Saoirse Ronan im Interview Endlich mal Frauen im Mittelpunkt

In "Brooklyn" fühlt Saoirse Ronan sich ihrer Figur Eilis sehr nah.

(Foto: AP)

Saoirse Ronan ist für ihre Rolle in "Brooklyn" für einen Oscar nominiert. Im Interview erzählt die Schauspielerin, was sie gereizt hat - und wo es in Hollywood noch viel zu tun gibt.

Von Alexander Menden, London

Die irisch-amerikanische Schauspielerin Saoirse Ronan war bislang vor allem für frühreife Teenager-Rollen bekannt. Berühmt wurde die heute 21-Jährige als intrigantes Mädel in der Verfilmung des Ian McEwan-Romans "Abbitte", wo sie 2007 an der Seite von Keira Knightley und James McAvoy zu sehen war. Es folgten unter anderem die Beststeller-Verfilmung "In meinem Himmel" und das Action-Drama "Hanna".

In ihrem neuen Film "Brooklyn" spielt Ronan nun zum ersten Mal keinen Teenie mehr. Die Geschichte basiert auf dem Roman des irischen Schriftstellers Colm Tóibín und handelt von einer jungen Frau, die zu Beginn der Fünfzigerjahre aus einem winzigen irischen Städtchen in die USA emigriert. Als sie wegen eines Todesfalls zurück in die Heimat muss, fühlt sie sich hin und her gerissen zwischen Heim- und Fernweh sowie zwischen zwei Liebhabern. Für diese Rolle ist Ronan nun als beste Hauptdarstellerin bei den Oscars nominiert worden - vielleicht nicht zuletzt, weil sie sich dieser Figur selbst sehr nah fühlt.

Vor der Kamera heulen? Nicht so schwer

Beim SZ-Interview in London berichtete Ronan: "Es hat die Figur für mich sicherlich noch bedeutsamer gemacht, dass sie von Irland nach Amerika und zurück reist - und dabei sich selbst findet. Ich hatte den Roman von Colm Tóibín schon gelesen, ohne zu wissen, dass ich an der Verfilmung beteiligt sein würde. Es ging um eine Frau, die meinem wirklichen Alter entspricht, und das hat mich sehr gereizt."

Da der Film ein richtig klassisches Melodram mit großen Gefühlen ist, gibt es für Ronan ziemlich viel zu heulen - was sie aber gar nicht so schwer findet: "Vor der Kamera finde ich lachen ehrlich gesagt schwieriger als weinen. Wobei, lachen geht noch. Aber auf Kommando lächeln - das ist wirklich nicht leicht. Es fühlt sich meist unecht an. Mein Lieblingsgenre sind Komödien, aber ich spiele hauptsächlich in ernsten Dramen mit, weil mir das als Schauspielerin mehr entgegenkommt."

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Besonders gut aber hat ihr an dem Projekt gefallen, dass Frauen im Mittelpunkt einer großen Geschichte stehen, nicht immer nur Männer. "Bei uns gibt es endlich mal Szenen, in denen Frauen einfach nur um einen Tisch sitzen und sich unterhalten. Und zwar nicht nur darüber, dass sie ihre Tage haben oder über Sex und Männer, obwohl Frauen über so etwas natürlich auch reden. Aber das Kino bildet viel zu selten ab, wie Frauen verschiedener Altersklassen wirklich miteinander sprechen, wie sie voneinander lernen, und ich denke, das ist uns ganz gut gelungen."

Aber auch hinter der Kamera sollten laut Ronan noch viel mehr Frauen aktiv sein im Filmgeschäft: "Es sollte nichts Außergewöhnliches sein, dass eine Frau an einem Filmset der Boss ist. Da gibt es noch viel zu tun."

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