"Brooklyn" im Kino:Großes Gefühlswirrwarr

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Kinostart - ´Brooklyn - Eine Liebe zwischen zwei Welten"

Gefangen zwischen Heim- und Fernweh und zwischen zwei Männern: Saoirse Ronan (r) als Eilis im Film "Brooklyn", hier mit Emory Cohen als Tony.

(Foto: dpa)

Das zärtliche Melodram "Brooklyn" erzählt von einer Dreiecksgeschichte zwischen zwei Kontinenten - ganz unironisch romantisch.

Von David Steinitz

Vorsicht, dieser Film ist nur etwas für professionelle Romantiker! Was natürlich daran liegt, dass er von drei professionellen Romantikern gemacht wurde: "Brooklyn" basiert auf dem gleichnamigen Roman des wunderbaren irischen Schriftstellers Colm Tóibín. Das Drehbuch hat sein britischer Kollege Nick Hornby verfasst, der für seine Adaption soeben für den Oscar nominiert wurde. Der irische Regisseur John Crowley hat dessen Drehbuch nun als rührendes und zärtliches Melodram inszeniert - ein Genre, das leider vom Aussterben bedroht ist, weil die großen Gefühle hier selbstverständlich nicht ironisch gefiltert werden dürfen, wie es derzeit sonst üblich ist im Kino.

Ein gewaltiges Abenteuer

Das Mädchen Eilis (Saoirse Ronan) emigriert Anfang der Fünfziger aus einem winzigen irischen Städtchen ins wilde New York. Sie ist ein Mauerblümchen, zu schüchtern für diese Welt, und allein die lange Schiffsreise ist ein gewaltiges Abenteuer. In Amerika blüht sie nach einer Phase der Angst aber langsam auf und lernt einen jungen Italoamerikaner kennen, in den sie sich schwer verliebt.

Als ein Todesfall in der Familie sie zurück nach Europa zwingt, wo sie sich auf einen Flirt mit einem Jugendbekannten einlässt, sitzt sie in einer emotionalen Zwickmühle: gefangen zwischen Heim- und Fernweh und zwischen zwei Männern.

Ergreifend, aber nie pathetisch

Wie es sich für ein anständiges Melodram gehört, erzählt Crowley seinen Film sehr nah an der Grenze zu Kitsch und Klischee. Gerade deren behutsame Dosierung ist der Balanceakt, der das Melodram zu einer so kniffligen Kunstform macht. Doch Crowley und seine Schauspieler finden durchgehend einen ergreifenden, aber nie pathetischen Ton.

Einzig die völlige Ausblendung des zeitlichen Rahmens, in der diese Emigrationsgeschichte spielt, die frühen Fünfzigerjahre mit dem Koreakrieg und der Kommunistenhatz, ist etwas verwunderlich. Hat doch die Idee des amerikanischen Traums und des ihm zugrunde liegenden Liberalismus gerade in dieser Zeit einen großen Knacks bekommen. Ansonsten aber bietet dieser Film das, wofür man schließlich ins Kino geht: großes Gefühlswirrwarr.

Brooklyn, GB/Irland/Kanada 2015 - Regie: John Crowley. Buch: Nick Hornby. Kamera: Yves Bélanger. Mit: Saoirse Ronan, Emory Cohen, Domhnall Gleeson. Fox, 111 Minuten.

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