Städtebau Hamburgs HafenCity, eine städtebauliche Erfolgsgeschichte

Etwas New York, viel Klinker und eine frische Brise von der Elbe: das "Überseequartier" soll das kommerzielle Herz der HafenCity werden.

(Foto: MOKA)

An den Entwürfen für das neue Quartier überzeugt nicht alles. Und doch zeigt das Modell, wie Kompromisse zu mehr Urbanität führen.

Von Till Briegleb, Hamburg

Das "Aus" für die Olympia-Bewerbung in Hamburg hatte vermutlich mehr mit der HafenCity, Hamburgs prominentem Stadtviertel an der Elbe, zu tun, als dessen Planern lieb sein kann. Immer wieder fiel in Diskussionen über den Sinn der Spiele von den Gegnern der Satz, man wolle nicht noch mehr HafenCity. Und diese Ablehnung zielte auf das eigentlich beste Argument der Befürworter.

Denn hätte Hamburg tatsächlich 2024 das Sportfest ausrichten können, dann wäre ein großer neuer Stadtteil an den Elbbrücken entstanden, der die bisher durch Hafennutzung getrennten Gebiete nördlich und südlich der Elbe verbunden hätte. Aber die architektonische Vorstellung, die das bereits gebaute und das geplante Bild der HafenCity über das mögliche Aussehen einer "Olympic City" lieferte, schien der Mehrheit bei der Abstimmung offensichtlich keine Verheißung zu sein.

Die oft sehr emotional geäußerte Ablehnung von Hamburgs neuem Städtebau am Wasser speist sich aus zwei gegensätzlichen Haltungen. Die einen vermissen in der HafenCity den Rhythmus und die Schönheit der Gründerzeitstadt mit ihren kleinteiligen Vierteln und ihrer detailreichen Architektur. Die mehr zeitgenössisch argumentierenden Gegner dagegen stören sich mit Blick auf dänische, holländische oder österreichische Beispiele an der konservativen Backsteinmoderne, die in großen Teilen des Gebiets den Entwerfern vorgeschrieben wird. Zu bieder sei das neue "Rote Hamburg".

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Nun lautete sowohl bei der Olympia- wie bei der HafenCity-Planung das offizielle Credo, man wolle aus den Fehlern der Vergangenheit lernen, um alles besser zu machen. Als kurz nach dem negativen Bürgerentscheid zur Olympiabewerbung das neue "Überseequartier" der HafenCity von der Hamburger Bausenatorin Dorothee Stapelfeldt vorgestellt wurde, lieferte dieser Anspruch den Grund für besondere Aufmerksamkeit. Tatsächlich ist die Geschichte des "kommerziellen Herzens" der HafenCity nämlich selbst ein Epos unerfüllter Versprechen.

Seit 2010 endet das Zentrum des riesigen neuen Stadtteils unfreiwillig an einer sehr tiefen Baugrube. Mit der internationalen Finanzkrise war dem ersten niederländischen Investor die Puste ausgegangen. Doch das halbe "Überseequartier" geriet nicht nur deswegen in die Schlagzeilen. Zu viel zu teurer Büroraum sorgte ebenso für Unmut wie die schwerfällige Backstein-Architektur, die auch durch modische Knicke nicht aufregender wirken wollte.

Ende 2014 hatte dann der französische Shopping-Mall- und Hochhausentwickler Unibail-Rodamco das Gebiet übernommen und durfte es mit neuen Architekten und neuen Vorgaben ein zweites Mal entwickeln. Bei gleichbleibendem Grundriss gewährte die Stadt dem Investor, der hier 860 Millionen Euro verbauen will, doppelt so viel Einzelhandelsfläche wie ursprünglich vorgesehen. Zudem veränderte man das Verhältnis von Wohnungen und Büros stark zugunsten neuer Luxusapartments.

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Der nun vorgestellte Entwurf ist ein Kompromiss für alle. Die Pergola-ähnliche Glasüberdachung von Architekt Werner Sobek macht aus der städtisch geforderten Einkaufsstraße irgendwie doch die vom Investor gewünschte Shopping Mall. Besondere Berücksichtigung erfuhren aber vor allem die gegensätzlichen Stilvorlieben.