Neuverfilmung von "Ghostbusters" Die neuen "Ghostbusters" sind Frauen - und die Empörung ist groß

Erst nur Männer, jetzt nur Frauen: Leslie Jones, Melissa McCarthy, Kristen Wiig und Kate McKinnon als die neuen Ghostbusters.

(Foto: © Sony Pictures Releasing GmbH)

Der Trailer zur Neuverfilmung des Klassikers macht viele Leute richtig sauer. Die meisten von ihnen sind gekränkte Männer.

Kommentar von Kathleen Hildebrand

Als vergangene Woche der erste Trailer zu Paul Feigs neuem Ghostbusters-Film veröffentlicht wurde, verdarb das einer ganzen Menge Leute den Tag. "Schrecklich", tippten sie in die Kommentarfelder unter dem Youtube-Video, "der nächste Terrorangriff auf New York City" und: "Es ist, als wäre gerade meine Kindheit vergewaltigt worden."

Dass Menschen gereizt auf sogenannte Reboots, also Neuverfilmungen beliebter Kinoklassiker reagieren, kommt vor. Angesichts der Sequel- und Prequel-Versessenheit des gegenwärtigen Hollywoods ist das auch verständlich. Aber die neuen "Ghostbusters" erregten noch eine ganz andere Art von Hass. Der Film sei für "Feminazis" gemacht, hieß es unter dem Trailer. "Sagt nein zu Political Correctness ." Oder sogar: "Die schwarze Schauspielerin sieht aus wie ein Gorilla."

Was die meisten an der Neuverfilmung stört, ist offenbar vor allem eines: die rein weibliche Besetzung aller vier Hauptrollen. Die Ghostbusters werden 2016 nicht mehr von Dan Aykroyd, Bill Murray, Harold Ramis und Ernie Hudson gespielt, sondern von Melissa McCarthy, Kristen Wiig, Leslie Jones und Kate McKinnon. Sie sind vier der momentan erfolgreichsten Komikerinnen der USA - und zwar nicht nur, wenn man die männliche Konkurrenz herausrechnet. Mit der sehr lustigen Agentenfilm-Parodie "Spy - Susan Cooper Undercover" hat Melissa McCarthy im vergangenen Jahr gezeigt, wie fest die amerikanische Comedy mittlerweile auch in weiblicher Hand ist. Und "Bridesmaids", wie "Spy" von Paul Feig inszeniert und mit Wiig und McCarthy besetzt, war eine der erfolgreichsten Komödien der vergangenen Jahre.

Wenn das Bild einmal umgedreht wird, hört man nichts als Wut und Hass

Für die Annahme, dass die neuen Ghostbusters nicht witzig genug sein könnten, gibt es also keine Grundlage. Es sei denn, man ist der etwas antiquierten Ansicht - die laut Studien immer noch verbreitet ist - der Humor einer Frau zeige sich darin, dass sie über die Witze von Männern lacht. Wenn Frauen witzig sind, empfinden das viele als ein Eindringen in eine Männerdomäne. In ein Feld, auf dem sich lange nur Männer untereinander gemessen - und um Zuspruch von einander, aber auch von Frauen gebuhlt haben. Die rein weibliche Ghostbusters-Besetzung macht offenbar vielen schmerzhaft deutlich, dass es auch damit vorbei ist.

"Who you gonna call?", fragte Buzzfeed mit einem Zitat aus dem Titelsong des Originalfilms, als das Portal die Ghostbusters-Debatte aufgriff. Wen ruft ihr zu Hilfe? Buzzfeed antwortete gleich selbst: "Wahrscheinlich ein Forum für Männerrechte." Denn was bitte soll das? Ghostbusters war vor mehr als 20 Jahren eine sehr erfolgreiche Komödie - deren Hauptrollen durchweg mit männlichen Komikern besetzt waren.

Damals ereiferte sich niemand darüber, dass sie keine Frau im Team hatten. So wenig, wie sich heute jemand laut über die vielen, vielen Filme aufregt, in denen Männer ausnahmslos alle Hauptrollen spielen. So wie in "Bridge of Spies", "The Big Short" und "The Revenant", drei der sechs Filme, die dieses Jahr für einen Oscar nominiert waren. Gerieten diese Filme in einen Shitstorm? Nein, natürlich nicht. An diese Art von Ungleichgewicht sind alle gewöhnt. Aber wenn das Bild einmal umgedreht wird, hört man nichts als Wut und Hass.

Dazu muss man wissen, dass der Originalfilm 1984 vor allem eines war: ein Vehikel für die damals erfolgreichsten Komiker der Sendung Saturday Night Live. Die Show gibt es immer noch und sie ist nach wie vor der Inkubator von Amerikas ganz großen Comedy-Stars. Was heute aber anders ist, ist deren Geschlechterverteilung. Es gibt seit ein paar Jahren einfach viel mehr sehr lustige Frauen bei SNL. So wie Tina Fey, Maya Rudolph, Amy Poehler, Sarah Silverman und eben die Ghostbusterinnen Kristen Wiig, Leslie Jones und Kate McKinnon. Die Produktionsfirma Sony hat auf die Debatte mit einem zweiten Trailer geantwortet, der voll ist mit lustigen Kommentaren zu rassistischer wie sexistischer Diskriminierung.

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Dem neuen Ghostbusters-Film kann man im Moment, da außer dem Trailer noch niemand etwas von ihm gesehen hat, wohl nur eines ernsthaft vorwerfen: Dass er den nächsten Schritt nicht auch noch gegangen ist und die einzige Schwarze im Team eben keine der brillanten Wissenschaftlerinnen ist - sondern die Fahrerin.