionen auzubremsen war ein Werk der SPD. Und die insolventen Banken waren politikergeführten Landesbanken, nicht die von Herrn Ackermann geführte Deutsche Bank.
Zu 12.) Beim Euro ist Deutschland Opfer, nicht Täter.
Zu 13.) Wir haben uns das Geld in der gesamten Welt gepumpt, und die Welt wird an unserem Wesen nicht genesen. Gott sei Dank!
@phaeno
die richtigstellung @gal99 war unbedingt nötig. Obwohl ich unbedingt dafür bin, dass jeder alles sagen darf, wird damit meine toleranzgrenze arg strapaziert.
Aber dann tröste ich mit Friedrich Holländer:
„Sei stets geduldig gegenüber Leuten, die nicht mit dir übereinstimmen. Sie haben ein Recht auf ihren Standpunkt - trotz ihrer lächerlichen Meinung.“
...des Kapitalismus nehmen Dimensionen an, die ein Eingreifen notwendig machen.
Es geht nicht an, dass ein paar reiche Asoziale der gesamten Menschheit auf der Nase herumtanzen, und versuchen, die Gesellschaft systematisch zu verblöden um dann ungestraft weiter auf dem Tisch tanzen!
Ich plädiere für restlose Enteignung aller Menschen, die mehr als 3000€ pro Monat auf dem Konto haben. Besitz wird am Lebensende abgegeben an die Allgemeinheit und wem das nicht passt, der soll auf dem Mond weiterleben - es sind ohnehin nicht viele Menschen, die dann ausgeflogen werden müssten und der Rest hat dann seine Ruhe vor den Verrückten, welche jedes Maß und Anstand verloren haben.
Da die Angesprochenen nun natürlich mit aller Gewalt dagegensprechen werden, kann ich nur dazu sagen: "Verrückte werden nie akzeptieren, dass Sie nicht ganz dicht sind, also rechts rein, links raus" und nicht aus der Ruhe bringen lassen.
Eigene Logik hilft weiter, wer der Bekloppte in diesem dummdreisten Spiel ist, nicht die arme Sau, sondern der reiche Pinkel!
Ihr Beitrag ist ein Paradebeispiel dafür, dass Unsinn auch in noch so schöner Struktur Unsinn bleibt:
zu 1.) Wenn die Unternehmen sich Löhne, Investitionen und Verluste vom Gemeinwesen bezahlen lassen und dabei die Schwere zwischen arm und Reich immer weiter aufgeht, ist das sehr wohl ein Angriff auf die Demokratie.
zu 2.) Wenn Staaten um das Vertrauen der Märkte ringen müssen, statt die Märkte, die diese Staaten soeben schwer geschädigt haben, dann vertreten die Vertreter der Staaten nicht mehr die Interessen der Bevölkerung (P.S.: Das Beispiel mit dem geliehenen Geld ist falsch, da Banken selbst bei einem 50-prozentigen Haircut noch einen Gewinn einstreichen würden, vgl. Standard).
3. Das Grundrecht auf Eigentum ist immer verbunden mit der Verpflichtung, die Eigentum mit sich bringt. Dieser Grundrechtsparagraph ist von denen verletzt, die immer höhere Gehälter für unproduktive Manager fordern.
zu 4.) Dabei übersehen Sie, dass unsere "Demokratie" die soziale Seite gerade abschafft. s.o., in der Tat sind Ihre Beispiele von China oder Russland geeignet, die These des Autors zu belegen. Der soziale Aspekt hingegen stört den Kapitalismus.
zu 5.) Zumindest haben das die Apologeten der freien Marktwirtschaft und ihre Politiker versprochen. Der Verzicht auf prävebtive Maßnahmen trotz dieser Lehre zeigt den demokratischen Abbauprozess.
zu 6.) Die Privatisierung der Deutschen Post ist ein Paradebeispiel dafür, dass Privatisierung alles verteuer und gleichzeitig verschlechtert. Und den Bürger muss die Rolle der Post als Global Player nicht interessieren, er will seine Post pünkztlich und zuverlässig von menschen, die soviel bezahlt bekommen, dass sie auch zuverlässig sind.
zu 7.) Würde die Wirtschaft am Menschen und nicht an den Gewinnen für wenige interessiert sein, könnten weitaus mehr Menschen versorgt werden. Wenn aber große Banken Nahrungsmittel als Spielgeld betrachten, muss man sich über den Hunger in der Welt nicht wundern.
zu 8.) Falsch, durch Beispiele vielfach belegt: "Alternativlosigkeit" statt konstruktives Nachdenken, "Konsumorientierung" statt wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit etc etc
zu 9.) Sie zweifeln die Notwendigkeit des einigen Staates an? Dann viel Spass in Kolumbien, im Irak oder anderen Ländern, die keinen Staat mehr finanzieren.
zu 10.) ich zahle weder Reichen- noch Kirchensteuer, im Übrigen sind 42% noch weit von 50% entfernt, da gibt es Verfassungsverstösse unserer Regierungen, die mich weit mehr
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