"The Promise" im Kino "The Promise" will einfach zu viel

Der junge Armenier Mikael (Oscar Isaac) macht sich auf nach Konstantinopel, wo er sich in Ana (Charlotte Le Bon) verliebt.

(Foto: dpa)

Mit seinem neuen Film, einer Liebesgeschichte vor dem Hintergrund des Völkermords an den Armeniern, hat sich Terry George übernommen.

Von Susan Vahabzadeh

Wenn Filme eine Kontroverse auslösen, noch bevor irgend jemand sie gesehen hat, können sie meistens nichts dafür. Terry Georges "The Promise - Die Erinnerung bleibt" ist so ein Fall. George erzählt eine Geschichte vom Genozid an den Armeniern, und weil es immer noch genug Leute gibt, nicht nur in der Türkei, die behaupten, den habe es gar nicht gegeben, wurde der Film im Internet unbesehen verteufelt und anschließend genauso unbesehen bejubelt, noch bevor er in den USA Premiere feierte, zum 102. Jahrestag des Genozids im vergangenen April. Beides stimmt natürlich nicht. "The Promise" ist weder ein schlechter Film noch ein Meisterwerk. Christian Bale und Oscar Isaac streiten sich um Charlotte Le Bon - in den USA ist der Film trotzdem gefloppt.

Um es vorweg zu sagen: "The Promise" ist eine solide Arbeit, die fiktiven Figuren bewegen sich vor einer einigermaßen akkurat beschriebenen historischen Kulisse. Die Geschichte beginnt damit, dass sich der junge Armenier Mikael (Oscar Isaac) aufmacht in die große Stadt - zu Hause hat er schon als Apotheker Vorarbeit geleistet, nun will er in Istanbul, Konstantinopel genau genommen, Medizin studieren; und danach will er zurück ins Dorf, als Arzt. Seine Verlobte wartet schon. Bei seinem Onkel wartet aber schon die erste Ablenkung: Ana (Charlotte LeBon), in Paris aufgewachsene Armenierin, die Tanzlehrerin seiner Cousinen. Der Onkel ist vermögend, Ana ist mit einem amerikanischen Journalisten verlobt, den Mikael bald kennenlernt - und so landet er auf Botschaftspartys und Soireen.

Mann mit großem Herzen

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Der Weltkrieg bricht aus, und plötzlich sind Menschen wie Mikael und sein Onkel Aussätzige in der Gesellschaft. Und es gibt kaum jemanden, der dagegen irgendetwas unternehmen würde. Außer Anas Verlobtem Chris Meyers (Christian Bale), der wild entschlossen ist, alles, was er über die Verfolgung der Armenier herausfindet, nach Hauses zu kabeln.

Diese Figur hat Terry George irgendwie sehr schön erfunden. Dieser amerikanische Journalist, der nur seinen Botschafter - Henry Morgenthau! - als Verbündeten hat und bereit ist, Leib und Leben zu riskieren, egal ob es um den Schutz von Quellen oder die Errettung von Waisenkindern geht, ragt in diesen merkwürdigen Zeiten aus dem Film wie ein Stück Mount Rushmore, das an Zeiten gemahnt, als Amerika noch Gerechtigkeitssinn exportierte.

Alle Bilder bleiben weit hinter dem zurück, was 1915 tatsächlich geschehen ist

Chris ist keineswegs vollkommen, aber in seiner Unvollkommenheit muss man ihn mögen: versoffen, ein bisschen cholerisch - aber er tut letztlich immer das Richtige. Mikael sieht daneben ein bisschen lahm aus. Aber dafür versteht er besser, wie Ana sich fühlt, als die Verhaftungen und Verschleppungen beginnen und es erste Berichte gibt, dass die Angehörigen in der Provinz aus ihren Dörfern vertrieben werden. Mikael will unbedingt nach Hause. Schon, weil er ja versprochen ist.

Was Mikael erlebt, der bald im Arbeitslager landet, was Ana und Chris vorfinden, als sie ihrerseits nach Armenien reisen, ist einigermaßen schrecklich, und George zeigt es in teilweise recht drastischen Bildern; alle Bilder bleiben aber weit hinter dem zurück, was 1915 tatsächlich geschehen ist.

"The Promise" ist tatsächlich, auf seine Art, ein besonderer Film. Dass er überhaupt gedreht wurde, liegt überwiegend an dem im vergangenen Jahr verstorbenen Milliardär und Philanthropen Kirk Kerkorian, der Amerika, nicht aber dem amerikanischen Kino große Dienste geleistet hat - als Eigentümer hat er sowohl vom ehemals großen Filmstudio MGM als auch von United Artists nicht richtig viel übrig gelassen. Aber armenischer Abstammung war er mit Stolz. Und diesem Projekt half er vor seinem Tod noch finanziell auf die Beine.