Schauspieler Heinz Bennent stirbt mit 90 Jahren Fanatiker aus der zweiten Reihe

Er war ein Unsteter, ein Grübler - und manchmal hatte sein Perfektionismus selbstzerstörerische Züge. Heinz Bennent brillierte als Darsteller der Einsamen und der Außenseiter. Unter den Schauspielern aus der zweiten Reihe war er einer der größten. Ein Nachruf.

Von Michael Grill

Er war ein Exzentriker, aber auch von kühler Strenge. Ein großer Künstler, dem aber ein Leben als Star verwehrt blieb. Ein Unsteter, ein Grübler, einer mit bedeutungsvoller Schwere - aber eben auch mit großer Aufrichtigkeit.

Der Schauspieler Heinz Bennent galt in der deutschen Theaterlandschaft als eine besonders unabhängige Persönlichkeit und ließ sich von niemandem vereinnahmen - außer von der Figur, die er gerade verkörperte. Nun starb er im Alter von 90 Jahren im Kreise seiner Familie in Lausanne, wie das Renaissance Theater in Berlin mitteilte.

Bennent war in rund 150 Rollen in Theater, Film und Fernsehen zu sehen. Unter anderem stand er 1978 in Volker Schlöndorffs Verfilmung der "Blechtrommel" vor der Kamera - gemeinsam mit seinem Sohn David, der den kleinwüchsigen Trommler spielte.

Geboren 1921 in Aachen, begann das sechste Kind eines Buchhalters noch als junger Weltkriegssoldat mit der Vorbereitung für den Schauspielerberuf. Nach den ersten Engagements in Bochum, Karlsruhe, Basel, Bonn, Hannover und Hamburg und dem anschließenden erfolgreichen Einstieg in die Film- und TV-Szene zog er in die Schweiz, wo er bis zu seinem Tode lebte.

Zu seinen größten Erfolgen gehörten Auftritte in Francois Truffauts Meisterwerk "Die letzte Metro" (1980), in dem er einen von den Nazis verfolgten jüdischen Theaterdirektor spielte, sowie in den Filmen "Das Schlangenei" (1977) von Ingmar Bergman, "Im Jahr der Schildkröte" (1988) von Ute Wieland und "Kalt ist der Abendhauch" (2000) von Rainer Kaufmann. Insgesamt aber blieb er ein Schauspieler aus der zweiten Reihe - vielleicht auch, weil ihm eine stets freundlich schillernde Oberfläche fehlte und er von einer manchmal geradezu furchterregenden Ernsthaftigkeit war.

In München wurde Bennent durch seine Gastspiele an den Münchner Kammerspielen bekannt. Insbesondere Samuel Becketts "Endspiel", das er gemeinsam mit seinem Sohn David gab, wurde zu einem großen Erfolg.

Zu seinem 90. Geburtstag im Sommer dieses Jahres erschien in der Süddeutschen Zeitung eine Würdigung, die Bennent als deutschen Schauspieler von internationalem Format schildert - jedoch habe seine Virtuosität ans Fanatische, ja Seelenlose gegrenzt. Bennent schilderte sich selbst als Menschen, der gerade in seinen frühen Jahren so hart an sich arbeitete, dass es selbstzerstörerische Züge annahm.

Heinz Bennent verkörperte in seinem ganzen langen Schauspielerleben etwas, das nicht immer populär macht, aber glaubwürdig: Charakter.

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