Oscar-Moderator Neil Patrick Harris Der darf fast alles

Neil Patrick Harris ARCHIV - US-Schauspieler Neil Patrick Harris am 07.02.2014 in Cambridge, Massachusetts (USA). Foto: Cj Gunther (zu dpa ´Fucking lustig"? Neil Patrick Harris als Oscar-Moderator 2015 vom 20.02.2015) +++(c) dpa - Bildfunk+++

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Neil Patrick Harris moderiert am Sonntag die Oscarverleihung. Eine heikle Ehre. Viele vermeintliche Rampensäue haben sich hier schon blamiert. Doch dieses Jahr macht sich niemand Sorgen.

Von Jürgen Schmieder, Los Angeles

Es ist nur ein Wort, mehr braucht es nicht, um die Oscar-Nominierten zu erschrecken. Da sitzen sie, im Beverly Hilton, und laben sich an arktischem Saibling und kalifornischem Mandelkuchen, sie gratulieren sich gegenseitig zu ihren schauspielerischen Leistungen der vergangenen Monate und versuchen jede Form von Nervosität wegzulächeln. Dann kommt Neil Patrick Harris auf die Bühne und sagt das einzige Wort, das auf so einer Veranstaltung tabu ist. Er sagt "Fuck".

Marion Cotillard guckt kurz entsetzt zu Bradley Cooper, doch der beginnt sofort laut zu lachen und zu klatschen. Alle lachen und klatschen. Vielleicht deshalb, weil Harris nicht wütend "Fuck" gebrüllt, sondern freundlich lächelnd erklärt hat, dass die Oscar-Verleihung in diesem Jahr "fucking hilarious" werden würde. Also weniger Schimpfwort als vielmehr positives Ausrufezeichen. Vielleicht lachen und klatschen sie aber auch, weil sich Harris derzeit so ziemlich alles erlauben kann. Er ist der Goldjunge der amerikanischen Unterhaltungsindustrie. Und man kann durchaus davon ausgehen, dass die von ihm moderierten Academy Awards in diesem Jahr verflucht lustig sein werden. Wie schon die Tony Awards für Theater- und Musicaldarbietungen (2009, 2011, 2012, 2013) und die Emmys fürs Fernsehen (2009 und 2013).

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Augenblicke fürs Langzeitgedächtnis

Die Präsentation der mindestens drei Stunden dauernden Oscarverleihung, die weltweit etwa eine Milliarde Menschen live verfolgen werden, gilt als eine kniffligsten Aufgaben im Showgeschäft. Der Grat zwischen gelungen und daneben, zwischen Selbstbeweihräucherung (Seth McFarlane, 2013) und Unsichtbarkeit (James Franco, 2011), langweilig (David Letterman, 1995) und überdreht (Whoopi Goldberg, 1994 und 1996), zwischen lustig (Billy Crystal, acht Mal zwischen 1990 und 2004) und schrecklich (Billy Crystal, 2012) ist bei dieser Veranstaltung denkbar schmal.

"Ich habe mir die Sendungen der letzten Jahre angesehen - was sie erreicht haben und was noch für mich übrig ist", sagt Harris: "Wir versuchen, Ideen zu entwickeln, die sowohl die Leute im Saal als auch die Menschen daheim unterhalten." Kurzweilig soll es werden, klar, aber auch mit Augenblicken fürs Langzeitgedächtnis. So wie das berühmte Gruppen-Selfie der Stars im vergangenen Jahr oder der Auftritt des aufgeregten Pizzaboten, der live im Saal Essen verteilen durfte. Das waren typische Momente der damaligen Moderatorin Ellen DeGeneres: scheinbar spontan und doch perfekt choreografiert, vordergründig schüchtern, aber mit bösen Sprüchen garniert.

Auf Gehässigkeiten will Harris indes verzichten: "Wer hat Lust auf Häme, wenn er für einen verdammten Oscar nominiert ist?"

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Einen typischen Neil-Patrick-Harris-Moment gibt es nicht. Der 41-Jährige kann auf viele Arten glänzen. Der Mann kann singen, tanzen, er kann Stand-up, er kann sogar zaubern. Harris gehört auch zu den wenigen Künstlern, die selbst für einen Emmy, einen Grammy und für Golden Globes in den Kategorien Film und Fernsehen nominiert waren. Das allein erklärt jedoch noch nicht, warum die Zeitschrift Entertainment Weekly in dieser Woche ein goldenes Gesicht von Harris auf den Titel gepackt und ihn als "Hollywoods Goldjungen" bezeichnet hat.

Es hilft, mal selbst bei einem seiner Auftritte dabei gewesen zu sein, um zu verstehen, warum ihn alle mögen. Anfang 2014 im Dolby Theater in Hollywood: Die Darsteller der auch in Deutschland erfolgreichen Sitcom "How I Met Your Mother" lassen sich beim Paleyfest feiern, Harris ist aus New York zugeschaltet, sein Fehlen begründet der Darsteller mit den Proben für das Broadway-Musical "Hedwig and the Angry Inch" (für seine dortige Rolle als ostdeutsche Transsexuelle wird er später mit einem Tony ausgezeichnet).

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Harris beendet das Skype-Gespräch zwischen Ost- und Westküste, ruft aber 30 Minuten später noch mal an. "Jetzt habe ich doch wirklich vergessen, mich bei Pam Fryman zu bedanken", sagt er über eine der Regisseurinnen und Produzentinnen der Serie. Und weiter: " Wie konnte mir das nur passieren? Sorry! Sorry! Sorry! Pam, Du bist die Beste!" Dann legt er auf.